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Mitteldeutschland A72: Acht Jahre Bauzeit für letzten Teil – Staus und Behinderungen ab sofort
Region Mitteldeutschland A72: Acht Jahre Bauzeit für letzten Teil – Staus und Behinderungen ab sofort
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10:40 11.04.2018
In Rötha läuft bereits der Umbau der Anschlussstelle der B 95 als Provisorium für die Zeit des Autobahnbaus. Quelle: Jens Paul Taubert
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Rötha/Böhlen

Der derzeit im Bau befindliche Abschnitt der Autobahn 72 ist noch nicht der letzte zwischen Chemnitz und Leipzig. Ab Herbst dieses Jahres will der Freistaat Sachsen die letzte Lücke zwischen Rötha und der A 38 schließen lassen. Nach heutiger Einschätzung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) werden die 7,2 Kilometer, offiziell als Bauabschnitt 5.2. bezeichnet, Ende 2026 fertig.

Für Statistiker: Das wäre dann zwanzig Jahre nach dem früher einmal propagierten Ziel, zur Fußball-WM des Jahres 2006 eine Autobahn von Chemnitz bis Leipzig zu haben.

Staus und Behinderungen stehen an

Das ist Geschichte. Gegenwart und Zukunft sind erst einmal Staus und Behinderungen, bis die Autobahn dann tatsächlich fertig sein wird. Auch wenn die Bauarbeiten am letzten Streckenabschnitt erst im Oktober beginnen sollen, müssen Autofahrer schon ab jetzt immer wieder mit Einschränkungen auf dem Abschnitt rechnen. Der Grund: Rund zwei Drittel des Abschnitts werden auf der Trasse der jetzigen Bundesstraße 95 gebaut.

Ausweichstrecken entstehen

Weil die, wie Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert sagt, während des Autobahnbaus „weitestgehend weiter vierspurig für den Verkehr zur Verfügung stehen“ soll, ist im März begonnen worden, Ausweichstrecken und Umfahrungen anzulegen. Das betrifft die B 95, die Staatsstraße 72 sowie weitere Straßen bei Böhlen und Großdeuben.

Dazu werden bis November bei laufendem Verkehr Fahrspuren verengt oder gesperrt. Bis zum November – so lange soll der Bau der Behelfsstrecken dauern – werden die Verkehrseinschränkungen immer wieder verändert beziehungsweise den Ort wechseln, so lange, bis die provisorische Verkehrsführung für die nächsten Jahre eingerichtet wird. Das Lasuv bittet schon jetzt um Verständnis für die Behinderungen sowie zugleich um „umsichtige Fahrweise in den Baustellenbereichen und auf den Umfahrungsstrecken.“

Letzter Abschnitt auch technisch kompliziert

Neben dieser, wie Siebert sagt „hochkomplexen bauzeitlichen Verkehrsführung“ sei der letzte Autobahnbauabschnitt auch bautechnisch äußerst kompliziert: „Es handelt sich um 60 bis 70 Meter hoch verkippten Tagebau ohne maschinelle Verdichtung, obendrein mit oberflächennah anstehendem Grundwasser“, so die Lasuv-Sprecherin.

Die zu bauende Trasse verläuft zu über 80 Prozent auf Kippengelände des ehemaligen Tagebaues Espenhain. Das macht auf diesem Abschnitt noch mehr aufwendige Arbeiten zur Bodenverbesserung nötig, als das im Abschnitt zwischen Borna und Rötha der Fall war, „damit die zukünftige Autobahn auf stabilem Untergrund errichtet werden kann“, wie Isabel Siebert sagt.

Auf sechs Probefeldern entlang der zukünftigen Trasse hat das Lasuv die Bodenverbesserungstechnologien erproben lassen. Die Landesstraßenbaubehörde will nun mit einer Kombination aus Rüttelstopfverdichtung, Vertikaldränagen und Überschüttungen vorgehen. „Es ist festgestellt worden, dass diese Baugrundverbesserungen am besten dafür sorgen, dass die Setzungen gleichmäßig in der Fläche verlaufen und das Entstehen eines verfestigten Bandes in der Kippe ermöglichen“, erklärt Sprecherin Siebert.

Hier drohen Verkehrseinschränkungen

Im Vorfeld des Autobahnbaus zwischen Rötha und der A 38 muss eine provisorische Verkehrsführung errichtet werden. Dazu erfolgen mehrere Umbauten entlang der künftigen Autobahntrasse:

Die Anschlussstelle Rötha wird bis Mitte Juni in beiden Fahrtrichtungen umgebaut: Dammschüttungen, Einbau von Frostschutz und Asphalt.

Auf der B 95 wird bis Ende Mai in beiden Fahrtrichtungen die Verkehrssicherung eingerichtet, anschließend Oberbodenabtrag, Dammschüttungen sowie der provisorische Fahrbahnaufbau mit Frostschutz und Asphalt. In Fahrtrichtung Chemnitz wird das Industriegebiet Lippendorf angebunden.

Für die Zentraldeponie wird Mitte April bis Mitte Mai eine provisorische Zufahrt gebaut.

B 2/B 95 zwischen der A 38 und dem Abzweig der B 2: Bis Anfang August dauern hier die Arbeiten an der provisorischen Verbreiterung an. Dazu gehören Verkehrssicherung, Oberbodenabtrag, Abtrag des Lärmschutzwalls, Entwässerung, Einbau von Frostschutz und Asphaltschichten.

Entlang der S 72 wird zwischen Ende Mai und Ende Juni der Radweg umverlegt.

Entlang der S 72 wird von Juli bis voraussichtlich Mitte September eine provisorische Umfahrung zwischen Großdeuben und Lippendorf gebaut.

Der Knoten B 2/B 95/S 72 bekommt eine provisorische Kreuzung. Diese Arbeiten laufen ab Mitte April bis voraussichtlich Mitte August.

Entlang der B 95 werden ab Mitte Juni bis Ende August fünf Mittelstreifenüberfahrten für die verschiedenen Bauphasen und damit erforderlichen wechselnden Verkehrsführungen errichtet.

Für den Abbruch der B 2/B 95-Brücke muss anschließend im September die provisorische Umfahrung der B 95 entlang der S 72 erfolgen.

B 2/B 95: An zwei Wochenenden, voraussichtlich Ende September, wird von Freitagabend bis Montagfrüh jeweils eine Richtung für den Abriss der Brücke gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Provisorien entlang der S 72.

Nochmals B 2: Von Anfang Oktober bis Mitte November soll hier als letzter Schritt zur Vorbereitung der bauzeitlichen Verkehrsführung eine provisorische Umfahrung gebaut werden.

Von André Neumann

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