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Markranstädt Rührend: Die doppelte „Hanna“ der Stadtgeschichte
Region Markranstädt Rührend: Die doppelte „Hanna“ der Stadtgeschichte
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07:00 13.10.2016
Eine Maschine namens „Hanna“: Bernd Eckert demonstriert in der Heimatstube Markranstädt die Arbeitsweise des kleinen Haushaltshelfers – eine heute kaum vorstellbare Plackerei früherer Generationen. Eine „Hanna“ gibt es beim Heimatverein übrigens nocheinmal. Quelle: André Kempner
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Markranstädt

Eine waschechte „Hanna“ gibt es bei Markranstädts Heimatforschern nun gleich zweimal: Eine wälzt im Büro für Stadtgeschichte alte Akten, sucht unermüdlich nach Licht im Dunkel der Geschichte. Die andere steht im Heimatmuseum und suchte früher nach Weißheit. Sie zeugt von alter Waschkunst – und jetzt dem Humor der Stadtforscher, die die Maschine in den Mittelpunkt einer kleinen Extraschau stellen.

„Haushaltswochen“ hat Bernd Eckert in diesen Tagen im Museum ausgerufen. Gleich am Eingang der Stube präsentiert er alte Teile, die das Leben und manchmal auch Leiden früherer Generationen von Markranstädtern ausmachten. Da stehen zum Beispiel gleich mehrere alte Bügeleisen griffbereit. „Einige wurden mit glühenden Kohlen befüllt, andere mit ihrer Eisenplatte an einen Ofen zum Erhitzen gehängt.“ Stolz ist Eckert auch auf ein Exemplar, bei dem der Griff auswechselbar ist, auf diese Art nacheinander verschiedene „aufgeladene“ Plätteisen aufnehmen kann. Die alten Eisen seien erstmals für eine Ausstellung aus dem Fundus herausgeholt worden, so Eckert.

Am Tisch nebenan stehen Entsafter, Einweckkessel und so etwas wie der Prototyp des heutigen Schnellkochtopfes. Eckert schiebt an einem kleinen Waage-Regler auf dem mit schweren Bügeln gesicherten Deckel herum. „Daran wurde der Druck eingestellt“, erläutert er.

Besonders exotisch ist an der Sammlung auch das Eisen, mit dem die früher übliche Bügelfalte an Männerhosen gezogen werden konnte. „Mit Elektroanschluss wie an einem Tauchsieder“, schmunzelt Eckert. Er kennt den früheren Besitzer, der das früher wohl nötige Instrument – heute würde es heißen: „ein Must Have“ – für den Mann genutzt hat.

Er kennt auch „Hanna“. Also beide. Natürlich Hanna Kämmer, die unermüdliche Heimatforscherin, die im Büro für Stadtgeschichte in der Leipziger Straße die Historie von Markranstädt aufarbeitet. Erst im Vorjahr war sie mit anderen Ehrenamtlern von Bürgermeister Jens Spiske für ihre vielen Mühen ausgezeichnet worden.

Und die neue „Hanna“. Also die aus den Zwanzigerjahren. Die im Sommer von einer Familie aus der Siedlung Grünau ins Museum kam und nun die „Haushaltswochen“ anführt. Detailliert erklärt Eckert die Mechanik der handbetriebenen Maschine mit den Rudern, mit denen die heiße Waschlauge bewegt wurde, und den darunterliegenden Kohleofen. Selbst eine Handmangel konnte angeschraubt werden, zeigt er. Allein das Heben des Deckels samt Ruhrwerk sei allerdings für heutige Verhältnisse eine Plackerei, meint er. Wie schwer muss da das Wäsche Waschen und der Haushalt insgesamt gewesen sein?, steht als unausgesprochene Frage über den Gegenständen von anno dunnemals.

Immer sonnabends kann die kleine Schau zur Stadt- und Heimatgeschichte im Alten Ratsgut in der Hordisstraße besichtigt werden. Und wer Glück hat, kann beide „Hannas“ erleben. Meist sei Hanna Kämmer nämlich zu den Öffnungszeiten in der Stube und erkläre Fragen, schmunzelt Eckert.

Von Jörg ter Vehn

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