Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markranstädt Schulhaus Kulkwitz 100 Jahre alt: Lernen anno dunnemals
Region Markranstädt Schulhaus Kulkwitz 100 Jahre alt: Lernen anno dunnemals
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:10 19.05.2015

Ziel sei es, den Kindern den Schulalltag aus der Zeit vor einhundert Jahren nahe zu bringen, erzählte Direktorin Sabine Nerger. Bevor die Kinder in neun Stationen Einblicke in die alten Zeiten nehmen konnten, mussten sie zusammen jedoch am Morgen die Schulleiterin begrüßen, laut und deutlich. Als die dann durch die Reihen ging und wie vor hundert Jahren durchaus üblich Hals und Hände auf Sauberkeit kontrollierte, kam das doch überraschend. "Manche Kinder sind total erschrocken", sagte Nerger.

Wolfgang Tretschok, Kulkwitzer Urgestein, Feuerwehrchef und von 1948 bis 1956 selber Schüler in dem Haus, wusste noch von ganz anderen Methoden zu berichten. Den Rohrstock zum Beispiel habe er aber nie fühlen müssen. Der 71-Jährige ging mit den Kindern liebevoll gestalte Fotobände von früher durch, erzählte von den Veränderungen und hatte auch Bürgermeister Jens Spiske (Freie Wähler Markranstädt), der am Ehrentag mit einer kleinen Abordnung aus dem Rathaus zu Besuch kam, ganz viel zu berichten.

In der Turnhalle gab es derweil Spaß von anno dunnemals. Luca (8) und Yanis (9) hatten tatsächlich noch nie mit Murmeln gespielt, wetteiferten schnell darum, wer die blauen oder roten Kugeln am nächsten an die Wand kullern konnte - oder es schaffte, den vorne liegenden Gegner rauszuschießen. Nebenan wurde munter gehüpft bei Himmel und Hölle. "Früher haben die Kinder dabei die Zahlen gelernt, vorwärts und auch rückwärts", erzählte Nerger. Inzwischen seien Bewegungsspiele in der Mathematik auch heute wieder üblich.

Mit selbst gebastelter Schleife im Haar der Mädchen oder Matrosenkragen bei den Jungs durften die Kinder auch die für viele heute rätselhafte Sütterlinschrift ausprobieren. Und beim "Frühstück um 1900" gab es Rüben auf frisch gebackenem Brot sowie Bemmen mit Fett und Grieben.

Malen wir früher stand in einem anderen Raum an. Dort wurde mit scharfem Werkzeug Linoleum ausgekratzt, entstanden etwa bei Kevin (8) ein Fisch und bei Franzis (10) ein Pinguin. Einen roten Fisch als ersten Ausdruck der Klasse erhielt Bürgermeister Spiske als Geschenk.

Alte Singspiele oder Schulbücher wurden erklärt, selbst alte Ranzen konnten die Schüler in einer kleinen Ausstellung bewundern. Und Tretschok erinnerte sich auch noch an seinen: "Der war aus dem Transportband gefertigt, über das hier bei uns in Kulkwitz die Braunkohle lief", erzählte er.

Auf Schiefertafeln schreiben lernen wie Tretschok, mussten die Kinder gestern aber nicht. Das wäre bei aktuell 107 Grundschülern in fünf Klasen auch ein ziemlich unangenehmes Gekratze geworden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.11.2013
Jörg ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fair soll er werden und frei von persönlichen Anfeindungen: Vertreter der Stadtratsparteien, der Freien Wähler und der neue Bürgermeister berieten diese Woche bei einem Runden Tisch über den kommenden Stadtratswahlkampf - unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

19.05.2015

[gallery:700-NR_LVZ_GALLERY_28834]Markranstädt. Dienstag und Mittwoch wurde er geschmückt, erhielt Kugeln, Lichterketten und Schmuck-Spitze. Seit gestern Abend erhellt er nun den Markt: der Weihnachtsbaum.

19.05.2015

Mehr Ruhe für die Anwohner oder wenig Behinderungen für den Verkehr? Zwischen Bürgern auf der einen und der Straßenbauverwaltung auf der anderen Seite versuchte am Montagabend eine Diskussionsrunde der Friedrich-Ebert-Stiftung in Markranstädt zu moderieren.

19.05.2015
Anzeige