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Markranstädt Piratenkogge wird Kreuzfahrtschiff
Region Markranstädt Piratenkogge wird Kreuzfahrtschiff
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08:02 10.10.2018
Von der Piratenkogge (oben) zum Kreuzfahrtschiff (unten) mit gläserner Kommandobrücke: Das Grundschulgebäude in seiner heutigen Form und wie es 2020 nach seinem Ausbau in die Bildungs-See stechen soll. Quelle: Quelle:
Markranstädt

Noch sind die Nebengeräusche der zurückliegenden Erweiterung nicht ganz verklungen, da steht an der Grundschule Markranstädt schon der nächste Ausbau an. Der Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung den Weg dafür geebnet. Ab kommendem Jahr werden im Zuge zweier getrennter Baumaßnahmen zusätzliche Klassenräume geschaffen und der Speisesaal erweitert. Die Abgeordneten verabschiedeten dazu das von der Stadtverwaltung geschnürte Investitionspaket im Umfang von rund 1,56 Millionen Euro.

Damit sollen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Die Grundschule wird für den vierzügigen Betrieb ertüchtigt, der gegenwärtig auf drei Gebäude verteilte Unterricht soll in einem Haus konzentriert werden und auch die Schulspeisung kann danach zentral erfolgen.

Das kleinere der beiden Projekte ist die Erweiterung des Speiseraumes um etwa 100 Quadratmeter. Hierfür wurden im Haushalt 600 000 Euro eingestellt. In den Raumprogrammempfehlungen des Freistaates Sachsen werde von einer Essensbeteiligung von lediglich 50 Prozent der Schulkinder ausgegangen, heißt es in der Erläuterung der Stadtverwaltung. Im Zusammenhang mit der gebundenen Ganztagsbetreuung in Markranstädt würden jedoch alle 382 Schüler an der Schulspeisung teilnehmen. Die Essensausgabe an zwei unterschiedlichen Örtlichkeiten sei sowohl für Organisation und Betreuung als auch im Hinblick auf doppelte Kosten bei hauswirtschaftlichen Dienstleistungen nachteilig.

Architekt entwickelt Gebäude-Charakter weiter

Wesentlich umfangreicher und auch architektonisch eindrucksvoller gestaltet sich die Schaffung der neuen Klassenzimmer sowie eines Fachunterrichtsraumes. Hierzu muss der erst vor rund drei Jahren fertiggestellte südliche Teil der Schule aufgestockt werden. Architekt Thomas Näther gelang es dabei, den Charakter des als Piratenschiff konzipierten Schulgebäudes nicht nur zu erhalten, sondern weiterzuentwickeln. Der Bug des Schiffes erhält ein zweites Obergeschoss und wird optisch von einer Kommandobrücke gekrönt. Näthers Präsentation des Entwurfes hat die deutliche Mehrheit der Stadträte überzeugt, dem Projekt mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 954 000 Euro zuzustimmen.

Heike Kunzemann (LINKE) griff in der dem Beschluss vorausgegangenen Diskussion die maritime Ausstrahlung des Entwurfes auf. Aus der Piratenkogge werde nun ein Kreuzfahrtschiff, meinte sie und wollte wissen, ob angesichts der steigenden Einwohnerzahlen Markranstädts nicht bald auch ein weiterer Ausbau zu einem Containerschiff erfolgen müsse. Die Erste Beigeordnete Beate Lehmann gab Entwarnung. „Damit sind die Grenzen erreicht. Es kann keinen fünfzügigen Schulbetrieb an diesem Standort geben.“ Falls sich perspektivisch eine solche Situation entwickeln sollte, müsse diese anders gelöst werden, beispielsweise durch Hinzuziehung der Grundschulkapazitäten in Großlehna und Kulkwitz.

Nutzung erst ab 2020 vorgesehen

Noch kann mit den Baumaßnahmen allerdings nicht begonnen werden. Mit den vorliegenden Planungen sowie dem Votum der Stadträte sind die Voraussetzungen geschaffen worden, die Fördermittelanträge auf den Weg zu bringen und die Genehmigungen einzuholen. Die Ausstattung der neu geschaffenen Räume und damit deren Nutzungsbeginn ist für das Haushaltsjahr 2020 vorgesehen.

Hintergrund: Gegenwärtig platzt die Grundschule förmlich aus allen Nähten. Im Jahre 2001 nach dem Umbau und der Sanierung eines ehemaligen Fabrikgebäudes als zweizügige Einrichtung entstanden, erfolgte 14 Jahre später der Ausbau für einen dreizügigen Schulbetrieb. Bereits kurz nach dessen Fertigstellung im Jahr 2015 mussten zwei zusätzliche Klassenzimmer in der benachbarten Stadthalle ertüchtigt und auch ein Teil der Schulspeisung dorthin ausgelagert werden. Grund: Die damals zugrunde liegenden Angaben des Statistischen Landesamtes hätten laut Stadtverwaltung bereits für die Einschulungen ab 2016 ein leichtes Abnehmen der Schülerzahlen in Markranstädt vorhergesagt, weshalb es nur Fördermittel für einen dreizügigen Ausbau gab. Eine Fehleinschätzung, denn schon im Folgejahr wurden 87 statt der prognostizierten 73 ABC-Schützen eingeschult. Eine Entwicklung, die seither anhält. Zu Beginn des jetzt laufenden Schuljahres waren es bereits 98 Schulanfänger.

Von Rainer Küster

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