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Markranstädt Ortstermin mit Baby und künftigem Altenpfleger
Region Markranstädt Ortstermin mit Baby und künftigem Altenpfleger
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16:20 19.05.2015
Familie Egerer mit Ministerin Clauß, Landtagsmitglied Oliver Fritzsche, Gerhild Landeck und Bundestagsmitglied Katharina Landgraf (v.l.). Quelle: André Kempner

Vor den Toren lief ihr Sandra Egerer mit ihrem Kinderwagen samt Baby Felix (5 Monate) und Pascal (16) quasi in die Arme. "Ich freue mich wirklich über jeden neuen Erdenbürger", plauderte die Ministerin und sprach mit Felix, der Altenpfleger werden will - Steilvorlagen für die Politikerin, die sich im Dresdner Kabinett um die Sozialfragen kümmert und gleich für den "wichtigen Beruf" warb.

Die Mehrgenerationenhäuser in Sachsen seien gerade dabei, sich richtig zu entwickeln, erklärte Clauß. Angesprochen auf die immer wiederkehrende Frage der künftigen Finanzierung meinte sie, es werde schon ein Weg gefunden werden.

Seitens der Europäischen Union werde gerade der neue Haushalt fertig, ergänzte die Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf (CDU). Dessen Inhalte müssten natürlich abgewartet werden. "Aber wir sind auch optimistisch, dass die Einrichtungen weiter vom Bund gefördert werden", sagte sie.

In der Beratungsstelle erklärte die Erste Beigeordnete Beate Lehmann, dass dort Gerhild Landeck vor allem dafür da sei, die verschiedenen Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen. Quasi wie ein Lotse könne sie Hilfesuchende durch die verschiedenen, mitunter verstreuten Institutionen leiten.

Oft kämen auch Besucher vorbei, die mit amtlichen Schriftstücken nicht klar kämen, so Landeck. "Die Leute sind überfordert von der Behördensprache und können den Inhalt nicht verstehen", sagte sie. Manchmal erhalte sie auch Besuch von Bürgern, die mit ihrem Hartz-IV-Bescheid nicht einverstanden seien und von ihr Rat wünschten. Zur Hilfe kommt da Landeck, dass sie einige Zeit im Jobcenter arbeitete, die Abläufe der Behörde kennt.

Landeck nutzte die Gelegenheit, der Ministerin von ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit bei FASD Deutschland zu erzählen und um Unterstützung zu bitten. Wie berichtet, kümmert sich der Verein um Aufklärung, Beratung und Hilfe für Betroffene von FASD. Dahinter verbirgt sich der Begriff "Fetal Alcohol Spectrum Disorder" - also Störungen durch Alkohol schon im Mutterbauch.

Laut Landeck kommen bundesweit 4000 Babys jährlich mit dem Vollbild der Alkoholschädigung zur Welt. Die Dunkelziffer schwächer geschädigter Kinder werde auf 10 000 bis 15 000 geschätzt. Angeborene Fehlbildungen, geistige Behinderungen, Entwicklungs- und Wachstumsstörungen sowie extreme Verhaltensauffälligkeiten könnten die Folge von FASD sein. Alkohol sei damit der häufigste Grund für einen geistige Behinderung, "und die wäre zu einhundert Prozent vermeidbar", so Landeck.

Sie beschäftige sich seit 20 Jahren mit der Problematik, sei als Betroffene darauf aufmerksam geworden, als sie ein Kind aufnahm, das darunter litt. Damals habe sie von den komplexen Zusammenhängen noch nichts gewusst, sich nach und nach eingearbeitet. Landeck schrieb inzwischen mit an einer Fibel des Vereins über die Folgen von Alkohol im Mutterleib.

"Ich werde mit den Auswirkungen auch in der Beratungsstelle konfrontiert", sagte sie. Aber leider wüssten immer noch ganze Berufsgruppen, darunter selbst viele Ärzte, nichts von den Alkohol-Folgen und den schweren körperlichen sowie geistigen Entwicklungsstörungen. "Lebenslang durch Alkohol" ist denn auch treffenderweise die Broschüre überschrieben. Sie ist in der Beratungsstelle erhältlich.

Clauß fand die Zahlen der Betroffenen "erschreckend". Dabei sei doch schon immer bekannt, dass Schwangere keinen Alkohol trinken dürfen, mahnte sie. Der Freistaat habe ein Kinder- und Jugendhilfeprojekt laufen mit der Uniklinik Dresden, bei dem diese Aspekte mit einfließen sollten, fand sie und versprach, Kontakte herzustellen.

Clauß sagte Landeck ferner Unterstützung zu bei der Organisation einer Fachtagung des Vereins, die im kommenden Jahr in Dresden stattfinden soll. Als Ort ist derzeit das Hygienemuseum im Gespräch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.07.2013

Jörg ter Vehn

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