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Ruhen und rutschen am Kulkwitzer See

Ruhen und rutschen am Kulkwitzer See

Alexander Kempf und Eric Mücke sind zur Zeit so gut wie jeden Tag am Strandbad. Die beiden jungen Männer aus Bad Dürrenberg westlich von Markranstädt haben Ferien.

Markranstädt. Und das etwa zwei Fußballfelder große Gelände am nordwestlichen Ufer des Kulkwitzer Sees, zu erreichen über die Oststraße, ist ihr bevorzugter Badeort. „Nachmittags kommen die nach, die jetzt noch arbeiten“, sagt Alexander, der 21 Jahre alt ist, gerade sein Abitur gemacht hat und vor dem Zivildienst seine Ferien genießt. „An manchen Tagen sind wir hier 20, 25 Leute.“

Der 19-jährige Eric, der noch ein Jahr zur Schule gehen muss, erklärt warum: „Es ist ein schönes Plätzchen mit viel Natur, wochentags ist es nicht so voll, man kann vom Steg ins Wasser springen und mit dem Auto sind wir schnell da.“ Ein weiterer Vorteil, nicht nur für die zwei: Das Gelände hinter dem grauen Strandhaus ist zwar seit Sommer 2007 zum Schutz vor Randalierern eingezäunt und vor 10 sowie nach 20 Uhr und im Winter geschlossen, kostet aber keinen Eintritt.

Alexander und Eric stehen von ihren Handtüchern auf, laufen den Kiesweg zu dem großen, verzweigten Steg hinab, lassen die gelben Rutschen, die gelben Bänke und eine Gruppe Karten spielender Jugendlichen hinter sich und springen kopfüber ins Wasser.

Gelegentlich schwimmt Alexander auch von hier aus zum gegenüber gelegenen Sandstrand am Ostufer, erzählt er. Hin und zurück sind das etwa anderthalb Kilometer, Alexander als trainierter Schwimmer braucht dafür um die 45 Minuten.

Geruhsamer ist eine Wanderung um den 150 Hektar großen und bis zu 36 Meter tiefen See. Vom Rundweg ums Ufer, der auch am Strandbad entlangführt, „kommt man nicht so schnell ab“, sagt Reinhard Ihle von der Firma LeipzigSeen, die den Kulkwitzer See betreibt. Für die rund acht Kilometer veranschlagt er in lockerem Gehtempo zwei bis drei Stunden.

„Auf der Markranstädter Seite des Ufers sind einige kleinere Steigungen, aber dafür wird man dort durch viel Ruhe, zwei Orchideenarten, Wasservögel, Frösche und Echsen entschädigt.“ Denn während am Ost- und Nordufer mit dem Wasserskilift und dem Sandstrand eher Trubel und Lärm zu Hause sind, geht es auf der Westseite mit einigen Segler- und Kanuvereinen, Restaurants, Wiesenufern und eben dem Strandbad geruhsamer zu.

Nicht nur Wanderer, auch Jogger mögen den nur zum Teil asphaltierten und je nach Stelle sehr unterschiedlich breiten Rundgang um den ehemaligen Tagebau, der schon ab 1963 geflutet und 1973 als Naherholungsgebiet geöffnet wurde.

Einsteiger sollten für die Umrundung per Dauerlauf etwa 70 Minuten einplanen, Fortgeschrittene schaffen sie in 50 und weniger. Und wer es übers Herz bringen kann, bei der einen oder anderen Höhe und sich nähernden Fußgängergruppen abzusteigen, kann den See auch gut mit dem Fahrrad umrunden. „Das sollte selbst mit dem Hollandrad zu schaffen sein“, sagt Ihle. Auch bei Tauchern ist der See wegen seines klaren Wassers und einer Vielzahl an Tieren und Pflanzen beliebt – selbst wenn sich die Wasserqualität jüngst verschlechtert hat. Die Unterwassersportler machen einen Großteil der am See campenden und in Ferienwohnungen übernachtenden Touristen aus.

Auf der Leipziger Seite zieht der Wasserskilift sportliche Gemüter an. Eine zweistündiger Einführungskurs inklusive Ausrüstung kostet auf den Ski 16 Euro, auf dem Wakeboard 25. Ebenfalls in der Seestraße, ein Stück weiter südlich, liegt der Bootsverleih Wittig. Hier gibt es Kanus für fünf Euro die Stunde, Ruderboote kosten sechs.

Grit Suppok und ihrem Sohn Oscar reicht für den Augenblick das Sonnenbaden und Planschen – sie sind zum ersten Mal im Strandbad. „Wir sind auf Empfehlung eines Freundes von meinem Sohn gekommen“, sagt die 37-Jährige aus Böhlitz-Ehrenberg, die gerade Urlaub hat. „Schön, dass das Wasser sauber ist, und auch der Steg ist nicht verkehrt.“ Auf der Wiese liegt ihr allerdings etwas zu viel Müll, sagt sie und deutet auf eine leere Eisverpackung.

„Ich finde die Rutsche gut“, schaltet der neunjährige Oscar sich ein, als er mit seinem gleichaltrigen Freund Jonas aus dem Wasser gerannt kommt. „Vom Steg kann man gut Arschbomben machen, und das Wasser ist auch noch nicht zu warm.“ Er trocknet sich ab. Das Fazit seiner Mutter: „Wir kommen bestimmt wieder – Abwechslung ist doch etwas Schönes.“

Auch zum ersten Mal am See sind Thomas und Marion Schulze. „Ich finde sehr praktisch, dass man hier vom Steg direkt ins Wasser steigen kann, so mache ich mir die Füße beim Rausgehen nicht mit Algen und Dreck schmutzig“, sagt Thomas Schulze, und seine Ehefrau Marion ergänzt: „Schön ist auch, dass es nicht so voll und nicht so laut ist.“ Auch die beiden 42-Jährigen wollen dem Strandbad noch den einen oder anderen Besuch abstatten.Florian Bamberg

Die Wanderung um den Kulkwitzer See, beschrieben von LeipzigSeen-Mitarbeiter Reinhard Ihle: www.leipzigseen.de/uebernachten/ferienwohnung-haus/ferienressort-kulkwitzer-see/rundgang-um-den-kulkwitzer-see.html

Florian Bamberg

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