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Stadtgeschichte kommt jetzt unter die elektronische Lupe

Stadtgeschichte kommt jetzt unter die elektronische Lupe

Kleine Geste, große Wirkung: Markranstädts Stadtgeschichtsforscher freuen sich über eine neue elektronische Lupe, die ihnen das Rathaus jetzt beschafft hat. Die alten Handschriften, in denen sie zumeist suchten, seien schon für normale Augen schwer lesbar, erklärt Hanna Kämmer den Hintergrund der Anschaffung.

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Dokumente elektronisch unter die Lupe nehmen: Dieter Rackwitz zeigt, wie sehr das Lesegerät beim Entziffern der Handschriften helfen kann.

Quelle: André Kempner

Markranstädt. g. Das neue Gerät helfe, weil gezielte Bereiche beliebig vergrößert werden könnten.

Dieter Rackwitz zum Beispiel, mit 67 Jahren noch rüstiger Rentner und ein profunder Kenner gerade der Geschichte von Kulkwitz und Umgebung, arbeitet derzeit an der Braunkohlengeschichte der Region. "Vor dem Ersten Weltkrieg gibt es quasi alles nur handschriftlich", erzählt er. Die Schrift ist nicht nur meist schwer leserlich, die Tinte oft auch etwas dünn geworden - ein kleines Kunststück, da noch etwas herauslesen zu wollen. Zumal Rackwitz nicht gerade die besten Augen hat, wie er selber einräumt.

"Nicht nur für Herrn Rackwitz, für alle ist die elektronische Lupe wertvoll", meint Stadtsprecherin Heike Helbig. Es gebe eine Reihe von wichtigen Dokumenten, die nun viel besser gelesen werden könnten. 1400 Euro habe sich die Stadt die Lupe kosten lassen.

Die Stadtgeschichte wird ohnehin in Markranstädt gefördert, besitzt in der Leipziger Straße 17 sogar ein kleines Ladenlokal. Miete und Unterhalt würden von der Stadt finanziert, sagt Helbig. Gearbeitet werde aber ehrenamtlich, so Kämmer.

Sie forscht derzeit in alten Unterlagen zur Geschichte der Orgel in der Quesitzer Kirche, die saniert werden soll. Aus den Büchern des früheren Pfarrers habe sie schon entnommen, dass die nach der Völkerschlacht weitgehend ruinierte Orgel - wie berichtet wurde etwa der Blasebalg entrissen, um mit einem Feuer den abziehenden französischen Truppen den Weg zu weisen - im Jahre 1820 erneuert. 400 Taler und einiges Material habe der Orgelbauer Carl Beyer aus Großzschocher erhalten, hat Kämmer herausgefunden. Inzwischen gebe es Hinweise, dass Beyer, auch Ortsrichter in Zschocher, ein besonderer Orgelbauer gewesen sei. "Aber ich finde noch nichts über ihn", sagt Kämmer und bittet um Unterstützung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.01.2014
Jörg ter Vehn

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