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Markranstädts Bürgermeisterin: "Ich wünsche mir einen See, der von allen genutzt wird"

Markranstädts Bürgermeisterin: "Ich wünsche mir einen See, der von allen genutzt wird"

Der im Juni vom Stadtrat verabschiedete Bebauungsplan für das Westufer des Kulkwitzer Sees hat in Markranstädt hohe Wellen geschlagen. So kämpft die Bürgerinitiative "Pro Kulki" mit einem Bürgerbegehren gegen die in einem Teil des Areals geplante Wohnbebauung.

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Markranstädts Bürgermeisterin Carina Radon will das Westufer vom Kulkwitzer See neu gestalten.

Quelle: André Kempner

Markranstädt. Bürgermeisterin Carina Radon (CDU) steht indes weiter fest zu ihrem Vorhaben: Der Uferbereich soll gestaltet werden, das Geld dafür auch aus dem Verkauf der Baugrundstücke fließen. Die LVZ hat mit der Bürgermeisterin über das Vorhaben, die Notwendigkeit, Einnahmen zu generieren, und kritische Punkte im Bebauungsplan gesprochen.

Frage: Die Bürgerinitiative hat rund 3000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt - der Widerstand gegen den Bebauungsplan in der von Ihnen vorgelegten Form ist nicht klein. Glauben Sie, dass eine bessere Aufklärung diese Gegenwehr verhindert hätte?

Carina Radon: Nein. Gestartet sind wir mit einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung und einer intensiven Einbindung der Bürgerinitiative. So wurden von den durch die Initiative eingereichten 18 Punkten 16 im B-Plan berücksichtigt, beispielsweise bleibt der gesamte Uferbereich frei zugänglich. Bei der Wohnbebauung und dem temporären Parkplatz konnten wir keine Einigung erzielen. Jedoch mussten wir feststellen, dass diese Punkte vor allem von Anwohnern des Wohngebietes am See strittig bewertet werden. Nicht ohne Grund liegt die Entscheidung bei den gewählten Stadträten, die die Interessen aller abwägen und nicht nur einzelner Gruppen.

Von Bürgern und Behörden wurden nach der Auslegung des B-Plans zahlreiche Vorschläge gemacht. Wie viele konnten Sie aufnehmen?

Im Wesentlichen wurden fast alle Hinweise und Anregung der Träger öffentlicher Belange, wie Umwelt-, Naturschutz, Biotope und der Ausbau der Infrastruktur, berücksichtigt.

Was genau ist am Westufer des Kulkwitzer Sees geplant?

Immer heißt es Markranstädt ist die Stadt am See, aber so richtig sind wir das noch nicht. Momentan gibt es nicht mal eine fußläufige Verbindung vom Zentrum zum See. Die haben wir mit dem Bebauungsplan entwickelt. Die Erschließung des eigentlichen Gebietes erfolgt in zwei Abschnitten: Ein Teil beschreibt den Erholungsbereich, zum Beispiel Uferpromenade und Rundwege. Der zweite Bereich bezieht sich auf die Entwicklung des Wohnfelds. Dessen Erschließungskosten müssen sich aus den Erlösen der Grundstücksverkäufe tragen. Das Geld aus dem Verkauf der Baugrundstücke soll uns auch ermöglichen, die Gestaltung des Erholungsbereiches umzusetzen. Wir reden hier immerhin von einem Investitionsvolumen von 5,5 Millionen Euro, auch wenn für die Erschließung der Promenade Fördermittel beantragt sind.

Welche Einnahmen erhoffen Sie sich?

Genau kann ich das noch nicht sagen, aber wir werden nicht wesentlich unter den Preisen der Neubaugebiete an den Seen in Markkleeberg oder Zwenkau liegen. Zumindest die Herstellung der Anlagen soll sich daraus finanzieren. Mit den Pachteinnahmen von Strandcafé und anderen Einrichtungen soll sich die Unterhaltung tragen. Man braucht ein paar Einnahmen, man kann nicht immer nur ausgeben.

Viele Bürger sorgt der Verlust von Grünflächen am Kulkwitzer See. Wie viel Fläche wird tatsächlich versiegelt?

Das Gebiet des B-Plans umfasst nahezu 32 Hektar. Davon nimmt die Wohnbebauung 4,9 Hektar ein. Zieht man davon die öffentlichen Straßen ab und berücksichtigt den Versiegelungsgrad von 20 Prozent ergibt sich bei der geplanten Wohnbebauung eine versiegelte Fläche von zirka einem Hektar. Dort werden 15 zusätzliche Wohneinheiten entstehen, denn die geplanten 35 Einheiten aus dem Bebauungsplan "An der Renne" fließen mit ein.

Ein Punkt, den viele kritisieren, sind fehlende Toiletten. Es wurden keine zusätzlichen zu den beiden bestehenden WCs im Strandbad eingeplant. Fürchten Sie nicht, dass bei Hochbetrieb der ohnehin schon belastete See und das Areal verschmutzt werden?

Was es sicher nicht geben wird, ist ein frei stehendes Toilettenhäuschen. Toiletten weist man in einem Bebauungsplan auch nicht aus. Wir werden die WCs ganz gezielt an Objekte koppeln. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass solche Anlagen eine längere Lebenserwartung haben, wenn sie in einem Café durch einen Betreiber kontrolliert werden. Wie viele es geben wird, kann ich nicht sagen. Perspektivisch möchte sich auch der Kanuclub öffnen. Andere potenzielle Standorte sind der Cafébereich im Sondergebiet 5 und der Seglerverein.

Wieso sind Sie von der Wichtigkeit des Bebauungsplans überzeugt?

Ich wünsche mir einen See, der von allen genutzt wird. Heute sind die Wege in einem schlechten Zustand. Familien mit Kinderwagen oder behinderten Menschen ist der Zugang nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Durch die unzureichende Beleuchtung wird das Sicherheitsgefühl stark eingeschränkt. Das wollen wir neu gestalten. Wir wollen Angebote für Erholung auch für die Bürger, die nicht zu Fuß den See erreichen können, unterbreiten. Und wir haben eine Vielzahl von Befürwortern, die sich eine Perspektive für eine zukünftige Entwicklung erhoffen. Nur mit dem Bebauungsplan kann der Kanuverein in seine Gebäude investieren und weiter Jugendarbeit durchführen.

Der Surf-Verein kritisiert in seiner Stellungnahme, dass die Sportler zukünftig vom öffentlichen Strand aus ins Wasser gehen sollen. Sie sagen, dass das die Sicherheit von Schwimmern und Surfern gefährde. So könnten weder Unterricht noch Wettkämpfe durchgeführt werden. Wieso haben Sie diese Vorschläge nicht aufgenommen? Haben Sie keine Angst vor der Abwanderung von Vereinen?

Man muss schauen, ob die Brettsegler nicht eine andere Einstiegsstelle kriegen, aber das fällt ins Wasserrecht und nicht ins Baurecht. Der Platz für die Surfer wird langfristig sicher weniger. Aber wieso sollen nur die Vereins-Mitglieder an den See können? Was die Sicherheit angeht: Den öffentlichen Bereich kann man jederzeit absperren, das machen wir bei den Kanuten ja auch schon.

Am meisten Kritik erntet die Wohnbebauung. In diesem Zusammenhang wurde auch das Thema Bevölkerungsentwicklung diskutiert. Wieso ist die Stadt überzeugt davon, dass das Vorhaben trotz rückläufiger Zahlen sinnvoll ist?

In der fünften regionalisierten Bevölkerungsprognose kann man nachlesen, dass für Markranstädt mit einem Bevölkerungsrückgang von 1,1 Prozent bis 5,0 Prozent zu rechnen ist. Dies liegt jedoch weit unter dem Durchschnitt des Landeskreises Leipzig. Weiterhin muss man bedenken, dass man bei der allgemeinen demografischen Entwicklung nur aufgrund von Zuzug die Einwohnerzahlen halten kann. Dies wird zu Lasten von Kommunen gehen, die infrastrukturell schlechter aufgestellt sind. Nach dem Demografiebericht der Bertelsmannstiftung ist Markranstädt "ein suburbaner Wohnort mit hohen Wachstumserwartungen". Das Wanderungsverhalten würde also eine rückläufige Geburtenrate ausgleichen. Der Wohnflächenbedarf und die Ansprüche an Nähe zu Schulen und Kindergärten steigen. Deshalb wollen wir Angebote schaffen, für Markranstädter, die in eine angenehme Wohnlage ziehen wollen. Wir rechnen auch mit einem Zuzug in das neue Wohngebiet. Wir brauchen eine gut durchwachsene Einkommensstruktur mit Menschen, die Beschäftigung haben und gut verdienen, weil das letztlich der Stadt zu Gute kommt.

Interview: Kerstin Leppich

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