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Markranstädt Markranstädter Forschung beweist:Möwen wandern mehr denn je
Region Markranstädt Markranstädter Forschung beweist:Möwen wandern mehr denn je
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14:06 19.05.2015
Der Autor Dietmar Heyder beim Berringen einer jungen Steppenmöwe. Bitte scannen Sie das Foto und sehen Sie im Video, wie Möwen im Wind stehen. Quelle: privat

Die Artzusammensetzung ist für das Binnenland recht beachtlich, erwartet man doch die Vielzahl der Möwenarten mehr im maritimen Bereich.

Doch Natur ist bekanntlich veränderlich. In den letzten Jahrzehnten hat es viele neue Erkenntnisse über das Raum-Zeit-Verhalten, insbesondere der Großmöwen, gegeben. Zum Beispiel wurden früher die Mittelmeer- und die Steppenmöwen als eine Art (nämlich als Weißkopfmöwen) geführt, bis neue genetische Untersuchungen offenbarten, dass es zwei unterschiedliche Arten sind. Diese Großmöwen gab es bis etwa 1970 nur ganz selten im Binnenland, während später die Beobachtungen immer häufiger wurden. In den letzten Jahrzehnten wurden hier sogar Bruten festgestellt.

Schwarzkopfmöwen waren früher ebenso selten und brüteten nur in Südeuropa. Doch heute sind sie nahezu an jedem Tagebaurestloch oder jeder größeren Kiesgrube (mit Lachmöwen vergesellschaftet) als Brutvögel anzutreffen. Ein verändertes Nahrungsangebot - die Möwen sind bekanntlich Allesfresser - veranlasst sie, an die noch bestehenden Mülldeponien im Ausland zu wandern. Seit Schließung der hiesigen Großdeponien ab dem Jahr 2005 müssen die Vögel besonders im Winter andere Nahrungsquellen erschließen. Im Ergebnis sind sie noch wanderfreudiger als jemals zuvor, befliegen ganz Europa, wie der folgende Fund belegt. Eine Steppenmöwe wurde im November 2012 in Markranstädt gefangen und beringt. Am 6. März 2013 tauchte sie in der Schweiz (463 km SW) auf. Am 28. März 2013 wurde sie in Polen (669 km E) kontrolliert. Am 14. September 2013 gelang eine Ablesung an der Elbe (70 km E). Die folgenden Kontrollen fanden am 30. November 2013 in Tschechien, (127 km ESE) und am 22. Dezember 2013 in Tübingen (451 km SW) statt. Am 14. Februar 2014 wurde die Möwe wieder an ihrem bekannten Überwinterungsplatz in der Schweiz (463 km SW) gesichtet. Es geht also kreuz und quer durch Europa.

An den traditionellen Überwinterungs-, Brut- Fraß- und Aufenthaltsplätzen konzentrieren sich auch viele Ornithologen, die den Vögeln gezielt auf die Füße schauen. Aufgrund ihrer markanten Farbringe können die Möwen vermehrt identifiziert werden. Die Ablesedaten werden an die europäischen Beringungszentralen weitergeleitet, jeweils der Beringer und der Ringableser erhalten dann einen Ausdruck mit allen vorhandenen Daten übermittelt.

So wurde eine Schwarzkopfmöwe in zwei Wintern an der gleichen Stelle am Atlantik (1235 km westlich) in Frankreich beobachtet. Zwischenzeitlich ist sie jedes Jahr an ihren Brutplatz (Kiesgrube Löbnitz, Nordsachsen) zurückgekehrt und war mit einem polnischen Ringträger verpaart. Stellvertretend für die zirka 115 in zwölf fremden Ländern beringten und bei Markranstädt kontrollierten Möwen sei hier das Beispiel einer jungen Heringsmöwe genannt, die vom Beringungsort in Nordnorwegen (Finmark) bis nach Markranstädt die weiteste Strecke von 2173 Kilometer zurücklegte.

Interessant war ebenso die Ablesung einer Mitte November 2012 in Markranstädt beringten Mittelmeermöwe, die nach nur 18 Tagen an der Adria (822 km S) beobachtet wurde. Das alles zeigt, wie dynamisch die Möwen sind und die Vogelgrippe betreffend auch ganz schnell für deren Verbreitung sorgen können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.02.2015
Dietmar Heyder

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