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Markranstädt Streit um Räucherei: Dem einen stinkt’s, den anderen nicht
Region Markranstädt Streit um Räucherei: Dem einen stinkt’s, den anderen nicht
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08:00 27.07.2016
Zu viel Geruch oder zulässige Abgase: Unter anderem um diesen Edelstahl-Schornstein dreht sich der Streit. Quelle: A. Kempner
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Markranstädt

Über Geruch lässt sich lange streiten. In Markranstädt liefern sich Nachbarn und betroffene Bürger einen heftigen Streit mit den Behörden wegen einer Fleischerei in der Leipziger Straße, die auch räuchert.

Gegen den Betrieb und die Angestellten hätten sie nichts, sagen Rainer Kirsche und Georg Guckel unisono. Dass die Leute dort nur ihre Arbeit machen wollten und das möglichst gut, verstehen beide. Ihnen geht es darum, dass das Landratsamt und auch die Stadt erlauben konnten, dass eine einfache frühere Verkaufsstelle jetzt zum produzierenden Gewerbe mit allerlei auch unangenehmen Gerüchen wurde – und das mitten in der guten Stube der Stadt, unmittelbar am Park.

Kirsche machte den Fall jetzt publik. Im Stadtrat verteilte der pensionierte Bauingenieur, der früher mit seinem Betrieb in halb Deutschland Einfamilienhäuser errichtete, Erklärungen zu seinem laufenden Widerspruchsverfahren. Darin geht es für ihn letztlich um eine Enteignung der Nachbarn angesichts der ungeheuren Geruchsbelastung.

Für ihn sei auch unverständlich, dass offenbar in keinem öffentlichen Gremium der Stadt die gewählten Vertreter über das Verfahren informiert und daran beteiligt wurden. Dabei gebe es für eine deratige Einrichtung keine Berechtigung wie etwa Bestandsschutz. „Über 60 Jahre lang hat an dem Standort keine Räucherei existiert“, sagt Kirsche. Das würden alte Nachbarn bezeugen. Im Gegenteil hätten alle aufgeatmet, als die alte PGH am Markt, in der zu DDR-Zeiten im großen Stil geräuchert wurde, dann irgendwann ihre Schornsteine schloss. Heute steht dort ein modernes Ärztehaus.

Seit 2013 läuft der Streit an der Leipziger Straße. Nachbar Guckel beteuert, wegen der intensiven Räucher-Gerüche seitdem seinen Garten nicht mehr nutzen zu können. Und das unmittelbar nebenan liegende Wohnhaus sei schon gar nicht mehr vermietbar, sagt er. Tatsächlich erlaubte die Behörde unlängst einen Abluftschornstein, der in Höhe der Fenster des ausgebauten Dachgeschosses nebenan endet. Bei den landesüblichen Westwinden treiben die Abgase direkt in die Wohnungen oder ein paar Meter weiter direkt darunter in Guckels Garten.

Dem stinkt’s. Akribisch notierte der Rentner die Abgaszeiten, sandte sie in Beschwerden ans Landratsamt. Das errechnete daraus eine Betriebszeit von 1700 Stunden jährlich für die Räucherei (624 waren erlaubt) und eine dementsprechende Belästigung nach der Geruchsimmissionrichtlinie („Girl“) von 13,8 Prozent. Zehn Prozent wären in dem Mischgebiet zulässig. Ende Juni trafen sich nun Behörden und Betrieb, um eine Lösung zu finden. Das für die Anwohner überraschende Ergebnis: Die Baugenehmigung soll erweitert werden.

Hintergrund ist die Ermittlung des Geruches. Durch eine Änderung der Nutzung des Räucherofens auch zum Backen sollen laut Landratsamt andere Werte zustande kommen, als bislang angenommen wurden. „Maximal 4,2 Prozent Geruchsstunden" seien jährlich zu erwarten, so der Kreis. Das wäre laut Gesetz zulässig und damit zumutbar. Der Kreis sei in seiner Entscheidung daran gebunden, erklärt Sprecherin Brigitte Laux.

Die Stadt erklärt, die Flächen seien als Mischgebiet definiert, Gewerbe sei grundsätzlich möglich. Ziel sei es, die Innenstadt durch attraktive Fachgeschäfte entlang der Leipziger Straße zu beleben. Das Fleischereifachgeschäft mit regionalen Produkten sei ein gut angenommenes Angebot im Neuen Zentrum Markranstädt, die Wirtschaftsförderung habe das Unternehmen begleitet. „Dabei ist es wichtig, die Interessen der unterschiedlichen Gruppen abzuwägen und einen Weg zu finden, der ein gutes Miteinander ermöglicht“, so die Stadt. Die Regelungen dafür lege das Landratsamt in der Baugenehmigung fest.

Von Jörg ter Vehn

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