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Rathaus-Mitarbeiter beklagen Inkompetenz ihrer Amtsleitung

Brandbrief an die Stadträte Rathaus-Mitarbeiter beklagen Inkompetenz ihrer Amtsleitung

Das dürfte einzigartig sein: In einem Hilferuf an alle Stadträte beklagen zwölf Mitarbeiter des Fachbereichs III (Bau) in Markranstädt Missstände in ihrer Amtsleitung und fordern die Stadträte auf, tätig zu werden. Es ist nicht der erste Brandbrief aus dem Bauamt

Nur drei der Bauprobleme Markranstädts: Das Sportcenter, der Grundschul-Anbau und die Frankenheimer Schranke

Quelle: André Kempner

Markranstädt. Das dürfte einzigartig sein: In einem Hilferuf an alle Stadträte beklagen zwölf Mitarbeiter des Fachbereichs III (Bau) in Markranstädt Misstände in ihrer Amtsleitung und fordern die Stadträte auf, tätig zu werden. Es ist nicht der erste Brandbrief aus dem Bauamt.

Der gesamte Fachbereich werde in der Presse und in Beratungen vermehrt als inkompetent dargestellt, klagen die Unterzeichner. „Dem widersprechen wir als Mitarbeiter, da das Problem nicht der Arbeitsweise der einzelnen Mitarbeiter, sondern der Fachbereichsführung geschuldet ist“, meinen sie. Insgesamt sei die Arbeit nicht sachorientiert, unstrukturiert und nicht zielgerichtet. In einem früheren Schreiben vom 28. September an Bürgermeister Jens Spiske hatten sie die Vorwürfe erläutert:

Die Leitung verfüge nicht über die erforderlichen Fachkenntnisse im Baubereich sowie der Liegenschaften. Lediglich eine administrative Akzeptanz innerhalb des Bauamtes sei vorhanden, eine inhaltliche Projektbegleitung sei nicht möglich und offensichtlich auch nicht gewollt. Vor den Ausschusssitzungen werde nur sporadisch und oberflächlich um Projektinformationen gebeten. Es bestehe kein persönliches Interesse und Engagement an der Lösung kommunaler Aufgaben und Projekte. Durch Fehlentscheidungen und Passivität der Fachbereichsleitung sei bereits erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden.

Von der Fachbereichsleitung würden keine eigenen Projekte entwickelt und realisiert, eine konzeptionelle Arbeit zur Stadtentwicklung finde seit Jahren nicht mehr statt. Selbst kleinste planerische Aufgaben würden an Architektur – und Ingenieurbüros übertragen.

Bei der eigentlichen Leitungstätigkeit gebe es gravierende Mängel. So würden Aufgaben verteilt unabhängig von der erforderlichen Qualifikation der Mitarbeiter. Es gebe kaum konkrete Aufgabenstellungen, eine zur reibungslosen Umsetzung der Arbeitsaufgaben erforderliche Vertretungsregelung sei nicht vorhanden.

Auf dies alles und noch mehr hätten die Mitarbeiter die Fachbereichsleitung wiederholt hingewiesen, sowohl bei den wöchentlichen Dienstberatungen als auch bei außerordentlichen. Sie seien weder erhört noch registriert worden.

Auf den Alarm im September antwortete Bürgermeister und Verwaltungsleiter Jens Spiske ganze zwei Monate später: Er habe die Ausführungen „dankend zur Kenntnis“ genommen. „Entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation sind geplant und werden zu gegebener Zeit durchgeführt.“ Zur Erinnerung: Mitte September hatte Spiske im Ältestenrat angekündigt, sich von der Bauamtschefin trennen zu wollen.

Tatsächlich machte das Bauamt wiederholt unschöne Schlagzeilen in Markranstädt. Nur einige aktuelle Beispiele:

Da wurde die Sanierung des abgesoffenen Sportplatzes in Kulkwitz doppelt so teuer - wegen vorher angeblich nicht bekannter Probleme mit dem Wasser. Kosten: über 500 000 Euro.

Das Projekt Abriss Leipziger Straße 20-24 verschlang mit 400 000 Euro sogar mehr als das Doppelte dessen, was veranschlagt war.

Am Sportcenter – eins der Wahlkampfthemen von Bürgermeister Spiske – regnet es seit Jahren rein, immerhin inzwischen weniger.

In der kleinen Priesteblicher Straße müht sich das Bauamt nunmehr seit Jahren vergeblich, eine Lösung gegen das illegale Befahren zu finden.

Das „Toilettenschlößchen“ am Parkplatz Oststraße am Kulkwitzer See wollte das Bauamt eigentlich aufwändig sanieren. Bei ersten Arbeiten sackte das Gemäuer aber plötzlich in sich zusammen. Jetzt wird eine einzige Toilette gebaut – für mehr als 150 000 Euro.

Bislang letzter Fall: Der Grundschul-Anbau kostete statt 950 000 Euro knapp 1,4 Millionen Euro. Ein Untersuchungsausschuss wurde gebildet, ein Anwalt ermittelt, ebenso die Kommunalaufsicht.

Im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Stadtratssitzung sprachen die Abgeordneten über die Situation. Tenor: Machen Sie was, Herr Bürgermeister! Der hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, nur er sei zuständig für die Rathausführung. Auf Anfrage erklärte er am Montag, er gebe „prinzipiell keine Stellungnahme in der Öffentlichkeit“ zu Personalia ab. Gerade in Hinblick auf die anwaltliche und kommunalrechtliche Prüfung um die Kostensteigerung des Anbaus der Grundschule verbiete sich eine Äußerung zu der Personalie.

Und die Betroffene? War gestern betroffen: Sie befinde sich in einem Anstellungsverhältnis und verhalte sich selbstverständlich loyal, erklärte sie. Sie kenne auch die Schreiben nicht. „Ich bin außerdem der Meinung, dass Konflikte dieser Art nicht öffentlich zu thematisieren sind“, sagte sie.

Von Jörg ter Vehn

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