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00:23 17.08.2018
Das Gymnasium Markranstädt feiert seine neugewonnene Eigenständigkeit. Die Schüler lassen 200 Luftballons steigen. Quelle: Foto: André Kempner
Markranstädt

Innerhalb des Tagesprogramms am Gymnasium Markranstädt ging die Begrüßung der insgesamt 104 neuen Fünftklässler etwas unter. Zumindest stand für das Haus und für die Stadt am ersten Schultag anderes Wichtiges auf dem Plan: Es galt – als quasi historischer Akt – die neue Eigenständigkeit des Markranstädter Gymnasiums zu feiern. Seit 16 Jahren nämlich bestand das Gymnasium dank einer Zweckvereinbarung nur im Verbund mit dem Schkeuditzer Gymnasium und unter Obhut des Landkreises Nordsachsen. Bereits seit 2012 gab es Diskussionen und Überlegungen, wie diese Zweckvereinbarung wieder aufzulösen sei.

„Endlich ist er da: der Tag der Eigenständigkeit. Markranstädt hat ein eigenes Gymnasium!“, begrüßte Bürgermeister Jens Spiske (FWM) die Gäste. Die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (SPD), war beim Festakt genauso anwesend wie der Landrat des Landkreises Leipzig, Henry Graichen (CDU), und der des Landkreises Nordsachsen, Kai Emanuel (parteilos). Auch Ralf Berger, Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung, war bei der Feierstunde dabei. „Sie haben den Prozess ,eigenständiges Gymnasium Markranstädt‘ als Leiter der sächsischen Bildungsagentur in Leipzig jahrelang begleitet und unterstützt“, bedankte sich Spiske nun nach dem Erfolg. Dicke Bretter galt es zuvor vor allem mit Schkeuditz zu bohren, meinte das Stadtoberhaupt. „Ich selbst habe stundenlange Gespräche geführt, Optionen der Trennung diskutiert – ohne Chance“, berichtete Spiske von Gesprächen mit dem ehemaligen Schkeuditzer Oberbürgermeister Jörg Enke (FW). Nach der Wahl in der Flughafenstadt und dem Amtsantritt von Rayk Bergner (CDU) sei es eine seiner ersten Amtshandlungen gewesen, seinen Stadtrat davon zu überzeugen, dass eine Trennung der beiden Häuser sinnvoll ist und der Stadtrat dem Ansinnen Markranstädts zustimmen könne. „Damit fiel für uns auch die letzte Hürde. Deswegen mein besonderer Dank an dich, verehrter Kollege Bergner“, äußerte Spiske.

Das Gymnasium Markranstädt feiert seine neugewonnene Eigenständigkeit. Quelle: Roland Heinrich

Nun gelte es, nach vorn zu blicken. Zusammenarbeiten werden die beiden Gymnasien auch weiterhin. Denn im Laufe der vergangenen 16 Jahre hätten sich Dinge entwickelt, die nicht zu trennen seien. Eine entsprechende Absichtserklärung, eine Kooperationsvereinbarung zu unterzeichnen, die die enge Verbundenheit beider Häuser unterstreicht und gemeinsame Projekte fortschreibt, wurde vom nordsächsischen Landrat und den beiden Stadtoberhäuptern unterzeichnet.

„Ich danke den Urvätern der Zweckvereinbarung“, betonte Schulleiter Thomas Schönfeldt. Denn ohne jene Übereinkunft wären wohl beide Gymnasien in Markranstädt und Schkeuditz wegen zu weniger Schüler geschlossen worden. Sachsenweit habe es Ende der 1990er-Jahre einen massiven Rückgang der Schülerzahlen gegeben. „Schulen mussten – auch in Leipzig – geschlossen werden, die man heute gut gebrauchen könnte“, sagte Schönfeldt. „Heute ist ,Independence-Day‘, also ein Unabhängigkeitstag. Das ist ein besonderer Tag!“, betonte der Schulleiter beider Häuser, der künftig nur noch am Schkeuditzer Gymnasium die Geschäfte führen wird. Auch für Schkeuditz sei das ein toller Tag. Denn mit der Zweckvereinbarung sei auch ein gewaltiges bürokratisches Konstrukt entstanden, das Kräfte band. „Jetzt können wir uns wieder inhaltlichen Schwerpunkten widmen. Und darauf kommt es doch an“, bemerkte Schönfeldt.

Nach dem feierlichen Akt mit musikalischer Untermalung durch das Youth-Brass-Orchester wurde am Gymnasium ein Banner entrollt: „Hurra, endlich wieder ein EIGENES Gymnasium!“. Schülerinnen und Schüler – in diesem Jahr insgesamt 668 – ließen im Schulhof 200 Wunschzettel-Luftballons steigen. Und dort wurde zu DJ-Musik gefeiert – und diesmal kostenfrei gegessen.

Übrigens: Das Gymnasium Markranstädt hat im Internet eine eigene Homepage. Auf der Schkeuditzer Startseite wird wie bisher noch zu den beiden Häusern weitergeleitet.

Von Roland Heinrich

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