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Markranstädt Ortsvorsteher vor Bürgerbefragung: „Man verbreitet Angst“
Region Markranstädt Ortsvorsteher vor Bürgerbefragung: „Man verbreitet Angst“
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08:00 24.09.2016
Offiziell gesperrt, aber als Abkürzung gern genutzt: die Priesteblicher Straße. Quelle: André Kempner
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Markranstädt

In der nächsten Woche stimmen die Bewohner von Frankenheim und Lindennaundorf ab, ob sie eine Öffnung der Priesteblicher Straße befürworten oder nicht. Das Votum soll der Stadt als Grundlage für das weitere Vorgehen dienen – mehr nicht. In den Orten wird die Frage teilweise polemisiert, der Ortschaftsrat drängt auf Versachlichung.

Das Spektrum der Fragen reicht von der Beteiligung der Anwohner an den Kosten, über den Unterhalt der Straße, gefällte Bäume und eine erhöhte CO2-Belastung bis zur erhöhten Gefährdung der Kinder. „Man verbreitet Angst“, meint Ortsvorsteher Jens Schwertfeger. Sein Stellvertreter Jörg Frommolt sieht das genauso, beide verweisen auf den Antrag des Ortschaftsrates. Darin stehe, dass die Priesteblicher Straße im geringst möglichen Ausmaß ausgebaut werden solle und nur „für eine mindere Verkehrsbelastung“, erläutert Schwertfeger. Dem Ortschaftsrat eine Gefährdung der Kinder zu unterstellen, sei geradezu grotesk: „Wir haben doch im Ort an den meisten Stellen Tempo 30 durchgesetzt“, sagt er. Im Übrigen solle auf der Straße auch nur Tempo 30 erlaubt sein, „und natürlich soll die Straße lastbeschränkt sein“, erklärt er.

Auch erhöhte CO2-Werte werden als Argument gegen einen Ausbau angebracht. Dabei ist bei nüchternem Betrachten gerade diese Frage geeignet, beiden Seiten als Argument zu dienen. Denn die Priesteblicher Straße verkürzt den Weg nach Markranstädt um etwa drei Kilometer. Bei geöffneter Schranke – wie berichtet bleibt sie selten länger als drei Tage intakt – sind laut Bürgermeister schon 900 Fahrzeuge am Tag auf der eigentlich der Landwirtschaft vorbehaltenen Straße gezählt worden. Würden sie „legal“ fahren“, kämen am Tag 2700 KiIometer Umweg zusammen, mit Rückweg 5400. Im Jahr wären das über 1,9 Millionen Kilometer – eine riesige CO2-Belastung. Diese würde nur eben entlang der Umwegstrecke im Ort ausgeblasen, nicht in der Wohnsiedlung Ellernwiesen neben der Priesteblicher Straße, aus der jetzt – verständlicherweise – die meiste Kritik gegen einen Ausbau kommt.

„Der Umweg verlängert auch die Anfahrt von Rettungsfahrzeugen“, erinnert Schwertfeger. Rund fünf Minuten länger brauche der Notarzt aus Markranstädt oder Zwenkau nach Frankenheim und Lindennaundorf. Es habe schon Fälle gegeben, wo die Hilfsfristen nicht eingehalten worden seien. „Vielleicht hätte man dem einen oder anderen besser helfen können, wenn der Arzt schneller da gewesen wäre“, meint der Ortsvorsteher viel sagend. Das Argument, der Rettungsdienst könne einen Schlüssel für die Schranke erhalten, lässt er nicht gelten. In der Praxis funktioniere das kaum. Und das Risiko, vor verschlossener Schranke zu stehen und wenden zu müssen, könne kein Wagen auf sich nehmen, sagt er.

Zu DDR-Zeiten sei die Straße für motorisierte Fahrzeuge nutzbar gewesen, erst Anfang der 90er-Jahre zu einem Weg abgestuft worden, erinnert Frommolt. Vor ihrer Eingemeindung 1997 hätten Frankenheim und Lindennaundorf kaum Bezugspunkte zu Markranstädt gehabt. Infrastrukturell sei das seitdem kaum besser geworden. Immerhin ein Zehntel Markranstädts lebe hier und wünsche sich eine bessere Anbindung an die Stadt, glaubt Schwertfeger. Am Ende zeige die Nutzung der Priesteblicher Straße, dass es einen offensichtlichen Bedarf dafür gibt. Dem strukturell abzuhelfen, diene eine Öffnung der Straße. Die Befragung solle helfen herauszufinden, wie die Bewohner selber dazu stehen.

In der ganzen nächste Woche können Wahlberechtigte dazu ihre Stimme im Bürgerrathaus abgeben – außer am Mittwoch. Da kommt die Wahlurne nach Frankenheim, ins Mehrzweckgebäude in die Priesteblicher Straße 8.

Von Jörg ter Vehn

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