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Markranstädt Schweißperlen groß wie Tennisbälle
Region Markranstädt Schweißperlen groß wie Tennisbälle
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07:00 23.06.2017
Am Ziel: Gruppenbild mit Matterhorn. Quelle: privat
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Markranstädt/leipzig

Bricht das Mopedfieber aus, ist kein Weg zu weit, keine Aufgabe zu schwer. Fünf Oldtimerfreunde aus Markranstädt und Leipzig hatten ein großes Ziel: Von Leipzig aus ans Matterhorn. Hin und zurück. 2000 Kilometer in nur neun Tagen. Nicht mit dem Auto, sondern mit Simsonrollern (SR 2) der Baujahre um 1960 (die LVZ berichtete). Schaffen sie es?, lautete die Frage, die alle Motorsportfreunde interessierte.

Klar, haben sie es geschafft. Aber nicht allein das zählt. Unvergesslich waren die Erlebnisse unterwegs – technische Probleme inklusive. Doch auf die schienen die Schrauber und Tüftler nur gewartet zu haben. Das Fazit der „Matterhörner“: Total kaputt, aber glücklich. Mehr ist im Handy-Tagebuch von Frank Güssefeld, Jens Langhans, Jens Müller, Steffen Sytar und René Wiesner zu erfahren.

Erster Tag – erste Probleme: „Steffen hat Schwierigkeiten mit der Schaltung. Außerdem zerfliegen die angebauten Pedale; neue müssen her.“

Zweiter Tag: Die „Matterhörner“ wollten eigentlich nur Nebenstraßen fahren. Doch es ist wenig Verkehr: „Wir entschließen uns, die Bundesstraßen zu nutzen. Dann verliert Jens M. bei einem steilen Anstieg die Pedale. René rettet das Teil unter Einsatz seines Lebens auf der gut befahrenen Bundesstraße. Der Leistungsverlust an Franks Moped verstärkt sich derart, das Geschwindigkeiten nur noch bis 20 Stundenkilometer bei kleinsten Steigungen drin sind. Eine Reparatur 16 Kilometer vor Etappenziel ist nicht erfolgreich. Mit letzter Kraft schleppen wir uns zum Gasthof. Die freundliche Wirtin überlässt uns ihre Werkstatt; in zwei Stunden ist der SR wieder fit. Etappenziel Munderkingen erreicht. Wir können es kaum erwarten, die letzten 110 Kilometer bis zur Schweizer Grenze zu erreichen.

Dritter Tag: Alle fünf Mopeds schwächeln: Kein Wunder: 20 Prozent sind es bergauf. Also geht’s mit Muskelkraft bis zur Bergkuppe. Ankunft in Reiden.

Vierter Tag: Bei Jens M. lockert sich die Kerze, das Alugewinde schmilzt aus, der Zylinder wird undicht. Kerze wird mit Zwei-Komponenten Kleber eingeklebt. Die Notlösung hält bis Thun. Eine Mopedwerkstatt kann nicht helfen; aber ein Schweizer ,Bürgli’: Er fährt mit Jens zum Zylinderschleifer.

Noch vierter Tag: 220 Kilometer gefahren; 70 Prozent davon geht’s bergauf. Die Bergetappe fordert Opfer. Auspuff von Jens M. zu, Kettenschaden bei René. Gleich alle fünf Roller gewartet. Doch der Anstieg der letzten 30 Kilometer nach Täsch ist in zwei Passagen so steil, dass wir wieder schieben müssen. Aber wir schaffen es. Nach vier Tagen ist Täsch erreicht. Das Matterhorn liegt in Sichtweite vor uns.

Fünfter Tag: Die Heimat ruft: Wir haben ganz schön Bammel vor den anstehenden, brutalen Anstiegen. sieben Kilometer bergauf zum Verladebahnhof. Höhenunterschied 450 Meter bewältigt! Erste Tunneldurchfahrt 3,3 Kilometer; zweite 2,4 Kilometer. Alles im ersten Gang: Schweißperlen groß wie Tennisbälle auf der Stirn.

Sechster Tag: Der Grenzübertritt Schweiz/Deutschland gestaltet sich schwieriger als erwartet: Im Wirrwarr der Verkehrsführung geraten wir mit unseren Töffi’s auf die Autobahn. Jens L. , als letzter in der Kolonne, fährt nach der ersten Abfahrt ab. Frank, René, Steffen und Jens M. werden von der Schweizer Polizei gestellt und zum nächsten Rastplatz begleitet. 60 Franken sind für jeden fällig.

Siebter Tag: In Ulm verliert René seinen Kanister in der Serpentinenfahrt. Beim Rettungsversuch bockt ,Fury’ ( Wieses SR ) so sehr, dass René aus dem Sattel fliegt. Zum Glück kein Unglück.

Achter Tag: Die Einheit Mensch und Maschine zeigt nach der Dauerbelastung Ermüdungserscheinungen. Dennoch: die SR 2 sind unverwüstlich und könnten die Matterhorntour sofort wiederholen.

Neunter Tag: Vor der letzten Kurve schalten wir die Helmkamera an und fahren nebeneinander durch den Zielstrich. Der Jubel der Familien, Freunde und Nachbarn zaubert Tränen in unsere Augen. Jeder hatte 2000 Kilometer mit seinem SR 2 in den Knochen. Wir waren am Matterhorn! Einfach Wahnsinn! Wir haben es wirklich geschafft!“

Von Ingrid Hildebrandt

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