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(Über)Leben in freier Wildbahn

(Über)Leben in freier Wildbahn

Es gibt keinen Strom, keinen Herd, keine Betten - schlichtweg nichts, was auch nur annähernd mit Luxus zu tun hätte. Doch gerade deshalb ist das Back-to-nature-Camp im Markranstädter Outback ausgebucht.

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20 Kinder verbringen ihre Ferien nicht im Luxushotel, sondern mitten im Wald. Technik - wie Handys und Computer - ist tabu.

Quelle: André Kempner

Markranstädt. Etwa 100 Kinder haben jetzt eine Woche ihrer Ferien in der Wildnis verbracht.

Gestern kamen die letzten 20 Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren an. Was für einige nichts Besonderes ist, war für andere ein richtiger Kulturschock. Denn hier gilt - zurück zur Natur.

Moderne Technik muss draußen bleiben: Handys sind tabu, Mikrowellen-Essen ist verboten, Geschirrspüler nicht vorhanden. Mit anderen Worten: Wer hierher kommt, muss selbst mit anpacken. Und genau das macht das Markranstädter Camp, das erstmals im vergangenen Jahr probehalber angeboten wurde, so beliebt. "Die Tage heben sich natürlich von allen anderen Ferienlagern ab, die angeboten werden", begründet Sascha Recknagel vom Reiseveranstalter "Just for you". Das Camp sei eine Mischung aus Arbeit, Vergnügen und einer Menge Abenteuerlust.

Mit Arbeit ging es auch gestern Morgen gleich los: Das Wasser musste geholt, die Zelte im Wald aufgestellt werden. Zum Mittag gab es selbst gekochte Nudeln mit Tomatensauce. Ab heute dann sind die zeitweisen Waldbewohner für die Nahrungssuche selbst zuständig. In ortsansässigen Gärtnereien wird geerntet, was hinterher über offenem Feuer zubereitet wird.

"Das, was nicht angebaut werden kann, kaufen wir vorab ein", erzählt Recknagel, der das Camp zusammen mit dem Verein Richtungswechsel anbietet. Allerdings finde sich in jeder Gruppe immer jemand, der angeln könne. In dieser Woche ist es Kimi, der sich aus Ast und Angelsehne eine eigene Angel gebaut hat. Auch für den Köder hat er zusammen mit seinen Freunden Florian und Anton gesorgt: Eine Schnecke muss herhalten. Die drei vermissen den Alltag gar nicht. "Das ist doch hier draußen viel spannender, da können wir die ganze Zeit im Wald sein und Abenteuer erleben", sagt der neunjährige Kimi. Da gehöre selbst der Regen dazu, der gestern ordentlich auf die Zelte pladderte, ergänzt Anton.

Die Liste der Unternehmungen in Wald und Flur ist lang. Sie reicht von Lagerfeuer über Ballspiele, Sumo-Ringen und Klettern in den Bäumen bis hin zum Floßbau. Für einige Stadtkinder ist es gar ein echtes Abenteuer, unter freiem Himmel in Hängematten zu schlafen oder die Tiere auf dem Gelände zu versorgen. Ziegen, Kaninchen und Meerschweinchen müssen schließlich auch gefüttert werden. "Was die Kinder bisher nicht konnten, lernen sie hier", macht Betreuer Tom Flack deutlich, "ob das das Schälen und Schneiden von Kartoffeln oder der Bau eines Floßes ist: Wer hier war, hat handwerkliches Geschick gelernt", ist er sich sicher.

Gerade einmal drei Mädchen sind in dieser Woche dabei. Sie stört es nicht, dass sie die komfortable Dusche gegen den Kulkwitzer See eintauschen müssen. "Das wollten wir ja, das erleben andere nicht", sagt Alessandra. Für sie ist klar, warum nur wenige Mädchen hierher kommen: "Die sind so eitel und können ohne Handy und Computer nicht mehr auskommen." Dabei habe das Leben fernab der Zivilisation durchaus seinen Reiz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2013

Julia Tonne

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