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Nachwuchs sorgt sich um Markranstädter Jugendklub

Nachwuchs sorgt sich um Markranstädter Jugendklub

Seitdem beiden Leitern des Jugendbegegnungszentrums Am Bad gekündigt worden ist, sorgt sich der Nachwuchs um die Zukunft der Einrichtungen. Insbesondere das Jugendbegegnungszentrum (JBZ) Am Bad lebt maßgeblich von Ramona Petermann, die sich seit elf Jahren als Chefin engagiert.

Beliebt bei Groß und Klein: Das Jugendbegegnungszentrum (JBZ) in Markranstädt.

Quelle: André Kempner

Markranstädt. Während die Stadt über das künftige Modell verhandelt, wenden sich die Jugendlichen nun in einem offenen Brief an Matthias Michel, den Leiter der Leipziger Niederlassung des Trägers Anerkannte Schulgesellschaft Sachsen (ASG), und Bürgermeisterin Carina Radon (CDU).

„Warum werden wir in solche gravierende Prozesse nicht mit eingebunden?“ lautet die erste Frage der 45 Jugendlichen, die am Dienstag und Mittwoch auf der Liste unterschrieben haben. „Warum kündigen Sie, Frau Radon, das Projekt JBZ Markranstädt, obwohl sich die Stadt bei jeder Gelegenheit rühmt, alles zum Wohle der Jugendlichen zu tun?“

Viele kennen den Ort seit ihrer Kindheit. Deren Eltern wissen sie in guten Händen. „Seitdem ich 14 bin, gehe ich in den Klub. Ich bin hier groß geworden“, sagt Jan Schleinitz (29). „Ich habe gedacht, dass das hier weitergeht, sodass ich selbst mal meine Kinder hierher bringen kann“, erzählt er. Michel Kruse (18) ergänzt: „Frau Petermann ist wie eine Mutti, mit der man auch Dinge besprechen kann, über die man mit den Eltern nicht so gern redet.“ Martin Funke (20) macht sich ebenfalls Sorgen, dass sein „zweites Zuhause“ bald schließen muss. „Auch Moni selbst wird viel daran liegen. Sie hält doch dort die Fäden in der Hand. Ich finde schön, was sie daraus gemacht hat“, lobt er. Oliver Jäger (17) geht soweit, zu sagen: „Wenn Moni nicht mehr da ist, dann stirbt der Klub.“ Sie sei dessen „gute Seele“.

„Ich habe viele Verbindungen zu Jugendlichen und Vereinen aufgebaut, was jetzt alles wegfallen soll“, sagt Ramona Petermann. Es gebe „unglaublich viele hier, die Hilfe benötigen“, sagt sie und nennt Gespräche mit Eltern, Familienhelfern oder die Begleitung auf das Arbeitsamt. Das JBZ sei durch die Jugendlichen zu dem geworden, was es ist. Allein bis 2005 hätten diese über 8000 Arbeitsstunden in das Objekt gesteckt. „Wir werden und wollen diesen von Ihnen geschaffenen Umstand nicht kritiklos hinnehmen“, kündigen die Jugendlichen in ihrem Brief an und schließen mit dem Wunsch an Mathias Michel und Carina Radon, „diese Entscheidung im Sinne von uns Jugendlichen noch einmal gründlich zu überdenken und zurückzunehmen“.

Es müsste eine Ausschreibung erfolgen, nachdem die Stadt den Nutzungs- und Übertragungsvertrag gekündigt hat, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Heiko Küster. „Die hat es nicht gegeben, es werden aber mit demselben Träger Verhandlungen geführt“, sagt er. Ziel sei, so Küster, dass der künftige Klubleiter beide Einrichtungen betreut. Das sei einer der Vorschläge des Trägers gewesen, der aufgefordert worden war, Ideen zu unterbreiten. „Die Vorgangsweise lässt nur den Schluss zu, dass Ramona Petermann weg sollte“, vermutet Küster, „da die Verträge gekündigt worden sind, sich aber nur die Spitze ändern soll“.

Die bisherigen Verträge hätten ohne der Aktualisierung bedurft, ein Vertrag sei noch mit der Gemeinde Großlehna abgeschlossen gewesen, sagt dagegen die Erste Beigeordnete der Stadt Beate Lehmann. In beiderseitigem Einvernehmen sei zum Jahresende ein Aufhebungsvertrag erfolgt, „da die Jugendförderung für 2011 noch nicht geregelt ist“. „Eine Entscheidung, inwieweit die Jugendförderung überarbeitet wird, steht noch aus.“ Kriterium für zwei Objekte seien bislang mindestens 600 Kinder und Jugendliche im Einzugsgebiet, erläutert sie. Die Stadt habe dem Jugendamt mitgeteilt, dass sie die Stärkung des ländlichen Raums für Markranstädt als Flächengemeinde nicht umgesetzt sehe, so Lehmann. „Auch wir haben noch keine abschließende Lösung getroffen“, versichert sie.

Begründet worden sei das Vorgehen vom Rathaus Küster zufolge damit, dass die ASG den erhöhten Verwaltungsaufwand durch zusätzliche ABM-Maßnahmen – zurzeit gibt es jeweils einen Helfer in beiden Klubs – gegenüber der Stadt in Form höherer Kosten auf Basis der alten Verträge geltend machen könnte. Die Stadt sage zwar, sie wolle nur das Beste. „Wenn aber bestehende Strukturen kaputt gemacht werden, ohne dass auch nur jemand vorher gehört wird oder es öffentlich gemacht wird, kann ich das kaum glauben“, sagt Küster, der befürchtet, dass die Arbeit im Klub als „gewachsener Institution, die angenommen wird“, dann einschläft. Dass wir so behütet mit geringer Jugendkriminalität aufwachsen, ist auch der guten Arbeit hier geschuldet“, meint er.

„In der Vergangenheit haben ehrenamtliche Bürger die Jugendarbeit in vielfältiger Weise sehr unterstützt“, sagt Lehmann. Sie hoffe, dass „diese wertvollen Menschen im Dienst an den jungen Leuten und diese sozialen Strukturen erhalten bleiben“. Der Träger werde in den nächsten Wochen ein Konzept erarbeiten, im Herbst sei ein erster Entwurf zu erwarten, der dann debattiert werden kann, kündigt die Beigeordnete an.

Kendra Reinhardt

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