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Markranstädt Neu-Kitzener wollen Hochzeit mit Zwenkau
Region Markranstädt Neu-Kitzener wollen Hochzeit mit Zwenkau
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17:08 21.09.2010
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Kitzen/Zwenkau

Die Rodeländer bevorzugen eine Hochzeit mit Zwenkau und sind auch bereit, ein Bürgerbegehren herbeizuführen.

Carsten Iwan starrt auf die Buspläne, die er vor sich ausgebreitet hat. „Nach Zwenkau gibt es mehr als doppelt so viele Verbindungen wie nach Pegau“, sagt der Kitzener kopfschüttelnd. Dabei ist die Verkehrsanbindung für ihn und seine Mitstreiter vom Siedlerverband Rodeland nicht einmal das Hauptargument. Sie wollen sich frühzeitig gegen eine mögliche Eingemeindung von Kitzen nach Pegau wehren. Sie fürchten von Bürgermeister Wolfgang Körner bei der Entscheidung übergangen zu werden. Die Eingemeindung war in den vergangenen Wochen ins Blickfeld vieler Ortschaften gerückt, da der Freistaat versucht, kommunale Fusionen zu beschleunigen. Helfen soll eine so genannte Hochzeitsprämie. Schon ab 2012 soll diese dann drastisch sinken.

„Wir haben nichts gegen eine Eingemeindung. Allerdings würde sich Zwenkau dafür wesentlich besser eignen“, sagt Iwan. Er und seine Mitstreiter sehen eine größere Zugehörigkeit nach Zwenkau. „Vor allem fürchten wir einen Verfall der Grundstückswerte in Kitzen, sollte es Pegau zugeschlagen werden“ so Iwan. Dann würde es heißen, Kitzen, Ortsteil von Pegau bei Zeitz.

Als Teil von Zwenkau hingegen würde Kitzen von den Entwicklungen rund um den Zwenkauer See und der gefühlten Nähe zu Leipzig profitieren. Schon jetzt seien die Grundstückspreise in Zwenkau rund doppelt so hoch wie in Pegau, die Kitzener Preise bewegen sich noch dazwischen. Langfristig würden aber auch hier die Preise fallen, glaubt er. „Treffen würde das nicht nur die Hausbesitzer in den Neubaugebieten, sondern alle Grundeigentümer in Kitzen“, erklärt Iwan, der als Sachverständiger für Bau tätig ist.

Das Ziel der Siedler ist klar: Sie wünschen sich einen Bürgerentscheid, der vom Gemeinderat einberufen werden soll. „Wir wären aber auch bereit, einen solchen Entscheid über ein Bürgerbegehren herbeizuführen“, kündigt Iwan an. „Hauptsache alle Kitzener können mitentscheiden, egal mit welchem Ergebnis.“

Wenig Verständnis hat Bürgermeister Wolfgang Körner (parteilos) für die Ängste der Siedler: „Ich habe nie geäußert, mein Amt schon 2011 aufgeben zu wollen. Genauso wenig, dass wir nach Pegau gehen müssen. Wir sind uns im Rat auch noch gar nicht einig, welchen Beschluss wir fassen werden“, sagt er auf Nachfrage. Auch ein Schreiben an das Landratsamt in Borna sei noch lange keine gültige Absichtserklärung gewesen. Persönlich sei er jedoch davon überzeugt, dass es vernünftig sei, die Hochzeitsprämie nicht verfallen zu lassen. Ein Zusammenschluss werde ohnehin kommen. Gegen eine Entscheidung aller Bürger habe er aber nichts einzuwenden.

Auch das Kommunalamt des Landkreises Leipzig bestätigt, dass noch nichts entschieden sei. Amtsleiterin Ute Kabitzsch warnte aber auch: „Eine Eingemeindung in Pegau wäre verhältnismäßig einfach. Bevor eine solche in Zwenkau überhaupt angegangen werden kann, müssten Pegau und Elstertrebnitz Kitzen aus ihrer Verwaltungsgemeinschaft entlassen“, so Kabitzsch. Das wäre ein sehr komplizierter und schwieriger Weg, für den Kitzen wirklich gute Argumente vorlegen müsste.

In Zwenkau ist das Ansinnen des Siedlerverbandes Rodeland bekannt. „Im Juli sind die Mitglieder an mich herangetreten“, erklärt Bürgermeister Holger Schulz (CDU). Er habe daraufhin Kontakt zu seinem Amtskollegen Körner und der Verwaltungsgemeinschaft Pegau/Kitzen/Elstertrebnitz aufgenommen. Zudem sei der Zwenkauer Stadtrat informiert worden. „Wir sind zu jedem Gespräch bereit, aber es laufen noch keine Verhandlungen mit Kitzen“, betont Schulz. Allerdings gesteht er, dem Thema Eingemeindung nicht abgeneigt zu sein. Schließlich gab es in den 90er Jahren einen Geschäftsbesorgungsvertrag mit Kitzen. So kamen die Kitzener für Pass- und Meldeangelegenheiten ins Zwenkauer Rathaus. „Wir haben offene Herzen, offene Türen und offene Ohren“, kommentiert Schulz. Eines ist ihm wichtig: „Wir drängen uns nicht auf. Die Initiative ging vom Siedlerverband Rodeland aus und die Entscheidung liegt letztlich bei den Kitzener Bürgern.“ Wobei er zu bedenken gibt, dass die Meinung der neuen Kitzener, wozu die Rodeländer zählen, nicht zwingend mit der der Alteingesessenen übereinstimmen müsse.

Professor Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle, meint: „Einen Gesetzentwurf zur Kommunalgebietsreform gibt es in dem Sinne noch gar nicht.“ Im Moment stehe nur fest, dass die Staatsregierung in Dresden freiwillige Zusammenschlüsse unterstützen will. „Entsprechende Grundsätze und Leitlinien werden noch im Herbst 2010 in Kraft treten. Mit einem weitergehenden Gesetz ist vor 2014 aber definitiv nicht zu rechnen“, fügt Berkner hinzu. Und folgert: „Wer im Moment nichts tut, dem passiert nichts.“

Wobei die Kommunen zwei Probleme hätten, einerseits die demografische Entwicklung, andererseits sei die Einnahme- und Ausgabesituation, sprich die Finanzlage, äußerst angespannt. „Kleine Orte müssen sich genau überlegen, wie ihre Zukunft aussehen soll und nicht nur den nächsten, sondern auch den übernächsten Schritt in ihre Überlegungen einbeziehen. Wobei die Hochzeitsprämie durchaus ein Lockmittel ist“, so Berkner.

In Kitzen sei die Entscheidung aufgrund der Verwaltungsgemeinschaft besonders schwierig, so der Leiter der Regionalen Planungsstelle. Zumal für Kitzen, das an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt liegt, prinzipiell mit Pegau, Zwenkau und Markranstädt mehrere Optionen möglich seien. Derzeit wird von Berkner eine Untersuchung erarbeitet. Deren Ergebnisse sollen Anfang 2011 präsentiert werden.

Kerstin Leppich/Ulrike Witt

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