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Uni-Professor hält Protonentherapie in Markranstädt für „nicht realistisch“

Falsche Kalkulation oder „Neid“? Uni-Professor hält Protonentherapie in Markranstädt für „nicht realistisch“

Als „nicht realistisch“ , „überdimensioniert“ und „medizinisch bedenklich“ kritisiert der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Uni Dresden, Prof. Michael Baumann, die Pläne für ein privates Protonentherapiezentrum in Markranstädt. Projektentwickler Karl-Heinz Schenk erwidert, der Professor sei wohl von Neid getrieben.

Unrealistisch oder purer „Neid“: Um den Sinn eines geplanten Protonentherapiezentrums in Markranstädt, hier ein Behandlungsplatz, sind sich Uniforscher und Projektentwickler uneinig.

Quelle: Schenk Consulting

Markranstädt. Als „nicht realistisch“ , „überdimensioniert“ und auch „medizinisch bedenklich“ kritisiert der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Uni Dresden, Prof. Michael Baumann, die Pläne für ein privates Protonentherapiezentrum in Markranstädt (die LVZ berichtete). Projektentwickler Karl-Heinz Schenk erwidert, der Professor sei wohl von Neid getrieben.

In einem Brief an die LVZ betont Baumann die Vorteile der Protonentherapie und die viel versprechenden Möglichkeiten der Anwendung, weil gesundes Gewebe im Vergleich mit der klassischen Strahlentherapie besser geschont werde. Derzeit sei die Therapieform aber nur bei etwa einem Prozent der Krebspatienten mit seltenen Tumoren als Standardtherapie zu betrachten. Für weitere Patienten sei noch viel Forschung nötig und dafür eine enge Anbindung an große universitäre Krebszentren.

Auch die angestrebte Zahl von rund 2000 Patienten in Markranstädt jährlich sei angesichts der bestehenden Zentren nicht nur nicht haltbar, sie sei auch medizinisch bedenklich. „Derzeit können die bestehenden Zentren in Deutschland alle Patienten, die nach aktuellen Leitlinien eine Protonentherapie benötigen, problemlos behandeln und haben zusätzliche Kapazitäten, um notwendige Studien durchzuführen“, meint der Professor.

Projektmanager Schenk hält die Aussagen von Baumann für eine Beleidigung gegenüber amerikanischen Medizinern. Dort werde bei der Krebsbehandlung immer mehr auf die Protonentherapie gesetzt, nicht ohne Grund würden dort gerade zehn neue Anlagen entstehen. Tatsächlich bescheinigt auch die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (Degro), der übrigens auch Baumann angehört, in einer Stellungnahme der Therapieform deutliche Vorteile gegenüber der herkömmlichen Bestrahlungsform. Nachteil nur: Sie sei zu aufwändig und damit teuer. Und vieles sei noch nicht hinreichend erforscht.

Langfristig würden etwa zehn Prozent aller Krebspatienten von der Protonentherapie profitieren, meint zum Beispiel die Uniklinik Heidelberg, an der es ein Therapiezentrum gibt. Die dortigen Experten empfehlen wie auch die Degro eine Reihe von weiteren klinischen Studien zum Einsatz der Protonentherapie bei weiteren Krebsformen.

Technisch gesehen können mit der Hochenergiestrahlung besser als bislang Tumore behandelt werden, die tief im Körper liegen oder von strahlungsempfindlichen gesundem Gewebe umschlossen werden. Bei Kindern, Tumoren an der Schädelbasis, am Auge und in der Leber, aber auch etwa an der Prostata wird an einigen Zentren bereits damit bestrahlt. Aktuell geforscht wird zum Beispiel aber auch an der Behandlung von Brustkrebs. Prinzipiell ginge eine Bestrahlung heute schon, heißt es. Für den Therapieerfolg müsse aber über einen längeren Zeitraum die Lagerungspräzision des zu bestrahlenden Gewebes verbessert werden.

Baumann setzt auf die universitäre Forschung, hält daher einen internationalen Protonentherapie-Standort Markranstädt für „nicht verwirklichbar“. Schenk als Vertreter der Investoren setzt hingegen auf weltweit in der Forschung verfügbares Wissen und die Zeit. Vier Jahre veranschlagt er für den Bau der Einrichtung. Jahre, in denen auch die Krebsforschung weitergeht.

Von Jörg ter Vehn

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