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Tante Emma kommt nicht zurück

Tante Emma kommt nicht zurück

Es grummelt in Räpitz, so beschrieb es Einwohner Siegward Vitz. Seit einem Jahr gibt es keinen Dorfladen mehr in dem Markranstädter Ortsteil. Die Mehrheit der Bürger aber würde sich wohl eine Einkaufsgelegenheit vor Ort wünschen.

Markranstädt. In dieser Woche keimte Hoffnung auf, als Berater Wolfgang Gröll über Möglichkeiten und Bedingungen für eine Gründung informierte. Doch am Ende erstarb jeder Hoffnungsfunken. Niemand aus der 40-köpfigen Runde war bereit, sich zu engagieren.

Dabei hatte der Abend in der Gaststätte „Zum grünen Baum“ vielversprechend begonnen. Wolfgang Gröll, auf Dorfläden spezialisierter Unternehmensberater, stellte verschiedene Konzepte für Geschäfte vor, deren Gründung er bereits begleitet hatte, und informierte über Hintergründe und Erfolgsfaktoren.

„Was niemals funktioniert, ist, das Konzept eines Dorfladens einfach auf einen anderen zu übertragen. Dafür unterscheiden sich die Bedürfnisse und regionalen Eigenheiten schon von einer Ortschaft zur nächstgelegenen zu sehr“, erklärte Gröll. Am Ende entstünden daher meist Mischkonzepte. Was sie miteinander gemein haben, sind die Vorteile von Dorfläden: ein großes Angebot an frischen und regionalen Produkten, ein Sortiment, das sich am Bedarf orientiert und ein kundennaher Service á la Tante Emma. Der größte Unsicherheitsfaktor sei deshalb das Personal, so Gröll. Am erfolgreichsten würden Dorfläden von fachfremden Seiteneinsteigern, wie Fluglotsen oder Physiotherapeuten, geleitet.

Auch die Frage, ob Dorfläden mit Discountern konkurrieren können, klärte der Berater. Entgegen einem verbreiteten Vorurteil, hätten diese bei Proben von Kunden und unabhängigen Testern nicht schlechter abgeschnitten. Nur 0,85 Prozent der Waren seien bei einem Testkauf bei Aldi günstiger gewesen – aber dafür mussten zehn Kilometer Anfahrt in Kauf genommen werden. Deshalb sei auch das Marketing nicht zu unterschätzen. Eine Möglichkeit: Preisaktionen, um die Wahrnehmung zu beeinflussen.

Potenzielle Kunden jedenfalls gäbe es in Zeiten des demografischen Wandels und einer wachsenden Zahl von Senioren genügend, wobei auch Familien mit Kindern zum Kundenstamm zählten. Ziel sei es ohnehin nicht, große, entfernte Supermärkte zu ersetzen, sondern eine ortsnahe und spezifische Alternative zu schaffen.

Viele Argumente sprechen für einen Dorfladen in Räpitz – ein vorhandenes Objekt mit der Stadt als Vermieter, eine Arztpraxis direkt nebenan. Am Ende des Abends sah es dennoch nicht danach aus, als würde Grölls Motto, mit dem er angetreten war – „Tante Emma is back“, Tante Emma ist zurück, sich bewahrheiten. Denn, so machte der Berater auch deutlich: Ohne bürgerschaftliches Engagement funktioniere kein Konzept. Das am leichtesten durchzuführende Modell sieht eine Beteiligung der Bürger in praktischer wie geringer finanzieller Hinsicht vor.

Niemand wolle sich wohl die Zeit ans Bein binden; Engagement ja, aber nicht in Räpitz, ließen einige Zuhörer, deren Reihen sich rapide lichteten, wissen. „Die Dynamik der Menschen und Projekte, die sie vorgestellt und rübergebracht haben, die fehlt hier einfach“, stellte eine Bürgerin ihre Sicht dar. Und so wird es wohl erst mal weiterhin keinen Dorfladen in Räpitz geben.

Kerstin Leppich

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