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Urnen geben Zeugnis über menschliche Siedlung

Urnen geben Zeugnis über menschliche Siedlung

Die Erde in Thronitz ist fruchtbar. Sie zieht seit Jahrtausenden Menschen an, die sich dort niederlassen und siedeln. Zeugnisse dessen werden derzeit bei Ausgrabungen auf dem Feld nahe der geplanten Biogasanlage in dem Markranstädter Ortsteil immer wieder aus den tieferen Erdschichten geholt.

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Ein Tongefäß aus der frühen Eisenzeit gehört ebenfalls zu den Fundstücken auf dem Baufeld in Thronitz.

Quelle: André Kempner

Markranstädt. Scherben sind die häufigsten Zeugnisse menschlicher Existenz. Von ihnen finden Grabungsleiterin Petra Schug und ihr achtköpfiges Team aus Grabungstechnikern, -zeichnern und Fotografen am meisten. „An den Scherben lässt sich das Material, die Verarbeitung und damit auch die Zeit ablesen. Vor allem die Verzierungen machen eine genaue Datierung möglich“, erklärt sie. Die Fundstücke auf dem Feld stammen aus dem fünften bis siebten Jahrhundert vor Christus, aus der späten Eisenzeit also.

Bereits im vergangenen Herbst war ein erstes Baufeld archäologisch untersucht worden. Rund 100 Fundstücke wurden dort verzeichnet. Das interessanteste: eine Doppelbestattung. „Es handelt sich dabei um eine Mutter mit ihrem etwa zwei Jahre alten Kind“, berichtet Schug von dem Fund der Skelette, die jetzt im Landesamt für Archäologie in Dresden aufbewahrt werden. Sie zeugen von einer Besiedelung bereits in der frühen Steinzeit.

Die aktuellen und deutlich jüngeren Fundstücke sind kleiner, aber nicht weniger interessant. Vorsichtig hält Schug eine Scherbe hoch. Sie ist bröselig, Schug muss aufpassen, dass sie ihr nicht in der Hand zerfällt. „Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Teil einer Urne“, sagt sie. Hinweise darauf liefern auch Holzkohlenreste und verbrannte Knochen, die sie im direkten Umfeld gefunden hat.

„Es ist interessant diesen Gegensatz zu sehen. Denn in der Steinzeit kannte man noch keine Feuerbestattungen. Ab der Bronzezeit aber wurden die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt, die Urnen dann in der Erde vergraben“, erzählt Schug, die schon gut 90 ähnliche Befunde in den letzten Wochen ausgemacht hat.

Ist der Mutterboden erst einmal mit dem Bagger abgetragen, ist es für die Fachleute nicht mehr schwierig, interessante Stellen auszumachen. Dunklere Erde signalisiert ihnen von Menschenhand geschaffene Verfüllungen. Dort setzen sie an, graben den Boden auf.

50 Meter von der Fundstelle der Urne entfernt, zeugt ein rund 1,4 Meter kreisrunder dunkler Fleck in der Erde von menschlichen Spuren. Die Archäologen haben ihn in der Mitte aufgeschnitten, graben sich Zentimeter um Zentimeter in die Tiefe bis das Grundwasser durch die Erde dringt. Aufgrund der Größe vermutet Schug, dass hier ein Brunnen die siedelnden Menschen mit Wasser versorgt hat. „Das ist naheliegend, denn in dem Boden ist es sehr schwierig zu graben. Solche Anstrengungen wird man nicht ohne eine entsprechende Motivation unternommen haben. Und ein natürlicher Flusslauf fehlt in der Nähe“, sagt Schug. Die Menschen werden auf den Brunnen angewiesen gewesen sein, vermutet sie. In dem Grabungsfeld hat Schug noch einen zweiten mutmaßlichen Brunnen gefunden.

Doch wieviele Menschen hier einmal gelebt haben, mag sie nicht schätzen. „Wir graben nur da, wo gebaut werden soll. Das heißt, wir untersuchen nur einen Ausschnitt, der nicht repräsentativ ist.“ Daher könnten sie nicht feststellen, wie groß das Siedlungsgebiet war. „Wahrscheinlich ist die Ebene hier ein siedlungsgünstiges Land, das wohl zu allen Zeiten Menschen angezogen hat“, sagt Schug. Sie glaubt aber nicht, dass die Befunde auf dem aktuellen und dem früheren Baufeld trotz ihrer örtlichen Nähe von Menschen stammen, die in direkter Kontinuität zueinander stehen. Dafür sei der zeitliche Abstand dann doch zu groß.

Kerstin Leppich

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