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Von Kalifornien nach Frankenheim

Von Kalifornien nach Frankenheim

„Zettel raus, Mathearbeit!“ Was bei den meisten Schülern ein Stöhnen hervorruft, hat Daniel Benson Watts kalt erwischt. Denn für den 17-jährigen US-Amerikaner begann so am Montag seine erste Schulstunde in Deutschland.

Markranstädt. Der Schüler besucht seit Wochenbeginn das Gymnasium in Markranstädt und lebt bei Familie Weber in Frankenheim.

Sehr grün sei es hier – und sehr kalt, findet Daniel. Kein Wunder. Schließlich stammt der begeisterte Radfahrer aus dem Sonnenstaat Kalifornien, genauer aus Buena Park südlich von Los Angeles. Dort hat er nur wenige Meilen vom Strand entfernt gewohnt. Kein Meer, aber viel Natur. Nicht die einzige Umstellung, die sein Umzug nach Frankenheim mit sich gebracht hat. „Alles ist hier etwas kleiner als bei uns, die Häuser, sogar die Geschirrspüler“, vergleicht Daniel. Auch seine Gastfamilie ist kleiner. Denn Daniel ist das jüngste von zehn Geschwistern. Bei Webers lebt er nun mit zwei Schwestern unter einem Dach, der Bruder hat das Haus bereits verlassen.

Mutter Carolin Weber freut sich über den Einzug ihres Gastsohns. „Daniel ist sehr höflich und er nennt meinen Mann und mich Mom und Dad. Das freut uns natürlich sehr“, sagt sie. Kennengelernt hatte sie Daniel schon im Frühjahr bei einem Amerikabesuch. Einige Monate später meldete sich Daniel dann bei ihnen. Er hatte sich für ein Austauschprogramm beworben, konnte aber keine Gastfamilie finden. Spontan ist Familie Weber eingesprungen.

Mit dem Einzug Daniels hat sich auch das Haus der Familie verändert. An jeder Tür, an jedem Küchenutensil kleben jetzt kleine gelbe Zettel. Darauf steht die deutsche Bezeichnung des jeweiligen Gegenstand. Dieser kleine Trick soll Daniel helfen, sich schnell in die Sprache einzufinden. Nach Deutschland gekommen ist er ohne ein Wort Deutsch zu können. Vier Wochen lang hat er gemeinsam mit anderen Austauschschülern in einem Sprachcamp im Harz Vokabeln und Grammatik gepaukt. Noch kann er sich nicht vorstellen, dem Unterricht ohne Probleme zu folgen und zu Hause ausschließlich Deutsch zu sprechen. Auch wenn seine Gastmutter sich Mühe gibt, auf Englisch zu verzichten.

Wenn Daniel länger von seiner Familie in Amerika oder seiner Heimat erzählt, tut er das noch am liebsten in seiner Muttersprache. In einigen Wochen soll sich das ändern. Das zumindest hat ihm seine Schwester versprochen. Sie hat selbst als Schülerin ein Austauschjahr in Deutschland verbracht und ihren Bruder ebenfalls dazu überredet. Denn der wollte zunächst lieber nach Frankreich gehen, da er bereits in der Schule Französisch gelernt hat. „Sie mochte diese Zeit sehr und war auch von dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm begeistert“, sagt Daniel.

Er hat sich vorgenommen, nach dem Schuljahr in Deutschland noch eines in Frankreich zu absolvieren und anschließend zwei Jahre in Mission zu gehen, wie es bei den Gläubigen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage oft üblich ist. Der Hang zu Fremdsprachen liegt ihm im Blut. Die meisten seiner neun Geschwister haben bereits im Ausland gelebt, beherrschen teils Chinesisch, Portugiesisch, Spanisch. Und so zählt Daniel Sprachen und Kunst zu seinen Lieblingsfächern. Außerdem gehört sein Herz der Musik. In vier Chören hat er in seiner Heimat gesungen, in Markranstädt will er auf jeden Fall dem Kirchenchor beitreten. Und was hat er sich sonst für die Zeit in Deutschland vorgenommen? „Ganz viel vom Land sehen!“

Kerstin Leppich

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