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Markranstädt Von einem See, der als Gewässer zu klein ist, um See zu sein
Region Markranstädt Von einem See, der als Gewässer zu klein ist, um See zu sein
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13:56 19.05.2015

Das Gewässer sei wahrscheinlich so schnell zum See erklärt worden, dass im fernen Borna nicht alle Würdenträger des Kreises davon Wind bekommen hätten und ihn beim Katastrophenszenario deshalb ignorierten, mutmaßten etwa die "Markranstädter Nachtschichten", eine viel beschmunzelte Satireseite aus Lallendorf.

Gestern konnte der Kreis auf Anfrage Entwarnung geben. Seebenisch sei nicht vergessen worden, hieß es. Der Seebenischer See sei im Blick des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes gewesen. Das Gewässer sei aber wegen seiner Größe nicht Thema dabei, so Kreissprecherin Brigitte Laux im gewohnt ruhigen Amtston.

Hintergrund ist ein Erlass des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz von Ende November diesen Jahres. Der stellt fest, dass ein Risiko einer für eine Virusübertragung relevanten Wildvogelansammlung bei Binnengewässern erst ab einer Wasserfläche von 50 Hektar sowie von Fließgewässern erster Ordnung und einer Erwartungszone von bis zu 500 Meter Uferrandstreifen ausgeht.

Der Seebenischer See ist also ein See, aber als solcher nicht bedeutend genug, um als See bei Wildvögeln eine Rolle zu spielen, könnte das übersetzt heißen.

Da muss jedoch das Amt schon wieder aufpassen. Weniger auf die Satiriker aus Markranstädt, die gewiss als seltene Exemplare der Gattung "schräger Vogel mit Humor" unter Schutz gehören. Eher auf die Naturschützer selber, die eine schwindende Einflusssphäre fürchten müssen. Denn sie bemühen sich bereits, den See als Biotop festzustellen - dadurch bekäme er einen besonderen Schutzstatus. Die Stadt Markranstädt ihrerseits lässt seit Monaten Tag für Tag Tausende Liter Wasser aus der Vernässungsfläche abpumpen, die als Folge des früheren Braunkohlebergbaus entstanden war. Dadurch schrumpft der neue Seebenischer See jeden Tag ein kleines bisschen mehr. Kaum vorstellbar was passiert, wenn die städtischen Pumpen den Sisyphos-Kampf gewinnen würden und die Fläche damit so verkleinern, dass die Ämter den See suchen müssten, den sie erst so mühevoll feststellten. Sie könnten ja den Wasservögeln folgen, die dann bestimmt relevant wären.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.12.2014
Jörg ter Vehn

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