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Mitteldeutschland 12 Gründe, um nach Bad Elster zu reisen
Region Mitteldeutschland 12 Gründe, um nach Bad Elster zu reisen
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22:22 06.04.2018
Träumen im Salzsee – Bad Elster macht es möglich. Quelle: SSB
Bad Elster

Im südlichsten Zipfel von Sachsen liegt der 3700-Einwohner-Kurort Bad Elster (Vogtlandkreis). Bisher galt er eher als eine Adresse für älteres Publikum mit Hang zur royalen Tradition. Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war natürlich auch schon da. Seit einigen Jahren aber ist im Ort etwas in Bewegung geraten. Seither ist Bad Elster der Geheimtipp für Gestresste und Wellness-Hungrige aus Leipzig, Dresden oder auch Bayern.

Die Historie

Bad Elster feiert 2018 schon 200 Jahre Gesundheitstradition. Und noch ein Jubiläum: Vor 170 Jahren wurde der Ort zum Königlich-Sächsischen Staatsbad. Seit dem 12. und bis ins 18. Jahrhundert hinein war Bad Elster vor allem für Trinkkuren bekannt. 1818 verabreichte Kurdirektor Carl Staudinger erstmals das Bad Elsteraner Mineralheilwasser zum Baden und Trinken und ließ einen hölzernen Badeschuppen errichten (der im Kurpark gerade nachgebaut wird). 30 Jahre später verlieh dann der sächsische König Friedrich August II. dem einstigen Weberdorf Bad Elster den Titel "Königlich Sächsisches Staatsbad". Damals wurde das Naturmoor bereits mit elektrisch betriebenen Loren ins Badehaus transportiert – für insgesamt 129 Kurgäste. Heute kurt in Bad Elster, wer an Herz- oder Kreislauferkrankungen und Rheuma leidet. Auch Frauengesundheit und Lebensqualität im Alter zählen zu den Schwerpunkten.

Die Stadt

Das Sächsische Bademuseum in Bad Elster wird Kurkarteninhabern ganzjährig freien Eintritt ermöglichen und an mehreren Festwochenenden auch allen anderen Besuchern. In der Marienquelle erfahren sie Wissenswertes über die Geschichte der Trinkkur und die historische Moorbadekabine im Albert Bad lockt mit Projektionen von Bademädchen. Bürgermeister Olaf Schlott (Unabhängige Bürgerschaft) spricht deshalb auch von einem „ganz besonderen Jahr“ für die Stadt und verspricht ein öffentliches WLAN-Netz zu etablieren – für Einwohner und Gäste. Allein in diesem Jahr wird der kleine Ort 1,2 Millionen Euro in den Fremdenverkehr pumpen.

Die Sole

Im Jahre 2009 wurde bei Probebohrungen im Elstertal ein spektakulärer Fund gemacht: In 1200 Meter Tiefe stießen Arbeiter auf Millionen Jahre alte Sole. Eine hoch gesättigte Glaubersalz-Quelle, die mit einem Solegehalt von 22 Prozent und einer Temperatur von 42 Grad aus der Erde kommt. Weder in Deutschland noch in Tschechien gibt es Vergleichbares.

Die Therme

Seit 2015 gibt es für die Sole eine hochmoderne Therme, die ihresgleichen sucht. 19 Millionen Euro investierte dort die Sächsische Staatsbäder GmbH. Dabei wird der Solegehalt nach Becken gestaffelt. Im „Salzsee“ beträgt er 15 Prozent (28 bis 32 Grad Celsius). Im „Licht- und Klangbad“ (34 bis 36 Grad) liegt die Konzentration bei zehn Prozent. Im „Hutznbad“ (Hutzn: vogtländisch für Gemeinschaftsabend) gibt es sechsprozentige Sole (34 bis 36 Grad). Dazu kommen diverse Saunen, unter anderem eine „Moosmannsauna“ und eine „Musikwinkelsauna“. Zum Schwimmen gibt es ein 18 Quadratmeter großes Becken. Wer hinterher friert, taucht ein ins Becken „Heiße Elster“ mit circa 40 Grad Temperatur. Geöffnet wird die Soletherme von 9 bis 21 Uhr, am Freitag und Sonnabend bis 22 Uhr. Ein Tag kostet 28,50 Euro (eingeschlossen ist das Albert Bad). Dazu gibt es reichlich Beauty- und Wellness-Angebote, aber auch Sport- und andere Massagen. Dass viele Großstädter hierher kommen, hat einen triftigen Grund: Auf dem Gelände verteilen sich die Besucher und am Abend wird es sogar ruhig.

Therapie- und Wohlfühlzentrum Albert Bad

Beim bereits vorhandenen Albert Bad wurden noch einmal 16 Millionen Euro in die Sanierung der Badehalle und des Umfeldes gesteckt. Es zeigt sich im Vordergebäude von alter Noblesse und die Kabinen sind mit Stuckornamenten, Majolikafiguren und Messinghähnen ausstaffiert. In der Kupferwanne habe schon der König gesessen – heißt es. Den einstigen Innenhof füllt ein modernes Bad. In dessen Becken kann man sich von Düsen massieren und treiben lassen. Hier sind mehr die Familien unterwegs. Ein Spaßbad ist es dennoch nicht.

Der Kurpark

Gleich nebenan wendet sich das Königliche Kurhaus mit seinen stattlichen Arkadengängen dem Kurpark zu. Die großen Festsäle, in denen man einst sich selbst oder seine heiratsfähigen Erben präsentierte, gibt es noch immer, aber auch Geschäftsräume. Der Kurpark selbst, offiziell wird da von den Königlichen Anlagen Bad Elster gesprochen, zieht sich entlang des Flüsschens Weiße Elster durchs Tal. Er wird gerade um ein Stück erweitert, dessen besondere Zierde das denkmalgeschützte Vereinsheim des einstigen Tennisclubs ist.

Das Vier-Sterne-Hotel „König Albert“

Noch einmal 15 Millionen Euro pumpten private Investoren in den Bau des Vier-Sterne-Hotels „König Albert“. Das wagt seit 2015 den Spagat zwischen moderner Innenarchitektur und Reminiszenzen an die Monarchie. Wandgroße Printdrucke mit alten Postkartenmotiven zieren die Zimmer. In der Lobby sind in der Region erzeugte Musikinstrumente in Szene gesetzt. Über einen Bademantelgang ist das Hotel mit der Therme verbunden.

Das König-Albert-Theater

Im 1914 eröffneten König-Albert-Theater gehen bekannte Musiker und Schauspieler ein und aus und bringen nicht nur Sentimentalitäten auf die moderne Bühne. Florian Merz, geschäftsführender Intendant der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH, verspricht an fast jedem Wochenende Kulturhöhepunkte. Der „Chursächsische Sommer“ ist das größte Kulturfestival in der europäischen Bäderregion. Auf dem nahe gelegenen Naturtheater werden Stücke wie Carl Maria von Webers „Freischütz“ aufgeführt oder treten bekannte Unterhaltungskünstler auf. Im August finden regelmäßig die Internationalen Jazztage statt.

Die Heilquellen

Die Szenerie im Quellhaus hat fast etwas Sakrales: Von oben fällt Tageslicht durch die Deckenöffnung, in der Mitte des kreisrunden Raumes wird ein goldglänzendes Becken aus einem Strauß von Leitungen mit Wasser gefüllt. Wer nicht in Wannen und Packungen sein Heil sucht, tut es hier. Auch das hat in Bad Elster lange Tradition. Dem „Elster-Säuerling“ bestätigten Heilkundige bereits 1669 wohltuende Kraft. Aber erst zwei Jahrhunderte später wurden er und einige andere Quellen des Ortes in Brunnen gefasst. Wer genau wissen will, was er da trinkt, der holt sich Ratschlag und Glas bei einem der „Brunnenmädchen“, wie sie hießen, als sie noch weiße Schürzen trugen und auf heiratswillige Kurgäste hofften.

Wandern, Radfahren, Trail-Running

Die Umgebung von Bad Elster besteht aus endlosen Kilometern Wander- und Radweg oder auch Trail-Running-Strecken. Dieses Netz ist gut markiert, so dass ein falsches Abbiegen keine Katastrophe ist. Und die zahlreichen Steigungen sorgen dafür, dass für jede Kondition etwas dabei ist. Für Mountainbiker lohnt ein Abstecher in den Bikepark Schöneck oder der 250 Kilometer lange Elsterradweg.

Das Musicon Valley

Im nahegelegenen Markneukirchen befinden sich nicht nur das Musikinstrumentenmuseum und rund 100 Meisterwerkstätten, sondern auch ein rühriger Verein „Musicon Valley“, der sich die Bewahrung und Förderung der vogtländischen Musikinstrumentenbautradition widmet.

Knödel, Bier und Zigaretten

In zehn Minuten ist man mit dem Auto in Tschechien, wo man sich beispielsweise in As oder Eger mit böhmischen Bier, Knödeln oder auch Zigaretten versorgen kann. Das Café Zollhaus in Bad Elster bietet aber auch schon vor der Grenze Leckeres. Vom Fisch über Ente bis hin zur Torte und zum italienischen Eis.

Von Roland Herold und Marlies Heinz

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