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Markranstädt Mit viel Liebe entsteht Holzspielzeug
Region Markranstädt Mit viel Liebe entsteht Holzspielzeug
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08:02 22.10.2018
Corinna Liebe (43) erklärt Lena (6) und Jonas (10), wie sie kleine Obstkörbe zusammensetzt. Die Holzspielzeugmacher der Firma Liebe hatten zum Blick in die Werkstatt geladen.
Markranstädt

Seit 1987 gibt es die Holzmanufaktur Liebe, am Sonntag durften Interessierte den Holzspielzeugmachern über die Schulter schauen. Den ganzen Tag über zeigten sie, wie aus einem Baumstamm ein Miniatur-Spielzeug im Maßstab 1:12 entsteht.

Im Hof des unscheinbaren Grundstücks im Markranstädter Ortsteil Frankenheim stapeln sich die Holzlatten unter einem kleinen Dach. Bis zu zehn Jahre sind die Hölzer alt, mindestens vier Jahre müssen sie liegen, anderthalb davon draußen, wie Geschäftsinhaber Jörg Liebe den zahlreichen Besuchern erklärt. Die Baumstämme holt er direkt im Leipziger Auwald, in Frankenheim werden sie dann zurechtgesägt. Was sich nicht fürs Spielzeug eignet, wird als Brennholz für die Werkstätten verwendet. Kirsche, Esche, Buche, Linde – diese Holzarten sind es vor allem, die verarbeitet werden.

Corinna Liebe (43) erklärt Lena (6) und Jonas (10), wie sie kleine Obstkörbe zusammensetzt. Die Holzspielzeugmacher der Firma Liebe hatten zum Blick in die Werkstatt geladen Quelle: Christian Modla

In einem kleinen Raum werden sie zurecht gesägt, nebenan entweder per Hand oder computergesteuert gefräst. Je nach Spielzeugtyp. „Wir benutzen den Computer für Teile, die immer die selben Maße haben und immer gleich aussehen müssen“, erklärt der Firmenchef. So liegt gerade ein Deckel für einen Griffelkasten im Maßstab 1:12 neben der Maschine. „Der muss genau passen, sonst geht der Kasten nicht zu“, so Liebe.

Unter den Zuhörern ist auch Manuel Heintze aus Leipzig. Er ist fasziniert von der Präzision, mit der die Mini-Teile hergestellt werden. „Das sieht man heutzutage nur noch selten“, sagt er 52-Jährige. „Leider.“

Nach dem Fräsen ist der Deckel allerdings längst noch nicht fertig. Zunächst muss noch eine etwa einen Millimeter dicke Holzschicht abgetragen werden. Das passiert im Nachbarraum mittels Schleifmaschine. Per Rad wird der Schleifgrad mit der Hand eingestellt – bis die 1,4 Millimeter dicken Deckel wie kleine Stanzteile aus der Form herausfallen. Handarbeit auf hohem Niveau. Am Ende kommen in den Mini-Kasten noch winzig kleine Bleistifte, die sogar echte Minen haben. Und natürlich ebenso per Hand gefertigt sind, wie alle Teile in der Manufaktur. „Wir haben den Anspruch, verantwortungsvoll mit den Materialien umzugehen“, erklärt Jörg Liebe. „Deshalb tut es uns immer sehr leid, wenn wir Holz nicht verwenden können, sondern wegwerfen müssen. Auch wenn es ja letztlich nachwächst.“

Seniorchef Wolfram (66) erklärt Gästen die Maschinen in seiner Drechselwerkstatt. Quelle: Christian Modla

Im Montageraum hängen hunderte Werkzeuge. Hier kommt alles zusammen, werden unter anderem aufwändige Möbel für die Puppenstube zusammengebaut. „Es ist schon wichtig, welches Holz man verwendet“, so Liebe. „Für das Würfelmosaik nehmen wir beispielsweise Ahorn, weil das hell ist. Schließlich werden die einzelnen Würfel per Hand im Siebdruck lackiert.“ Die kleinen Schlitten werden dagegen aus Esche gemacht, weil die großen Originale auch aus Esche gebaut werden.

„Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Holzverbindungen und Optik genauso sind, wie bei den zwölfmal größeren Modellen“, erläutert der Holzspielzeugmacher. Egal ob bei den Windrädern, den Erdbeerkörbchen oder den Holzschränkchen. Die Liebe zum Detail hat allerdings auch Nachteile, wie Liebe augenzwinkernd erzählt: „Es kommt oft vor, dass wir Anfragen im Online-Shop haben, wie viele Kilo Erdbeeren denn eigentlich in so ein Körbchen passen. Weil manch einer die Maßangaben einfach überliest.“

Von Linda Polenz

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