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Steine identisch mit Groitzscher Kapelle

Steine identisch mit Groitzscher Kapelle

Am 28. September findet in der Kreuzkirche Sankt Nikolai Hohenlohe-Kitzen ein Fachkolloquium zu den dortigen Ausgrabungen und ihrer Bedeutung für die Geschichte des ehemaligen Klosters statt.

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Gibt langsam ihre Geheimnisse preis: Grabungsleiter Oliver Spitzner in der Kreuzkirche Sankt Nikolai Hohenlohe-Kitzen.

Quelle: André Kempner

Kitzen. Schon jetzt ist klar, es gibt Neues.

Beteiligt daran ist auch Carsten Iwan. Der Bauingenieur aus Kitzen, der über die Familienforschung zur Geschichte kam, wälzte unzählige Akten, forschte in Urkundenbüchern und kontaktierte Archive, um das Geschichtsbild der Kreuzkirche abzurunden. Er ist Mitglied der Stiftung Kulturdenkmal Kreuzkirche Sankt Nikolai, die Mitte Juni im Gewandhaus mit Vertretern der Leipziger Kulturstiftung zusammentraf und einen Besuch in Kitzen organisierte. Laut Iwan war Kulturstifter Wolfgang Hocquél, früher oberster Denkmalpfleger im Regierungspräsidium Leipzig, sehr überrascht, welch "unbekannter" Schatz unweit von Leipzig steht.

Bei dem Treffen hätten Denkmalpfleger und Archäologen des Freistaats einige vorläufige Ergebnisse der entdeckten Geheimnisse des Kulturdenkmals Kreuzkirche Sankt Nikolai preisgegeben, so Iwan.

So fand die erste Bauphase vermutlich in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts (ab 1150) statt. Darauf wiesen auch die von den Archäologen gefundenen keramischen Scherben hin, erläutert Iwan.

Das Mauerwerk dieses Bauabschnittes bestehe aus verschiedenen Steinarten, von denen einige mit den Steinen identisch sind, die beim Bau der Kreuzkapellen des Wiprecht von Groitzsch um 1100 in Knautnaundorf und Groitzsch verwendet worden sind.

Iwan vermutet jetzt, dass es vor dem imposanten Kirchenbauwerk eine Rundkapelle des Wiprecht von Groitzsch im Schkorlopper-Loh-Wald gegeben haben könnte. Denn im Jahr 1097 sei Wiprecht von Groitzsch vom deutschen Kaiser mit Gütern und einem Wald bei Schkorlopp belehnt worden, erläutert er. "Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Rundkapelle als Baustoff für die große Kirche vollständig verwendet wurde", meint Iwan. Allerdings gebe es keine konkrete Aufzeichnungen zu einer solchen Kapelle, muss er eingestehen. "Aber es ist unwahrscheinlich, dass Wiprecht an seinem Hauptbesitz keine Kirche hatte", schlussfolgert er aus den vielen gelesenen Aufzeichnungen.

Nach dem denkmalpflegerischen Befund habe die zweite Bauphase der Erweiterung zur Kreuzkirche um 1240 stattgefunden und nicht, wie bisher vermutet, bereits Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts, berichtet Iwan weiter von dem Treffen.

"Dies würde aber bedeuten, dass die Kirche erst umgebaut wurde, als die Zisterzienser-Nonnen des Klosters Hohenlohe-Kitzen bereits nach Leipzig umgezogen waren", so seine Meinung. "Vielleicht bedeuten diese Erkenntnisse, dass Gottfried von Hohenlohe, der Stammvater des fränkischen Fürstenhauses, den Umbau veranlasst hat?", fragt er. Einer Urkunde zufolge habe Gottfried von Hohenlohe im Jahre 1243 die Güter des Zisterzienserinnen Klostervogtes Albrecht von Rotenfels im Bistum Merseburg geerbt. "Vielleicht war Hohenlohe-Kitzen der erste Besitz des Hauses von Hohenlohe, der diesen Namen auch erhalten hat?", fragt sich Iwan. Gottfried von Hohenlohe sei auf jeden Fall noch 1250 im Besitz dieser Güter gewesen.

Iwan hofft jetzt darauf, dass die Denkmalpfleger eine alte Inschrift über der Sakristei unter dem harten Zementputz frei legen und dass diese Auskunft über die "von Hohenlohe" geben könnte. Iwan: "Denn eine solche Inschrift wurde, wie die Kirchenbücher von Hohenlohe-Kitzen berichten, von einem Prinzen von Hohenlohe im Jahre 1780 vorgefunden und notiert."

Die Zisterzienser-Nonnen aus Hohenlohe-Kitzen ließen sich auf jeden Fall noch vor 1230 in Leipzig als Kloster St. Georg nieder, am heutigen Bundesverwaltungsgericht auf der jetzigen Fritz-von-Harck-Grünanlage. Etwa zu dem Zeitpunkt, da in Kitzen ihre alte Kirche ausgebaut wurde, erhielten sie in Leipzig von Markgraf von Meißen die Mühle "in Lusitz" geschenkt, vier Jahre später durch eine Stiftung die Bauernwiesen in Connewitz, das Nonnenholz und das Scheibenholz übertragen.

Das Kloster wechselte um 1480 in den Benediktiner-Orden, war später auch im Besitz des Gutes Schleußig. Nach der Reformation verließen die Nonnen ihr Kloster, die Stadt erwarb es und ließ die Gebäude nach 1545 abreißen. Die Steine sollen zum Teil beim Wiederaufbau der Pleißenburg geholfen haben. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2013

Jörg ter Vehn

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