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Sven Pleße wird neuer Bauamtsleiter – und hat gleich einen Schlangenfall

Stadtrat Sven Pleße wird neuer Bauamtsleiter – und hat gleich einen Schlangenfall

Diese Personalie hat es in sich: Sven Pleße (53), im vorigen August wegen angeblicher Betrügereien geschasster Bauamtsmitarbeiter aus Markkleeberg, wird neuer Bauamtleiter in Markranstädt. Einstimmig wurde er jetzt vom Stadtrat gewählt. Dort bekommt er es gleich mit Ringelnattern an der Kitabaustelle „Am Stadtbad“ zu tun.

Naturnahes Konzept: Die künftige Kita entsteht gegenüber vom Stadtbad am Rand des Stadtparkes, wo jüngst eine Ringelnatter gesichtet wurde. Am 20. Juni soll Richtfest gefeiert werden.

Quelle: Jörg ter Vehn

Markranstädt/Markkleeberg. Diese Personalie hat es in sich: Sven Pleße (53), im vorigen August wegen angeblicher Betrügereien geschasster Bauamtsmitarbeiter aus Markkleeberg, wird neuer Bauamtleiter in Markranstädt. Einstimmig wurde er jetzt vom Stadtrat gewählt. Dort bekommt er es gleich mit Ringelnattern an der Kitabaustelle „Am Stadtbad“ zu tun.

Die Reaktion aus dem Rathaus Markkleeberg war am Dienstag knapp, umfasste genau vier Sätze: „Wir haben uns von dem Mitarbeiter getrennt. Für uns ist der Fall damit abgeschlossen. Bei der Staatsanwaltschaft läuft noch ein Verfahren. Über Schuld oder Unschuld urteilen die Gerichte“, ließ OBM Karsten Schütze (SPD) mitteilen.

Amtsbruder Jens Spiske (FWM) und der gesamte Stadtrat von Markranstädt sehen den Fall Pleße offenbar anders. Der habe bei seiner Vorstellung gleich offen zu dem Fall Stellung bezogen, erklärte Spiske am Montag. Danach sei es bei der angeblichen Urkundenfälschung lediglich darum gegangen, einen Fehler beim Übertragen eines Flurstücks ins digitale Raster zu beheben, erklärte Spiske die Worte von Pleße. Nach dessen Aussagen war das Flurstück vorher mit Baurecht gekennzeichnet gewesen, in der digitalen Karte aber nicht mehr. Den Fehler habe Pleße beheben wollen, „letztlich auch um Schaden von der Stadt abzuwehren“, glaubt Spiske den Worten des Mannes, der in Markkleeberg nach dem „Skandal“ per Aufhebungsvertrag gehen musste. Der Fehler habe wohl vor allem darin bestanden, dass Pleße den Bürgermeister nicht rechtzeitig über das Eingreifen informiert habe, mutmaßt Spiske.

Er habe über seine Kontakte Erkundigungen über den Mann eingezogen, die anderen Fraktionen über ihre Kollegen jeweils auch, so Spiske. Auch der Personalrat habe Pleße für den besten Kandidaten gehalten. Und bei den strafrechtlichen Ermittlungen sehe es im Moment auch so aus, als ob die Vorwürfe fallen gelassen würden, glaubt Spiske nach seinen Recherchen. So oder so: Eine sechsmonatige Probezeit gilt zudem.

Anfangen soll Pleße so schnell als möglich, nach Spiskes Worten ist Mitte des Monats avisiert. Im Amt darf sich der Neue dann gleich um Schlangen bemühen. So hat ein Heimatvereinsmitglied vor einigen Wochen eine Ringelnatter nahe der Kita-Baustelle „Am Stadtbad“ gesehen. Die Schlange ist in der Region durchaus verbreitet, steht aber unter Schutz.

Heimatvereinschef Rainer Schröder wollte danach von Spiske wissen, wie während des Baus auf die Tiere geachtet wird, welche Auflagen erteilt wurden und wie der Schutz von Kindern und Tieren künftig beim Betrieb der Kita aussehen soll.

Spiske antwortete, ihm lägen keine Hinweise auf ein Ringelnattervorkommen vor. Vor dem Bau sei ein umfangreiches Artenschutzgutachten erstellt worden. Auch darin finde sich kein Hinweis auf schützenswerte Flora und Fauna. Im Übrigen verfolge die Kita ein naturnahes Konzept. „Der Schutz der Kinder und auch der Tiere ergibt sich durch bauliche Absicherung, Sensibilisierung des Kindergartenpersonals und der natürlichen Scheu der Tiere an sich“, schrieb Spiske.

Schröder will sich damit nicht zufrieden geben, glaubt, dass beim Gutachten nicht genau genug hingeschaut wurde. So gebe es gleich hinter dem Baufeld in dem Gebiet des früheren alten Teiches zwei Sumpfzypressen, die ebenso nicht erwähnt wurden. Das sumpfige Gelände des früheren Teiches sei ideales Brutgebiet der Schlangen. Hier seien sie ungestört gewesen – bis zum Baustart der Kita.

Er habe jetzt die Untere Naturschutzbehörde des Kreises in Grimma um Hilfe angerufen, so Schröder. Zwar sei ihm bislang nur der Fund einer Schlange bekannt, „aber ich kann nicht ausschließen, dass dort nicht noch mehr sind.“ Er hoffe, dass sich nun ein Experte umsieht.

Schröder und sein Heimatverein haben sich intensiv mit dem ehemaligen König-Albert-Park beschäftigt, an dessen Rand jetzt die Stadtbad-Kita entsteht. In einer Ausstellung im Bürgerrathaus präsentiert der Verein ab Donnerstag seine Ergebnisse, unter anderem großformatige alte Postkarten. Vernissage ist um 17 Uhr.

Von Jörg ter Vehn

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