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Seebenischer Seen: Landkreis untersagt weiteres Abpumpen

Seebenischer Seen: Landkreis untersagt weiteres Abpumpen

Die Situation um die neue Seebenischer Seenplatte wird immer verfahrener. Beim jüngsten Ortschaftsrat diskutierten Montagabend Anwohner und Vereinsvorstände, woher das Wasser kommt und was dagegen unternommen werden kann.

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In den Senken der Braunkohlebergbaue rund um Kulkwitz haben sich die neuen Seen gebildet.

Quelle: Patrick Moye

Markranstädt. Zugleich wurde erläutert, dass das Landratsamt ein weiteres Abpumpen derzeit nicht genehmigt - sonst würden die neuen Seen zu flach, könnten zu einem Fischsterben führen, als Kloake enden.

Seit die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) im Dezember 2010 das Pumpen abstellten, wuchsen die Seen in den Senken westlich von Kulkwitz, die durch intensiven Braunkohlebergbau seit den 1860er Jahren entstanden waren. Bei den Starkregenereignissen 2013 stieg das Wasser jedoch so stark an, dass Keller im benachbarten Ort absoffen, der Sportplatz unterging, in der Kleingartenanlage "Feierstunde" Gärten vollliefen.

Im Winter darauf begann die Stadt auf eigene Kappe, das Wasser abzupumpen. Um 75 Zentimeter sei der Pegel seitdem gesunken, er liege derzeit bei etwa 121,25 Meter über Normalnull, erklärte Hartmut Kauschke vom Bauamt den Räten und ihren Gästen. Bis 121 Meter wollte die Stadt weiter abpumpen, um ein natürliches Fließgefälle vom Sportplatz über die Kleingartenanlage runter zum größten der beiden Seen, wo sich die Pumpstation befindet, zu erzielen. Wie berichtet, soll mittelfristig von dort das Wasser über deutlich ausgebaute Gräben nach Thronitz abfließen können. Dafür habe die Landesdirektion Fördergelder avisiert, sofern die Gräben naturnah und nicht verrohrt verliefen, so Bauamtschefin Uta Richter.

Seit der Sportplatz abgesoffen ist, die Sanierung im Herbst wegen plötzlichen Wassereinbruchs gestoppt wurde, eilt jedoch eine Lösung. Es gebe schon fast zwei Jahre lang kein richtiges Vereinsleben mehr, die jungen Spieler würden schon von anderen Vereinen abgeworben, erzählte Jens Doberschütz vom SSV Kulkwitz. Wenn sich die Stadt nicht beeile, gebe es zwar irgendwann wieder einen sanierten Platz, "aber dann keinen Verein mehr", warnte er. Die Sportler schlugen vor, einen so genannten Soccer-Court auf dem Tennisplatz aufzustellen, um wenigstens den Spielbetrieb der Kleinen aufrecht erhalten zu können. Alternativ kam ins Gespräch, einen früheren Spielplatz oberhalb des jetzigen wieder herzurichten und zu nutzen, bis der angestammte Platz saniert ist.

Ende Februar soll klar sein, ob die Fördermittel für die Sportplatzsanierung aufgestockt werden, um den Platz höher legen zu können. Rund 80 Zentimeter sollten das sein, hatte Geologe Dr. Bernd Müller in einem Gutachten vorgeschlagen. Alternativ köne auch dafür gesorgt werden, dass das Wasser einen gewissen Pegel nicht übersteigt.

Seine Kleingartenanlage könne man nicht anheben, warnte Helmut Herrmann von der "Feierstunde". Er müsse 119 Gärten verpachten, benötige eine funktionierende Entwässerung, mahnte er eine Lösung an. Deshalb sei der Zielwasserstand festgesetzt worden auf 121 Meter, einen halben Meter unter dem tiefsten Punkt der Gärten, so Kauschke

Doch diesen Plänen hat nun der Kreis einen Riegel vorgeschoben. Denn dann würde der Wasserstand der Seen weniger als 50 Zentimeter betragen, argumentiert das Landratsamt. "Dies würde eine erhebliche Verschlechterung des ökologischen Zustands des Gewässers zur Folge haben, was insbesondere in den Sommermonaten einen Verlust des ökologischen Gleichgewichts mit Fischsterben und Geruchsbelästigungen für die Anwohner zur Folge hätte", sorgt sich der Kreis.

Mit "Frechheit" und schärferen Worten hatten die Besucher der Sitzung das kommentiert. Denn für Alteinwohner wie Wolfgang Tretschok steht fest: "Der See muss wieder verschwinden." Das ganze Dilemma habe begonnen, als 2010 die Pumpen abgestellt wurden, sich niemand mehr kümmerte. Er warnte davor, dass das Wasser auch Wege und Häuser im Ort bedrohe. Denn vieles stehe nur auf Asche und etwas Erde.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2015
Jörg ter Vehn

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