Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markranstädt Mehr als 400 Flüchtlinge lernen aktuell im Landkreis Leipzig Deutsch
Region Markranstädt Mehr als 400 Flüchtlinge lernen aktuell im Landkreis Leipzig Deutsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:31 12.03.2016
Deutsche Sprache, schwere Sprache: Rund 400 Flüchtlinge lernen aktuell im Kreis Deutsch. Aber viele bringen ihre Kurse nicht zu Ende. Quelle: dpa
Anzeige
Markranstädt

Mit hohem Aufwand versucht der Landkreis, Flüchtlingen das Grundwissen der deutschen Sprache beizubringen. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellt. Immer wieder brechen Flüchtlinge ihre Kurse ab. Thomas Friedrich, Direktor des für die Volkshochschulen zuständigen Eigenbetriebs Weiterbildungsakademie, hat in jüngster Zeit aber eine deutliche Verbesserung der Einstellung zu den Kursen festgestellt.

Am gestrigen Freitag war Prüfungstag in Markranstädt. Von den ursprünglich 16 Teilnehmern des Basis-Deutschkurses für Flüchtlinge waren nur noch sieben zur Prüfung angemeldet worden – nicht einmal die Hälfte. Wie Lehrkräfte berichten, kein Einzelfall im Kreis.

Aber schon ein extremer, meint Thomas Friedrich vom zuständigen Eigenbetrieb Weiterbildungsakademie des Kreises. Es gebe auch Kurse, wo 14 von 16 Angemeldeten bis zur Prüfung kämen.

Seit zwei Jahren bietet der Eigenbetrieb im Auftrag des Kreises Deutschunterricht für alle Flüchtlinge an, führt auch die Integrationskurse für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durch. Bei letzterem gebe es eine lange Warteliste, weil das BAMF Probleme mit der Antragsflut habe. Aktuell gebe es 355 Teilnehmer in den Kursen des Kreises, 54 in denen vom BAMF.

Verschiedenste Gründe könne das Abbrechen eines Kurses haben, sagt Friedrich. Zum einen zögen Flüchtlinge oft weiter, wenn ihr Aufenthaltsstatus bestätigt sei. Da könne es vorkommen, dass sie einen Kurs etwa in Markkleeberg beginnen, aber in Kamenz fortsetzen, ohne dass der Kreis davon etwas erfahre. Möglich sei auch, dass sie aus einer Gemeinschaftsunterkunft in eine Wohnung in einen anderen Teil des Kreises zögen, damit der Kurs nicht mehr besucht werden könne.

Ein wesentlicher Grund sei auch, dass nicht alle in den vorgesehenen 320 Stunden den Stoff schaffen. „Es wäre dann für die Leute deprimierend, bei der Prüfung anzutreten und durchzufallen“, so Friedrich. Daher würden die Lehrer dann von der Prüfung abraten. Und: Ein Teil der Flüchtlinge könne gar nicht lesen oder schreiben. Für diese Flüchtlinge gebe es zwar eigene Kurse, aber einige seien so still, dass erst beim Deutschkurs auffalle, dass sie eigentlich Analphabeten seien.

Mit der Zunahme der Zuweisungen habe im Kreis der Run auf die Kurse begonnen, so Friedrich. Der Fachbereich Sprache habe seitdem die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt. Erhebungen über die Zahl der Kursabbrecher hat Friedrich aber nicht, auch keine Übersicht über abgelegte Prüfungen und Erfolgsquoten. Nur soviel: „Im Vorjahr hatten wir rund 200 Deutschprüfungen“, weiß er.

Am Anfang habe es durchaus Probleme mit der Motivation bei den Teilnehmern gegeben, erläutert Friedrich. Insgesamt gebe es aber inzwischen eine gute Disziplin, ist seine Erfahrung. „Die ist mitunter besser, als bei den Kursen für Spätaussiedler“, erklärt er. „Es hat sich wohl inzwischen herumgesprochen, dass man die Sprache erlernen mus, wenn man hierbleiben und Fuß fassen will.“

Von Jörg ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Auch wenn es uns schwer fällt, mir müssen die Flüchtlinge aufnehmen.“ Der das sagt, ist kein Politiker. Aber er war es viele Jahre lang. Genau genommen bis 1992. Gerhard Wieland wurde am Donnerstag vom Kreisparteivorstand der CDU für 70 Jahre Mitgliedschaft in der Partei geehrt.

10.03.2016

Im Sommer soll Baustart sein für die neue Markranstädter Kita im Stadtpark am Stadion. Jetzt hat die Stadt erstmals Details des geplanten Neubaus erläutert.

09.03.2016

Das dürfte einzigartig sein: In einem Hilferuf an alle Stadträte beklagen zwölf Mitarbeiter des Fachbereichs III (Bau) in Markranstädt Missstände in ihrer Amtsleitung und fordern die Stadträte auf, tätig zu werden. Es ist nicht der erste Brandbrief aus dem Bauamt

08.03.2016
Anzeige