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Umwelttechnik auf Expansionskurs

Umwelttechnik auf Expansionskurs

Es begann mit 18 Mitarbeitern und einem Kaufpreis von 300  000 Deutschen Mark. Heute steht die Dr. Födisch AG in Markranstädt in Deutschland im Bereich der Umweltmesstechnik an dritter Stelle gleich hinter Siemens.

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Unternehmensgründer Holger Födisch (rechts) begutachtet, was Jens Reiche in der Produktion herstellt

Quelle: André Kempner

Markranstädt. Morgen feiert der Unternehmensgründer mit Belegschaft, Geschäftspartnern und Kunden den 20. Geburtstag des Unternehmens.

„Wir waren die hässlichste Firma Deutschlands. Die Leute haben sich damals regelrecht geekelt, reinzukommen“, erzählt Holger Födisch, wie es vor 20 Jahren an der Zwenkauer Straße aussah, und deutet auf ein Bild, das das alte Gebäude zeigt. Födischs Büro ist groß und hell, ein riesiges Aquarium und ein Model eines Leipziger Herrenhauses – „mein Lieblingsprojekt“ zieren es. Der Blick fällt durch die riesigen Fenster hinaus auf einen im Entstehen befindlichen Neubau. Auch der gehört zur Dr. Födisch AG. Hier sollen Büros, Werkstätten, ein Wintergarten und eine Kantine Platz finden. Auf dem Dach erinnern simulierte Schornsteine an das Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens. Lichtdurchlässige Photovoltaikmodule werden gleichzeitig Strom generieren und für eine helle Atmosphäre sorgen.

Hässlich ist es hier an der Zwenkauer Straße heute nicht mehr. Und auch sonst hat sich einiges geändert. Aus dem Versuchsstand für Entstaubungstechnik, der Teil einer großen Genossenschaft war, ist ein weltweit operierendes Unternehmen mit 250 Mitarbeitern geworden.

Dabei hat die Firma in den Anfangsjahren schwere Zeiten erlebt. Der promovierte Verfahrenstechniker hatte zu DDR-Zeiten in dem Markranstädter Betriebsteil „Entstaubungstechnik“ einer großen Genossenschaft als Abteilungsleiter gearbeitet, als er sich nach der Wende zum Kauf des „Schrotthaufens“, wie Födisch es unverblümt nennt, entschloss. Um das Darlehen zu erhalten, musste er einen Bausparvorauskredit beantragen. Statt zu bauen, hat er das Geld in die Firma gesteckt. „Zwei Jahre später hätte ich von der Treuhand noch eine Mitgift dafür bekommen, doch damals dachten sie noch, alles wäre wertvoll. Da hatte ich aus heutiger Sicht unmögliche Bedingungen, wie Personal- und Investitionsgarantien“, erinnert er sich.

Damals hat Födisch die Firma mit Tätigkeiten als Dozent über Wasser gehalten. „Wir haben mit Dienstleistungen wie Abnahmemessungen in Kraftwerken angefangen. Als die Aufträge ausblieben, haben wir vermehrt darauf gesetzt, eigene Geräte zu entwickeln“, erzählt Födisch. Ab 1993 ging es bergauf, der nächste große Sprung kam 2002, als die Entwicklung sich in Verkaufszahlen niederschlug. 2006 stockte Födisch die Belegschaft deutlich auf.

Drei große Standbeine hat das Unternehmen mit den in ganz Deutschland verteilten Tochterfirmen: In Markranstädt werden Staubmessgeräte für hochmoderne Industrieanlagen, aber auch Gasanalysatoren für Tiefgaragen entwickelt. „Wir forschen nicht im weißen Kittel“, sagt Födisch. Denn neben den mindestens fünf Leuten im Bereich Forschung, sind auch die Service-Mitarbeiter an der Entwicklung beteiligt. „Die Firma besitzt einen Staubkanal, etwas was es nur an ein oder zwei Standorten in Deutschland gibt“, erzählt Födisch stolz. Service und die Betreuung ganzer Systeme machen das zweite Standbein aus. Das Dritte ist die Produktion.

Viel Arbeit, Fleiß und Geschick seien seine Erfolgsgeheimnisse, sagt Födisch. „Im selbst gestrickten Pulli werden sie mich nie sehen“, beschreibt Födisch sich selbst. Kein Öko-Freak sei er, sondern pragmatisch. „Wir entwickeln nur, was am Markt eine Chance hat.“

Der Unternehmensgründer, der sich mittlerweile gern von einem Aufsichtsrat kontrollieren lässt, ist stolz auf das gute Klima in der Firma und verweist auf einen mit 1,5 Prozent deutlich unter dem deutschen Durchschnitt liegenden Krankenstand und eine extrem niedrige Fluktuation. Das Unternehmen und der Boss tun einiges dafür: eine Sporthalle im Firmengebäude, in den Arbeitsalltag integrierte Rückenschulungen, viel Freiheit und Eigenverantwortung für die Mitarbeiter und eine flexible Stellenbesetzung. „Nicht jeder passt auf jede Stelle. Wer nicht sofort entsprechende Leistungen bringt, wird nicht rausgeschmissen, sondern eine passende Tätigkeit gesucht“, sagt Födisch.

Das Konzept scheint aufzugehen. Und die Zeichen stehen auf Wachstumskurs. 2012 will Födisch mit der Unternehmensgruppe 30 Millionen Umsatz machen, in zehn Jahren sollen es 50 Millionen sein. Vor allem den Export möchte Födisch noch steigern. Schon jetzt exportiert das Unternehmen Geräte, aber auch ganze Systeme in die Welt. In Japan, Südafrika und dem europäischen Ausland sitzen die Kunden. Im wichtigen Wachstumsmarkt China hat die AG eigene Mitarbeiter. Und die werden für die 20-Jahr-Feier im Bayerischen Bahnhof eingeflogen. „Das ist doch selbstverständlich!“, findet Födisch.

Kerstin Leppich

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