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Markranstädt Streit um neue Gewässer
Region Markranstädt Streit um neue Gewässer
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17:00 19.05.2015

Kreis und Landesdirektion wollen davon aber nichts wissen, sondern die Zuständigkeit Markranstädt anlasten. Heikel könnte es jetzt werden, weil wegen der Seen das Abwasserkonzept geändert werden muss.

35000 Quadratmeter Wasserfläche umfasst nach Angaben der Stadt das kleinere der beiden Gewässer hinter dem Friedhof in Gärnitz. Mit 146000 Quadratmetern ist das größere hinter Seebenisch aber schon kein Teich mehr, sondern ein ausgewachsener See. Er erstreckt sich von der Ernst-Thälmann-Straße über Wiesen und Felder bis zum alten Pumpwerk.

Die Kommunalen Wasserwerke hatten die dortigen Pumpen, die nachweislich Jahrzehnte liefen, im Dezember 2010 nach einer Havarie abgestellt. "Seitdem hat sich dort die Vernässungsfläche eingestellt", sagt Bauamtsleiterin Uta Richter. Einige Grundstücke in Seebenisch und auch der 2007 sanierte Sportplatz hätten schon Feuchteschäden, vier Datschen der Kleingartenanlage aufgegeben werden müssen.

In den Sechzigerjahren waren die Senken nahe Kulkwitz nach dem in der Region ansässigen Braunkohle-Bergbau entstanden. "Die Stollen wurden teilweise verfüllt, teils aber auch gesprengt", gibt Richter alte Berichte wieder. Stadtsprecherin Heike Helbig kann auch mit Fotos aus der damaligen Zeit die Arbeiten belegen. Dennoch senkte sich der Bereich - wie es übrigens auch in vielen Bergbauregionen im Westen Deutschlands geschah.

Dabei wurde auch ein Bach tiefer gelegt, der für die Entwässerung von Seebenisch noch heute von Bedeutung und Teil des offiziellen Abwasserbeseitigungskonzepts ist - nur dass die Seebenischer das gereinigte Abwasser ihrer biologischen Kleinkläranlagen nicht mehr einem Bach anvertrauen, der das Wasser wegträgt, sondern einem Rohrsystem, das im See nebenan endet.

Schon deshalb sieht Markranstädt Handlungsbedarf. "Es ist zudem ungeklärt, welchen Einfluss der Grundwasseranstieg in der Region durch die Fertigstellung der Seen auf diese Vernässungsflächen hat", mahnt Richter. Die Stadt habe inzwischen ein Ingenieurbüro beauftragt, das die Flächen untersucht, die Wasserstände misst, aber auch nach alten so genannten Bürgermeistergräben sucht, über die vielleicht ein Teil des Wassers noch abfließen könnte.

Bei Kreis und Landesdirektion stößt Markranstädt derweil auf wenig Hilfe. "Wir sind der Meinung, dass die Senken infolge natürlicher unterirdischer Bewegungen entstanden sind", so Landesdirektionssprecher Stefan Barton. Den Einwand der Bergbau-Tätigkeiten über Jahrzehnte lässt er nicht gelten: Das zuständige Oberbergamt Freiberg sei in die Überlegungen einbezogen worden, habe eine Zuständigkeit verneint, so Barton. Für die auf natürliche Weise entstandenen Seen sei laut Sächsischem Wassergesetz die Anliegergemeinde, also Markranstädt, verantwortlich, trage die Unterhaltslast. Zum Thema Entwässerung: Bis Ende Juni sollten die KWL ein Konzept vorlegen, dass keine Einleitung von Abwässern in die Fläche mehr vorsieht.

KWL-Sprecherin Katja Gläß bestätigte das. Auf die geänderte Bedingungen müsse reagiert werden. Ziel müsse sein, Einleitungen zu unterbinden, die ein Umkippen der Gewässer beschleunigen und zu Beeinträchtigungen der Anwohner führen könnten. Wie das geht, wann es umgesetzt werden kann, welche Kosten entstehen - das soll bis Ende Juni geklärt sein. Der Zweckverband ZVWALL werde als Hoheitsträger die Betroffenen anschreiben und über das Vorgehen informieren, so Gläß.

Kompliziert könnte es in Seebenisch aber werden, weil in dem Dorf wie in allen südlichen Markranstädter Ortsteilen, die Grundstückbesitzer aufgefordert worden waren, ihre Abwässer bis spätestens 2010 über eine eigene, vollbiologische Kleinkläranlage zu reinigen, das Überschusswasser gemäß KWL-Konzept zu entsorgen. Die meisten investierten Tausende von Euros in ihre Anlagen. Deren Bestandsschutz sei ein Aspekt des neuen Konzeptes, versicherte KWL-Sprecherin Gläß. Details zu möglichen neuen Kosten für die Seebenischer nannte sie nicht.

Markranstädt wehrt sich derweil mit Händen und Füßen, die Verantwortung für die neuen, ungeliebten Wasserflächen übertragen bekommen zu haben. Gegen sämtliche Schriftstücke ging die Stadt vorsorglich in Widerspruch.Rechtlich wirksam war das jedoch nicht, weil keines der Schriftstücke einem amtlichen Bescheid gleich kam. Den brauche es auch nicht, so Barton. Laut Wassergesetz sei Markranstädt eben zuständig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2013

Jörg ter Vehn

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