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Markranstädt "Wir beißen uns die Zähne aus am Amtsschimmel"
Region Markranstädt "Wir beißen uns die Zähne aus am Amtsschimmel"
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16:25 19.05.2015
Das marode Haus sackt in sich zusammen, aber im Grundbuch bleibt der Eintrag unter falschem Namen bestehen. Quelle: André Kempner

So geschehen in Markranstädt.

Das Resultat gammelt an der Lützner Straße vor sich hin. Haus Nummer 42 ist zum Teil schon in sich eingefallen, Nachbarn beschwerten sich bei der Stadt ob der untragbaren Zustände. Die handelte auch - sich aber vor allem Absagen vom Grundbuchamt ein.

"Das Haus wurde im Jahr 2005 von einem Mann gekauft und bei einem Notar in Leipzig mit einem gestohlenen Ausweis beurkundet", erzählt Silke Kohles-Kleinschmidt von der Kämmerei Markranstädt. Der Mann habe den Kaufpreis gezahlt, sei mit dem falschen Namen ins Grundbuch eingetragen worden. "Er hat noch im selben Jahr das Haus weiterverkauft, aber der neue Besitzer hat die Grunderwerbssteuer nicht gezahlt, so blieb es nur bei einer Auflassungsvermerkung im Grundbuch", erzählt die Finanzfrau, die sich eingehend mit der Geschichte des Hauses befasst hat.

Weil das Reihenhaus immer weiter verfiel und eine Gefahr darstellte, beantragte die Stadt im vorigen Jahr eine Zwangsversteigerung beim Amtsgericht in Leipzig. Da sei dann alles herausgekommen, habe die Stadt erstmals von dem falschen Namen im Grundbuch erfahren. Das Gericht lehnte den Antrag ab.

Kohles-Kleinschmidt begab sich in die Spur, fand den richtigen Namen des Mannes, trieb seine richtige Adresse auf, schrieb ihn an. "Er war sehr erstaunt, glaubte doch, alles verkauft zu haben", erzählt sie. Der Mann sei aber sehr kooperativ. "Er ist wegen des gestohlenen Ausweises verurteilt worden, hat die Strafe auch schon abgesessen", sagt sie. Im Frühjahr sei er zu einem Notar nahe seiner Heimatstadt nach Heilbronn gegangen, habe dort an Eides statt den Schwindel mit dem Haus zu Papier gegeben. "Im März haben wir das bekommen und gehofft, dass nun alles klar geht", so die Kämmerin. Pustekuchen. Immerhin sähe Paragraph 53 der Grundbuchordnung vor, dass falsche Eintragungen von Amts wegen zu löschen sind. Der neuerliche Antrag auf den Zwangsverkauf wurde vom Gericht aber abgelehnt. Eidesstattliche Versicherungen sähen die Verfahren beim Grundbuchamt nicht vor, hieß es zur Begründung. Auf Nachfrage, was sie denn benötige, habe ihr die leitende Mitarbeiterin in Borna keine Antwort gegeben, so Kohles-Kleinschmidt. Die Frau ist bis nächste Woche in Urlaub.

In Markranstädt drängt derweil der Zustand des Hauses zur Eile. Bei einem Treffen aller Beteiligten hätten die Nachbarn den weiteren Abriss des Gemäuers gefordert, erläuterte die Finanzfachfrau. Immer wieder drohten Teile des Hauses in die Nachbarhäuser zu rutschen. Ein Gutachten des Bauordnungsamtes habe vor wenigen Tagen das selbe Ergebnis erbracht.

Auch im Stadtrat war das Haus vorige Woche Thema. Bürger beschwerten sich über den Zustand. Dort erklärte die Erste Beigeordnete Beate Lehmann den Werdegang und die Bemühungen der Stadt. Lehmann: "Wir beißen uns die Zähne aus an diesem Amtsschimmel."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.07.2013

Jörg ter Vehn

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