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Mitteldeutschland Leipzigerin fast von Birke erschlagen – Feuerwehr im Dauereinsatz
Region Mitteldeutschland Leipzigerin fast von Birke erschlagen – Feuerwehr im Dauereinsatz
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12:57 06.10.2017
In der Risaer Straße wurde das Auto einer Leipzigerin von einer umstürzenden Birke getroffen. Die Frau blieb unverletzt. Quelle: TNN
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Leipzig

Sturmtief "Xavier" hat im Osten Deutschlands schwere Schäden angerichtet. In Brandenburg starben vier Menschen, in Berlin kam eine Frau zu Tode, auch in Hamburg und nahe Schwerin starb jeweils ein Mensch.

In Leipzig und den beiden angrenzenden Landkreisen war die Feuerwehr vor allem wegen umstürzender Bäume und herabfallender Äste im Dauereinstatz. Insgesamt 194 mal wurden die Rettungskräfte gerufen, wobei der Schwerpunkt mit 105 Einsätzen klar in Nordsachsen lag, teilte die Rettungsleiststelle mit. In Leipzig führte "Xavier" zu 40 Einsätzen. Verletzte wurden bis 23 Uhr keine gemeldet.

In Engelsdorf hatte eine Autofahrerin großes Glück: Sie blieb körperlich unverletzt, als eine zehn Meter hohe Birke auf ihr Auto krachte. Die Frau war auf der Riesaer Straße unterwegs, als der Baum von einem Grundstück am Rand umstürzte und auf die Windschutzscheibe des Wagens fiel. Nach dem Aufschlag rutschte er auf die Straße. Die Fahrerin erlitt einen Schock und wurde von Ersthelfern betreut. Bereits gegen 15 Uhr hatte der Vergnügungspark Belantis aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Feuerwehr war wegen zahlreicher umgestürzter Bäume oder fallender Dachziegel im Dauereinsatz. In Lindenau wurde der Verkehr der Linie 7 an Kreuzung Georg-Schwarz- und Merseburgerstraße für kurze Zeit unterbrochen. Nur wenige freuten sich über den Wind: Auf dem Cospudener See gingen Kite-Surfer auf das Wasser.

In der Region Mitteldetuschland kam es durch den Sturm zu umfangreichen Verkehrsbehinderungen. Auf der Autobahn 14 zwischen Magdeburg und Halle erwischte eine Sturmböe einen Lkw und drückte ihn auf die Seite. Der Fahrer blieb aber unverletzt, allerdings liefen hunderte Liter Diesel aus. Die Fahrbahn in Richtung Süden wurde für die Räumungsarbeiten ab 14 Uhr voll gesperrt. Auch auf der A13 zwischen Marsdorf und Radeburg im Landkreis Meißen geriet ein Lkw-Anhänger in Schräglage, die Autos mussten vorbeigeleitet werden.

Bahnverkehr kommt vorübergehend zum Erliegen

Die Deutsche Bahn stellte am späten Nachmittag wegen des Unwetters auch den Betrieb im Großraum Leipzig komplett ein. Bis zum Abend gab es Einschränkungen. In Dresden wurden Bauzäune auf die Straßen oder an parkende Autos geweht, Bäume stürzten um. Ein Ast blockierte eine Straßenbahn-Oberleitung, die Verbindung war gestört. Auch in Chemnitz fielen nach Angaben der Polizei „hier und da“ Äste herunter. In Leipzig fielen Steine vom Dach oder Glasscheiben. Dixieklos fielen um. Am Flughafen Dresden musste eine Maschine den Landeanflug aus Sicherheitsgründen abbrechen. Sie startete durch und flog zurück nach Stuttgart, wie ein Sprecher des Airports sagte.

In Sachsen-Anhalt blieben gegen 16.00 Uhr kurzzeitig alle Züge stehen. Grund waren Schäden, die teils durch umgestürzte Bäume verursacht worden waren. Auch in Delitzsch wiederum entwurzelte der Sturm zahlreiche Bäume.

Kitesufer auf dem Cospudener See nutzten die Sturmböen von "Xavier" für ihren Sport. Quelle: André Kempner

Windgeschwindigkeiten bis zu 180 km/h

Für den Oberharz und den Brocken warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor extremen Orkanböen bis in die späten Abendstunden. Es seien bereits Spitzengeschwindigkeiten von knapp 180 Kilometern pro Stunde auf dem Brocken gemessen worden, sagte ein DWD-Meteorologe. Auch auf dem flachen Land erreichte der Wind Höchstgeschwindigkeiten: In Süplingen im Kreis Börde wurden am Nachmittag Sturmspitzen von 112 Stundenkilometern gemessen, in Querfurt waren es 80. Laut DWD zieht das Sturmtief von Nordwesten nach Südosten über Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen hinweg. Neben Böen sei verbreitet mit Schauern zu rechnen.

Der DWD-Meteorologe warnte davor, bei Regen unter alten oder angegriffenen Bäumen Schutz zu suchen. Da viele noch Laub trügen, seien sie windanfälliger und es könnten Äste brechen. Die Polizei mahnte die Verkehrsteilnehmer, besonders vorsichtig zu fahren.

Durch das Sturmtief mussten einige Veranstaltungen abgesagt werden, unter anderem der für das Wochenende geplante Flohmarkt auf der Pferderennbahn im Leipziger Scheibenholz. "Teile des Geländes stehen unter Wasser", erklärte Sprecherin Corinna Schulze am Donnerstag. Auch der Mannschafts-Wettbewerb bei den deutschen Skisprung-Meisterschaften in Oberwiesenthal am Donerstag wurde abgeblasen. Die Veranstalter konnten angesichts der Vorhersagen keinen sicheren Wettkampf garantieren. Am Mittwochabend hatte Andreas Wellinger auf der Fichtelbergschanze noch seinen ersten nationalen Einzeltitel gewonnen.

chg (mit dpa)

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