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Markranstädt streitet mit dem Kreis um Vernässungsfläche Gärnitz

Sinkendes Grundwasser Markranstädt streitet mit dem Kreis um Vernässungsfläche Gärnitz

Beim Streit um die so genannte Vernässungsfläche Gärnitz setzt die Stadt Markranstädt jetzt auf Konfrontation.

146000 Quadratmeer groß war dieses Gewässer in Gärnitz einmal. Zwischenzeitlich ist die Vernässungsfläche wegen sinkenden Grundwassers geschrumpft, seit einigen Woche steigt der Pegel am alten Pumpenhäuschen jedoch langsam wieder. Wie hoch er klettern darf, darüber gibt es Streit zwischen Stadt und Kreis.

Quelle: Kempner

Markranstädt. Wie Bürgermeister Jens Spiske (FWM) unlängst im Technischen Ausschuss erklärte, habe das Landratsamt ihm in einem Schreiben „nahe gelegt“, doch den Antrag auf Absenkung des Wasserspiegels an dem Gewässer besser zurückzuziehen - das werde sowieso nicht erlaubt. Spiske erklärte den Räten darauf, er wolle einen regulären Bescheid des Landratsamtes, um dagegen dann rechtlich vorgehen zu können.

Der Streit vor Gericht wäre der folgerichtige Höhepunkt eines Falles, der schon Spiskes Amtsvorgängerin Carina Radon (CDU) beschäftigte – und dessen Wurzeln eigentlich im Einigungsvertrag liegen. Denn dieser hatte zwar staatliche Lösungen für Umweltschäden, die durch die DDR-Tagebaue entstanden. Aber was in den Zeiten davor geschah und nur zu DDR-Zeiten nicht beseitigt wurde, fiel nicht darunter. Markranstädt fällt das nun auf die Füße.

Bekanntlich entstanden die Senken in Gärnitz als Folge des Braunkohleabbaus unter Tage zu Kaisers Zeiten. Die Stollen ließ man damals einstürzen, nachdem sie ausgekohlt waren. Erst 1937 wurde der letzte Schacht geschlossen. Die DDR versuchte, Stollen noch mit Asche aus dem Kraftwerk aufzufüllen. Bis 2010 pumpten die Kommunalen Wasserwerke Leipzig als Betreiber der Abwassernetze das Wasser ab, das sich in den Senken sammelte. Dann war Schluss, das Drama begann.

Das Pumpenhäuschen steht noch, wurde von der Stadt Markranstädt wieder in Betrieb genommen, als der Seepegel nach Starkregenfällen dramatisch anstieg, Keller ringsum feucht wurden, Parzellen eines Kleingartenvereins absoffen, auch die nahe Kreisstraße unterspült zu werden drohte. Zwischenzeitlich hatte die Landesdirektion die Vernässungsfläche aber als Gewässer „festgestellt“ – und die Stadt verantwortlich gemacht (die LVZ berichtete). Ein Beseitigen des Sees sei nur möglich nach einem Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion, so Kreissprecherin Brigitte Laux.

Seitdem streiten sich Stadt und das zuständige Landratsamt über den Pegel des künstliches Sees, inzwischen Heim-statt vieler Wasservögel. Einmal bereits hatte der Kreis ein Absenken erlaubt. Im August beantragte die Stadt nochmal 35 Zentimeter weniger – 120,7 Meter über Normalnull. Damit werde das Gewässer aber seine Eigenschaft als Gewässer verlieren, was wasserrechtlich der Beseitigung gleich kommt, so Laux. Der Antrag sei damit nicht genehmigungsfähig.

Der Pegel schwankt derzeit. Er werde „ganz bestimmt nicht“ Wasser reinpumpen, wenn der Pegel etwa in einem trockenen Sommer unterschritten werde, hatte Spiske im Ausschuss gedroht. Muss er auch nicht, erklärt Laux: „Die Natur hat durch Veränderungen im Grundwasserspiegel, Verdunstung und Trockenheit ihre eigenen Spielräume.“ Die seien im Übrigen genehmigungsfrei.

Von Jörg ter Vehn

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