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Räte fordern Klarheit über zu teuer geratenen Grundschul-Anbau

Akteneinsichts-Ausschuss gegründet Räte fordern Klarheit über zu teuer geratenen Grundschul-Anbau

Es brodelt im Rathaus. Das ist die Quintessenz der jüngsten Stadtratssitzung am Donnerstagabend, bei der zwar auch wichtige Beschlüsse wie die Vergabe der neuen Kita getroffen wurden, aber vor allem Fragen zur Arbeit der Verwaltung im Zentrum standen

Chic, aber viel zu teuer geworden: 43 Prozent höher als geplant lagen die Kosten für den Grundschul-Anbau in Markranstädt. Die Räte wollen nun in einem Akteneinsichts-Ausschuss die Verantwortlichen dafür suchen.

Quelle: Andre Kempner

Markranstädt. Es brodelt im Rathaus. Das ist die Quintessenz der jüngsten Stadtratssitzung am Donnerstagabend, bei der zwar auch wichtige Beschlüsse wie die Vergabe der neuen Kita getroffen wurden, aber vor allem Fragen zur Arbeit der Verwaltung im Zentrum standen:

So riefen die Stadträte fraktionsübergreifend einen Akteneinsichtsausschuss ins Leben, der die Vorgänge um den Anbau der Grundschule klären soll. 43 Prozent teurer als geplant war der Bau geworden. Es gibt viele Fragen, wie das geschehen konnte, aber keine Antworten. Bürgermeister Jens Spiske (Freie Wähler Markranstädt) hatte angekündigt, selber ein Anwaltsbüro mit der Prüfung zu beauftragen, zudem sei die Kommunalaufsicht damit befasst, sagte er. Er begrüße den Ausschuss ausdrücklich, sagte er Donnerstagabend. Damit in alle Richtungen untersucht werden könne, werde er nicht den Vorsitz übernehmen, wie eigentlich per Gesetz vorgeschrieben, kündigte er an. Gerangel gab es kurzzeitig um den Aufbau des Ausschusses, den das Rathaus in aller Eile juristisch falsch gedeutet hatte. CDU-Fraktionschef Volker Kirschner nahm das zum Anlass einer Generalaussage: Er habe manchmal das Gefühl, dass die Anträge der Stadträte im Rathaus nicht ernst genommen würden, sagte er. Ausschuss-Initiatorin Ingrid Barche (BfM): „Wir wollen wissen, aus welchen Gründen das mit dem Anbau so gelaufen ist.“ Die Erfahrungen seien auch im Hinblick auf weitere Großbaumaßnamen der Stadt wichtig. Monika Rau (FWM) meinte, eigentlich könne man vorab auch einen Ausschuss gründen für den geplanten Kita-Bau am Stadtbad.

Betreiben wird diese Einrichtung das DRK. Einstimmig votierten die Räte dafür, obwohl der Mitbewerber Volkssolidarität mehr oder weniger gleichauf gelegen hatte. Kirschner: „Es ging nur um Nuancen“, wertschätzte er beide Anbieter. Und eigentlich sei die Bewerbung der Volkssolidarität so gut, dass die Stadt gleich eine zweite neue Kita bauen und beiden Trägern eine übergeben müsse, feixte er. Den Ausschlag gegeben habe neben dem naturnahen Konzept und der Orientierung an Kindergarten-Gründer Friedrich Fröbel für die CDU-Fraktion am Ende, dass unter den DRK-Erzieherinnen auch ausgebildete Rettungsschwimmer seien, damit die Nutzung des Stadtbades nebenan für die Kinder möglich sei. Spiske dankte ebenfalls der Volkssolidarität, tröstete sie mit den Worten: „Wenn Markranstädt so weiter wächst, dürfte es schon bald eine zweite neue Kita geben.“

Bei nur einer Nein-Stimme stimmten die Räte ferner dem Bau von zweieinhalb Meter hohen Erdwällen an der Biogasanlage in Thronitz zu. Wie vom Bauherren angekündigt, sollen sie auf der Nord- und auf der Ostseite des Fahrsilos errichtet und begrünt werden, um die Anlage besser ins Landschaftsbild einzupassen und eine Schallbarriere zu den Ortschaften Döhlen und Thronitz zu bilden. Die Ortschaftsräte waren schon einstimmig dafür gewesen. Im Protokoll vermerkt wurde jedoch das Ungemach der Räte, dass sich der Investor mit der Umsetzung der grünordnerischen Belange seines Bauvorhabens bislang insgesamt sehr viel Zeit gelassen habe. Er soll sich im nächsten Technischen Ausschuss erklären und Zeitpläne für die Umsetzung vorlegen.

Der neue Kinderfeuerwehrwart erhält künftig eine so hohe monatliche Entschädigung wie der Jugendfeuerwehrwart: 40 Euro. Einhellig stimmten die Räte zu.

Die Anmeldezahlen fürs nächste Schuljahr für die beiden weiterführenden Schulen Markranstädts werden voraussichtlich einen dreizügigen Betrieb der Oberschule und sogar einen vierzügigen Betrieb des Gymnasiums ermöglichen. Das meinte die Erste Beigeordnete Beate Lehmann. Für die Oberschule hätten sich bis Donnerstag 82 neue Fünftklässler angemeldet, fürs Gymnasium über 90. Mit 100 neuen Schülern rechne das Haus, so Lehmann. Die Stadt habe dem Bildungsträger bereits mitgeteilt, für die weitere Entwicklung des Standortes auch einem vierzügigen Betrieb zuzustimmen.

Die neue Drainage am Sportcenter scheint zu funktionieren. An der Bodenplatte gehe die Feuchtigkeit zurück, berichtete Bauamtschefin Uta Richter von Fortschritten bei der Trockenlegung des „Sorgenkindes“. Ein Gutachter werde nun beauftragt, die Dachhaut samt der PV-Anlage auf Dichtheit zu prüfen.

Von Jörg ter Vehn

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