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Markranstädt 200 Besucher bei Sachsengespräch mit Kretschmer in Grimma
Region Markranstädt 200 Besucher bei Sachsengespräch mit Kretschmer in Grimma
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08:41 13.03.2019
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) stellte sich in Grimma den Fragen der Bürger. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Wie steht Sachsen nach einem reichlichen Jahr unter Führung von Landeschef Michael Kretschmer da? Zahlreiche Muldentaler nutzten am Montagabend die Gelegenheit, den Ministerpräsidenten ins Kreuzverhör zu nehmen. Dieser hatte zum „Sachsengespräch“ in die Muldentalhalle geladen – sein halbes Kabinett im Schlepptau.

Kretschmer muss sich sputen. Nur noch ein halbes Jahr ist Zeit bis zur Landtagswahl. Droht Sachsen ein politisches Erdbeben oder kann der neue Hoffnungsträger das Ruder noch herumreißen? In Grimma sind es eher die ganz konkreten Probleme, die den Menschen auf den Nägeln brennen. Sie reichen von Autobahnlärm bis Azubi-Mangel, von Wolf bis WLAN.

Landeschef reist mit dem Bus an

Ein Andrang, wie er noch die ersten Dialoge der Ministerriege mit dem Volk begleitete, bleibt in Grimma aus. Am Eingang herrscht kein Gedränge. Jeder bekommt ein Namensschildchen verpasst, muss seine Tasche vorzeigen – das ist alles, was für den Zutritt verlangt wird. Freundlicher Applaus empfängt Kretschmer, der sogleich in einen lockeren Plauderton verfällt. „Ich bin heute mit dem Bus angereist und hatte schon Sorge, dass bei dem Wetter niemand kommt. Die wirklich Harten sind aber wieder da“, sammelt der CDU-Landeschef erste Sympathiepunkte.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kam am Montagabend in Grimma zum Sachsengespräch. In einzelnen Gesprächsrunden konnten die Besucher den Landespolitikern auf den Zahn fühlen.

Die anschließende Mannschaftsvorstellung fällt wohltuend kurz aus. Jeder weiß anschließend, ob er im Foyer mit Staatssekretär Herbert Wolff lieber über Schulthemen spricht oder es ihn doch zu Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt in den Turnraum zieht.

Kretschmer leiht den Bürgern in der Sportlerklause sein Ohr

Kretschmer selbst leiht den Bürgern in der Sportlerklause sein Ohr. Gleich zu Beginn widerspricht er der These, als Politiker sei er doch ohnehin abgesichert. „Als ich mein Bundestagsmandat verloren hatte, erging es mir wie vielen anderen auch. Von einem Tag auf den anderen war Schluss. Ich war plötzlich arbeitslos. Da stehst du da, hast Panik.“ Das, so Kretschmer, „ist eine Erfahrung, die demütig macht.“ Dass er anschließend vom Wahlverlierer zum Ministerpräsidenten wird, dürfte seinesgleichen suchen.

Was Kretschmer in Grimma zu hören bekommt, ist vor allem Frust auf Behörden. Enttäuschte, die schon etliche Amts-Klinken geputzt haben, versprechen sich Fürsprache vom ersten Mann im Staate, zücken Schreiben und ganze Hefter voller Schriftstücke. „Wir sind beim Bau der A 72 mit einer 500 Meter langen Lärmschutzwand abgespeist worden“, schildert eine Abordnung aus Frauendorf bei Frohburg. „Seitdem ist an Schlaf kaum noch zu denken. Bitte sorgen Sie dafür, dass Versprechen, die man uns gemacht hat, eingehalten werden.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Gespräch mit Einwohnern aus Frauendorf, die sich über Autobahnlärm an der A 72 beklagen. Quelle: Thomas Kube

Kretschmer bittet um Unterlagen, will sich das anschauen. Die Grimmaer selbst treibt der Bau der neuen Muldenbrücke im Verlauf der A 14 um. „In Beiersdorf haben die Bürger aus Verzweiflung schon eine eigene Zählstelle errichtet und dort 52.000 Fahrzeuge täglich erfasst, davon 12.000 Lkw“, berichtet der Parthensteiner Matthias Constantin. „Aber für die Brücke ist kein Lärmschutz vorgesehen“, kritisiert er. Kretschmer ist Profi genug, den Leuten nichts zu versprechen.

Klare Abgrenzung von der AfD

Er hütet sich davor, falsche Hoffnungen zu machen. Zahlreiche Visitenkarten und Schriftstücke wandern dennoch in seine Hände. Immer verbunden mit der Aufforderung, er möge sich einsetzen, dass sich etwas bewegt.

Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl will ein Bürger von Kretschmer zudem wissen, warum er durch eine klare Abgrenzung von der AfD so viele Leute ausgrenze. „Ich rede mit allen, die mit mir reden wollen. Ich habe da keine Blockade“, kontert der Regierungschef. „Ich sage nur, eine Koalition mit der AfD kommt für mich nicht in Frage, auch keine mit den Linken.“ Die Sachsen allein hätten es in der Hand, den Kurs zu bestimmen.

Auch Henry Graichen (l.) , Landrat des Landkreises Leipzig, kam zum Sachsengespräch nach Grimma. Quelle: Thomas Kube

Am Schluss wird es in der Sportlerklause noch einmal ganz konkret. Ein Grimmaer Unternehmer beißt sich gerade an den neuen Datenschutzregeln die Zähne aus. „Ich darf eine Kundendatei mit 400 Namen nicht übernehmen, solange der sächsische Datenschutzbeauftragte nicht zustimmt.“ Kretschmer bietet sich als Türöffner an: „Am Mittwoch ist Landtagssitzung, da sitzt der Beauftragte hinter mir und kann nicht weg.“ Da rutscht Kretschmer doch noch eine Zusage raus, an der ihn zumindest der angehende Autohaus-Besitzer messen wird.

Von Simone Prenzel

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