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Markranstädt Stadtansichten im Fokus
Region Markranstädt Stadtansichten im Fokus
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18:35 16.05.2011
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Markranstädt

26 Mappen allein mit analog erstellten Bildern stehen in ihren Regalen. Seit 2008, als sie auf digitale Kameras umgestellt haben, gibt es keine Beschränkungen mehr.

„Die Leidenschaft für das Hobby liegt bei uns in der Familie. Ich habe sie wohl von meinem Großvater geerbt oder mir abgeschaut. Er hat schon 1905 die Familie in Bildern festgehalten“, erzählt Hans Drechsel. Der Großvater habe auch immer gepredigt, alle Bilder sofort mit Datum und Ort zu beschriften. An genau das haben sich Drechsels gehalten.

Denn Fotos, das sind nicht selten geschichtliche Dokumente. Auch wenn das nicht bei jeder Abbildung direkt ins Auge fällt. So bei einigen Kirchenbildern der Drechsels. Dabei verrät der zweite Blick: Es handelt sich nicht nur um einfache Aufnahmen der Leipziger Paulinerkirche. Vielmehr hat das Ehepaar unter spannenden Bedingungen die Kirche kurz vor der Sprengung im Jahr 1968 festgehalten. Die Sprenglöcher in den Gebäudemauern zeugen davon.

„Wir hatten schon immer stets unsere Kameras dabei und als wir die Vorgänge an der Kirche bei einem Besuch in der Innenstadt gesehen haben, wollten wir es einfach festhalten“, erinnert sich der 72-Jährige. Allerdings war das Unterfangen nicht ganz ungefährlich. „Einigen Fotografen wurde der Film von der Polizei abgenommen. Auch wir wurden aufgefordert, den Platz zu verlassen“, erinnert sich seine vier Jahre jüngere Frau. Drechsels folgten dem Aufruf und retteten so die Aufnahme. „Alles andere wäre mir persönlich auch zu heiß gewesen“, sagt Ursula Drechsel. Ein Glücksmoment für die beiden Hobbyfotografen. Denn schon kurz darauf war die Kirche abgezäunt und damit die Sprenglöcher nicht mehr sichtbar.

Noch heute werden Drechsels auf ihre Fotos angesprochen, wird das historische Material in Museen gezeigt oder in Büchern veröffentlicht. Ursula Drechsel hat zuletzt an dem Band „Zeugen des Schreckens“ mitgearbeitet, der in diesen Tagen erscheint. Sie ist es auch, die sich für Ahnenforschung interessiert und zu den Vorfahren ihres Mannes recherchiert hat. „Einer war ein Totengräber auf dem Johannisfriedhof und hat in Aufzeichnungen hinterlassen, unter welchen grausamen Bedingungen zur Zeit der Völkerschlacht Bestattungen vollzogen wurden“, sagt Ursula Drechsel.

Friedhöfe sind ohnehin ein großes Thema und so haben sie und ihr Mann in ihren Bildern auch schon die sonst wenig Beachtung findende sogenannte Friedhofs-Kunst festgehalten. „Die Figuren erzählen viel über die Entstehungszeit, aber auch über die bestatteten Menschen“, erklärt Ursula Drechsel, die diese Art der Kunst „einfach fasziniert“. Es sind vor allem die historischen Grabstätten, die sie immer wieder auf heimische aber auch im Urlaub besuchte Gottesacker ziehen.

Daneben fotografiert Ursula am liebsten Schmetterlinge und Blumen in Makro-Technik, während ihr Mann sich auf Landschaftsaufnahmen konzentriert. Auch Menschen finden sich immer wieder auf ihren Aufnahmen.

„Es ist wunderbar, dass wir unser Hobby mit dem Aufenthalt in der Natur verbinden können“, so Hans Drechsel. Denn am liebsten sind die beiden Rentner draußen und in Bewegung. Hans fährt täglich mit dem Fahrrad nach Bad Dürrenberg, um sich fit zu halten. Am Wochenende begleitet ihn seine Frau auf ausgedehnten Touren mit dem Drahtesel. Und manchmal sind auch einige Markranstädter Bürger dabei, wenn Drechsel eine Radtour durch die Region führt. „Und im Winter laufen meine Frau und ich regelmäßig gemeinsam um den Kulkwitzer See.“

Dieser hat im winterlichen Gewand Hans Drechsel eine seiner Auszeichnungen und Preise eingebracht. So konnte er das Foto beim Städte- und Gemeindetag in Dresden ausstellen, hat aber auch schon andere Wettbewerbe für sich entscheiden können.

Wer sich für die Fotografien des umtriebigen Ehepaares interessiert, hat derzeit Gelegenheit dazu. Im Komm-Haus in Leipzig-Grünau, Selliner Straße 17, stellen sie derzeit eine ganze Reihe der in den vergangenen Jahren entstandenen Bilder aus. Bis Ende Juni sind sie noch Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Kerstin Leppich

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