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Petition fordert barrierefreie Lösung auch für Bahnhof Markranstädt

Petition fordert barrierefreie Lösung auch für Bahnhof Markranstädt

Markranstädt. Mit dem Bau des Citytunnels verbessern sich für viele Bewohner der Umlandorte die Möglichkeiten, komfortabel per Zug in die Leipziger Innenstadt zu reisen.

Nicht so für Behinderte, Mütter mit Kinderwagen und Radfahrer in Markranstädt. Sie hoffen nun, mit Hilfe einer Massenpetition einen lange geforderten Aufzug am Bahnhof zu erhalten.

Angeschoben hat die Petition der Aktionskreis "Modernes Markranstädt - Barrierefrei?" Der kümmert sich seit Jahren in der Stadt am See um die Belange Behinderter, aber auch die Sorgen etwa von Müttern mit Kinderwagen. Auch um den fehlenden Aufzug am Bahnhof bemüht sich der Arbeitskreis schon länger, schrieb im Vorjahr etwa an Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP).

Der sehe in der Herstellung der Barriefreiheit beim Öffentlichen Personennahverkehr zwar ein "wichtiges Anliegen", so Lutz Gatter und Karin Keil vom Arbeitskreis. Er habe die Zuständigkeit aber an den Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig weitergereicht. "Dort wird bestätigt, dass ein Planfeststellungsbeschluss auch eine barrierefreie Lösung fordert, die Deutsche Bahn aber aufgrund der Ein- und Aussteigerzahlen von weniger als 1000 Personen am Tag nicht zur Herstellung der Barrierefreiheit verpflichtet ist", heißt es in einem Schreiben von Gatter und Keil.

Das Thema ist auch anderswo ein Problem. In Markkleeberg-Großstädteln etwa kämpfen Stadt, Seniorenbeirat und Behindertenverband seit Fertigstellung des neuen Bahnhofes um einen Aufzug. Die Vorbereitungen für einen Einbau sind sogar bereits getroffen. Aber auch dort lehnt die Bahn mit Verweis auf weniger als Tausend Fahrgäste pro Tag die Investition ab.

Die Markkleeberger beteiligen sich unterdessen an der Petition an den Sächsischen Landtag, die jetzt gestartet wurde. Sie werden unter anderem unterstützt von der Landtagsabgeordneten Petra Köpping (SPD).

In Markranstädt ist der Rückenwind noch größer. Dort haben fast alle im Stadtrat vertretenen Parteien sowie die Freien Wähler Markranstädt (FWM) inzwischen auf ihren Internetseiten öffentlich ihre Unterstützung zugesagt. Bürgermeister Jens Spiske (FWM) kündigte sogar vorige Woche an, die vorbereiteten Protestpostkarten im Bürgerbüro zu sammeln und unentgeltlich nach Dresden weiterzuleiten.

Bis gestern trafen etwa zwei Dutzend Karten im Rathaus ein. Noch nicht genug, wie Stadtsprecherin Heike Helbig meint. "Wir rufen als Stadt alle interessierten Bürger auf, sich an der Petition zu beteiligen", erklärte sie. "Je mehr sich an der Aktion beteiligen, umso größer ist unsere Chance, in Dresden auch gehört zu werden." Die Petition fordert barrierefreie Bahnhöfe in Markkleeberg, Markranstädt, Leipzig und dem Landkreis Leipzig, bittet den Landtagsausschuss, eine Kommunikation zwischen den Verantwortlichen und den Nutzern herzustellen.

Tatsächlich ist der Bahnhof Markranstädt ein schönes Beispiel für geplatzte Gespräche. Ausgangspunkt war dort, den alten Übergang Nordstraße zu schließen. Am Bahnhof sollte für Fußgänger und Radfahrer als Ersatz eine Unterführung zwischen Bahnhofsvorplatz und Ziegelstraße geschaffen werden. Die Unterführung selbst wurde barrierefrei gebaut, mit einer 56 Meter langen Rampe hoch zur Ziegelstraße und einer zweiläufigen, einhundert Meter langen Rampe hoch zum Bahnhofsvorplatz.

Der aufwändige Tunnel wurde im Dezember 2009 eröffnet, verschlang rund 4,4 Millionen Euro Baukosten, die sich Deutsche Bahn, Bund und die Stadt teilten. Seitdem können die Bewohner der Stadt prima und sicher von der einen Seite der Bahnlinie zu den Wohngebieten auf der andere Seite wechseln - barrierefrei. Nur hoch zu den Gleisen kommen sie nicht, wenn sie behindert sind.

Der Arbeitskreis hält das angesichts der neuen Möglichkeiten des Citytunnels und dem Ziel, mehr Menschen mit der energieeffizienten Bahn befördern zu wollen, für blanken Hohn. "Eine Stadt mit 15 000 Einwohnern generell von diesem Projekt auszuschließen, ist an sich schon fragwürdig. Alle Menschen mit Einschränkungen, aber auch Mütter mit Kleinkindern sowie Radfahrer im wahrsten Sinne des Wortes alleine stehen zu lassen, ist ein Skandal", formulieren es Gatter und Keil. Sie verweisen auch auf Artikel drei des Grundgesetzes, wonach niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.04.2014
Jörg ter Vehn

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