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Markranstädt Wahlforum mit Applaus und Buh-Rufen
Region Markranstädt Wahlforum mit Applaus und Buh-Rufen
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08:00 10.09.2012
Viele Fragen, viele Meinungen, viele Zuhörer: Im Kommunikations- und Kreativzentrum des Schulkomplexes diskutierten auf dem Podium Klaus Blockus, Heike Kunzemann, Sven Kuhne, LVZ-Redakteur Jörg ter Vehn, Carina Radon und Jens Spiske (v.l.n.r.). Quelle: André Kempner
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Markranstädt

Buh-Rufe und Applaus gab es dafür von den jeweiligen Anhängern. Rund 280 Zuhörer waren gekommen.

Einer für alle, alle für einen. Dieser Spruch der Musketiere fällt unweigerlich ein, wenn es um die Allianz der vier Gegenkandidaten Kuhne, Kunzemann, Spiske und Blockus geht (die LVZ berichtete). Sie treten am kommenden Sonntag im ersten Wahlgang zwar als Einzelpersonen an, wollen aber einen zweiten Wahlgang erreichen und für diesen dann den Kandidaten vorschlagen, der im ersten Durchgang die meisten Stimmen bekommen hat. „Die Allianz hat nur ein Ziel: Wir wollen damit den Wechsel an der Rathausspitze schaffen“, antwortete Kunzemann auf die Frage von ter Vehn, warum die vier zu einem solch ungewöhnlichen Mittel gegriffen haben. „Wir sind uns einig, dass es hier so in Markranstädt nicht weitergeht“, ergänzte Spiske.

Dass die bisherige Bürgermeisterin Radon gleich vier Gegenkandidaten am 16. September hat, ist für sie jedoch nicht neu und schreckt sie auch nicht. „Für mich ist klar, dass es bei den Mitbewerbern offensichtlich niemand wirklich so mit Leidenschaft will, wie ich das möchte“, betonte Radon. Wer wirklich Bürgermeister werden wolle, müsse sich „nicht hinter einer Allianz verstecken“. Kuhne machte noch einmal deutlich, dass trotz der Allianz die Wahl eine Personenwahl sei. Parteizugehörigkeit spiele da eine untergeordnete Rolle. Und selbstverständlich unterstütze er im Falle des Sieges von Kunzemann die Person Kunzemann, nicht aber deren Partei, antwortete er auf die Frage eines Zuhörers zur Allianz.

Ter Vehn befragte die fünf zu den Themen, die derzeit aktuell die Markranstädter beschäftigen. Eines davon ist die Entwicklung der Leipziger Straße. Blockus sprach sich hier für einen Boulevard aus, „wo man sich kennenlernt, sich trifft und einen Kaffee trinkt, wo man mit der Familie bummeln geht“. Auch Kunzemann fände einen Boulevard schön, aber das „A und O dazu ist doch erstmal, dass wir den Verkehr der Bundesstraße dazu aus Markranstädt rauslenken, dass man die Verkehrsberuhigung in der Leipziger Straße schafft“. Wenigstens müsse ein Tempolimit eingerichtet werden. Spiske würde sich gar mit den Bürgern der Stadt auf die Kreuzung setzen, „um Öffentlichkeit herzustellen“. Radon würde sich nicht dazusetzen. Vielmehr sei sie bestrebt, das fortzuführen, was sie bisher angeschoben habe, und weiter „auf Behörden einzuwirken“. Ein Tempolimit sei nicht möglich, aber die Stadt könne mit der Planung eine „gewisse Beruhigung erreichen, indem wir nicht diese schnurgeraden Straßen“ bauen. „Wir haben alles versucht, um den Verkehr zu entschleunigen.“ Auch für Kuhne gehört die Leipziger Straße auf die Prioritätenliste, allerdings „müssen wir dafür in Dresden gehört werden“. Statt eines Sitzstreiks favorisiert er eine Fahrt zum Sächsischen Landtag.

Ein anderes Thema war gestern der Bebauungsplan Westufer Kulkwitzer See. Und ähnlich wie in der Vergangenheit hat der auch während des Wahlforums wieder für Furore gesorgt. Für Kunzemann ist Wohnen am See ein heikles Thema, weil 3000 Bürger ihre Unterschrift gegeben haben, um die Grünflächen zu erhalten. Es müsse zwischen allen Bürgern und dem Rathaus einen Konsens geben. Zudem gebe es in der Stadt noch genügend Flächen, die für Bebauung genutzt werden könnten. Blockus will das Westufer auf jeden Fall als Erholungsgebiet erhalten, „Bauplätze gibt es noch im Umland“. Für Kuhne steht außer Frage, dass zu dem Thema die Bürger gehört werden müssen und die Verwaltung darauf reagieren müsse. Spiske befürchtet, dass sich mit dem B-Plan „erlesenes Klientel“ ansiedelt und Naturbelassenheit und Naherholung verschwinden. Er würde als Bürgermeister den B-Plan genau unter die Lupe nehmen und gucken, „was noch zu retten ist“. Den Bebauungsplan sieht Radon als „Verbindungsglied“ zum See. „Alle sagen die Stadt am See, aber es muss natürlich auch eine Verbindung geben von der Kernstadt zum See, und das können wir mit der Bebauung auch realisieren.“

Eines haben alle vier Kandidaten der Allianz immer wieder gefordert: mehr Bürgerbeteiligung. Doch wie soll die aussehen? Spiske kann sich vorstellen, bei wesentlichen Punkten die Stadtbewohner zu befragen, allerdings gab auch er zu, dass das nicht bei jeder kleinen Angelegenheit geschehen könne. Blockus hält den bisherigen Umgang mit der Bürgermeinung gar für undemokratisch. Gegen diesen Vorwurf wehrte sich Radon „aufs Schärfste“. Ein Bürgerbegehren sei ein förmliches Verfahren, und als solches müsse es auch behandelt werden. Sie habe schon im Vorfeld des B-Plans das Gespräch mit den Bürgern gesucht und werde das auch weiterhin so handhaben. Doch letztlich entscheide der Stadtrat.

Nach ihrer Vision für ein Markranstädt in 20 Jahren befragt, antwortete Radon, sie arbeite für ein eigenständiges Gymnasium. Das Defizit bei Krippenplätzen von heute noch 15 Prozent müsse abgebaut werden, zudem sollten sich Unternehmen weiter ansiedeln. Kunzemann hat die Vorstellung, dass die Bürger mitreden bei der Gestaltung der Stadt, für Kuhne kommt noch eine transparente und offene Verwaltung hinzu. Für Blockus ist ein „charmantes Markranstädt“ eine Stadt ohne Bundesstraßen, für Spiske eine attraktive Stadt eine solche, in der es ein ausgeprägtes „Wir-Gefühl“ gibt.

Was viele Zuhörer bei der anschließenden Fragerunde interessierte, waren der Öffentliche Personennahverkehr und Kita-Beiträge. Die Allianz und Radon sprachen sich gleichermaßen für eine bessere Verkehrsanbindung der Ortschaften aus. Kunzemann wünschte sich gar einen Bürgerbus. Und die Kita-Beiträge würde sie senken, indem sie die Grundsteuer anhebe.

Julia Tonne

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