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Mitteldeutschland 105 Minuten schneller nach München: Bahn startet Premierenfahrt auf neuer Strecke
Region Mitteldeutschland 105 Minuten schneller nach München: Bahn startet Premierenfahrt auf neuer Strecke
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11:36 18.06.2017
Bahn-Vorstandschef Richard Lutz (r) sitzt in Erfurt (Thüringen) während einer Testfahrt mit dem ICE-Sprinter auf der Neubaustrecke Erfurt - Bamberg im Führerstand und macht mit dem Smartphone ein Selfie.   Quelle: dpa-Zentralbild
Erfurt - 

 In knapp vier Stunden mit dem ICE von München nach Berlin - das soll in einem halben Jahr möglich sein. Mitte Dezember geht die Neubaustrecke in Thüringen in Betrieb. Schon für diesen Freitag lud die Bahn zu einer Premierenfahrt auf dem Abschnitt zwischen Erfurt und Ebensfeld bei Bamberg. Vorstandschef Richard Lutz stellten geladenen Gästen bei dem Pressetermin das Vorhaben vor, das zu den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit zählt.

„Wir sind Zeit- und Kostenrahmen“, so Lutz. Er komme mit Blick auf die Strecke ins Schwärmen. „So schnell und komfortabel kommt man künftig nur mit dem Zug von Berlin nach München“, betonte der Bahnchef. Rund 17 Millionen Einwohner werden seinen Worten zufolge von dem rund 10 Milliarden Euro teuren Projekt profitieren. „Das ist die größte Angebotsverbesserung in der Geschichte der Bahn“, meinte Lutz.

Die neue 107 Kilometer lange Strecke schließt eine Lücke in der schnellen Verbindung zwischen Berlin und München. Der Abschnitt durch den Thüringer Wald gehört mit 22 Tunneln und 29 Talbrücken zu den aufwendigsten Neubauprojekten der Bahn. Schon seit eineinhalb Jahren rollen Züge auf einer 123 Kilometer langen Neubautrasse zwischen Erfurt und Leipzig/Halle.

Beschlossen worden war das Projekt 1991. Vor Baubeginn hatte die Reisezeit zwischen Berlin und München bei mehr als sieben Stunden gelegen, aktuell sind es rund sechs Stunden.

Wir waren bei der Premierenfahrt auf dem Abschnitt der neuen ICE-Trasse zwischen Erfurt und Ebersfeld dabei. http://bit.ly/2t9JVM5

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Freitag, 16. Juni 2017

In den vergangenen Jahren wurden auch mehrere Gleise und Bahnsteige im Leipziger Hauptbahnhof für das Projekt fit gemacht. Die Fahrzeit in die Landeshauptstadt von Bayern verringert sich künftig auf 3 Stunden und 15 Minuten. Die Ersparnis beträgt damit 105 Minuten.

Nahezu alle Fahrpläne für Anschlusszüge würden an die neue Strecke angepasst, kündigte Lutz an: „Was nutzt mir ein pfeilschneller Zug, wenn ich in Erfurt eine halbe Stunde auf den Anschlusszug warten muss?“ Kürzere Fahrten bringe die Strecke so auch für Reisende aus Leipzig, Dresden, Halle und Erfurt. Auch Frankfurt am Main, Hamburg und Stuttgart profitierten, sagte Lutz. Der ICE-Knoten Erfurt werde die „schnelle Mitte Deutschlands“.

Ursprünglich sollte die 1996 begonnene Schnellfahrstrecke deutlich früher vollendet werden und nicht einmal halb so teuer werden. Das Vorhaben stellte sich jedoch als anspruchsvoller heraus als gedacht, zwischenzeitlich legte es die Bundesregierung auf Eis. Projektleiter Olaf Drescher betonte am Freitag indes, seit 2006 liege man im Zeit- und Kostenrahmen, was ein respektabler Wert sei. „Großprojekte in Deutschland - geht doch“, resümierte der Ingenieur.

Im August beginnt nach Dreschers Worten auf dem jüngsten Abschnitt der Probebetrieb, bei dem die Züge nach regulären Betriebsvorgaben auf der Strecke fahren - nur noch ohne Fahrgäste.

Von LVZ