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A72 im Visier der Umweltschützer - weiterer Ausbau in Richtung Leipzig nicht notwendig

A72 im Visier der Umweltschützer - weiterer Ausbau in Richtung Leipzig nicht notwendig

Nach fast zehnjähriger Bauzeit und zahlreichen Unterbrechungen soll heute in einer Woche die A 72 zwischen Chemnitz-Borna endlich komplett befahrbar sein. Doch schon droht neues Ungemach: Naturschützer beklagen, dass für Ersatzaufforstungen keine Flächen im Südraum ausgewiesen wurden.

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Die Brücke der A72 über das Röthaer Holz.

Quelle: Bernhard K. Heck

Leipzig. Den weiteren Streckenausbau bis Leipzig halten sie sogar für unnötig.

Wenn Grün Beton weichen muss, ruft das Natur- und Umweltschützer auf den Plan. "Deutschland ist eines der am besten erschlossenen Länder der Welt, da stellt sich die Frage, ob man nicht besser in andere Träger als Straßen investieren sollte", sagt Felix Ekardt. Aber die Landespolitik tue sich schwer mit öffentlichem Verkehr, meint der BUND-Vorsitzende in Sachsen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz stand der A 72 von vornherein kritisch gegenüber. Neue Straßen seien schlecht vereinbar mit Natur- und Klimaschutz sowie der Energiewende.

Der Naturschutzbund (Nabu) Sachsen sieht das Projekt differenzierter. "Hinsichtlich des bisherigen Verlaufs haben wir keine Einwände", erläutert Joachim Schruth, verantwortlich für Naturschutzrecht und -politik beim Nabu. Missbilligende Töne schlägt er dennoch an. "Den Abschnitt nördlich von Rötha sehen wir kritisch." Denn dort geht es um die Querung des Röthaer Holzes. "Das ist eine der größten unzerschnittenen Aufforstungen im Südraum." Und Eigentum der Stiftung Wald für Sachsen. Von der müsste das Land Teile des 100 Hektar großen Gebietes abkaufen, in die bislang knapp eine halbe Million Euro an Förder- und Eigenmitteln der Stiftung geflossen ist. Für die rund zwölf Hektar, die der Wald einbüßen würde, muss eine Ersatzaufforstung angelegt werden. "Aktuell sieht es so aus, als würde dafür eine Fläche im Raum Nordsachsen genutzt werden", sagt Eberhard Lippmann, Vorsitzender des Kuratoriums. Laut Autobahnamt, so Lippmann, sind im Südraum keine Flächen verfügbar, "obwohl wir konkrete Vorschläge gemacht haben".

Das stößt der Stiftung auf, denn der Leipziger Süden ist waldarm mit einem entsprechenden Anteil von knapp zehn Prozent. "Das Ziel waren mal 18 Prozent. Wenn die Fläche woanders ausgeglichen wird, gehen wir einen Schritt zurück", ergänzt Geschäftsführer Henrik Lindner. Hinzu kommt, dass die Trasse das frühere Kippengelände in der Mitte zerschneiden und zum Wertverlust führen würde. "Ich lasse mir Stiftungseigentum nicht so ohne Weiteres nehmen", stellt Lippmann klar.

Alles hängt an einem angemessenen finanziellen und flächenmäßigen Ausgleich. Aktuell liege aber kein Angebot vom Autobahnamt vor. "Wir werden behandelt wie Otto-Normal-Verbraucher, das geht mit einer Stiftung nicht. Wir müssten wie ein Partner fungieren, das passiert nicht wie erwartet", sagt Lindner.

Als verlässlicher Partner in Sachen Naturschutz erwies sich Thomas Röpcke. Der 38-jährige Bauleiter setzte für das Unternehmen Glass die Naturschutz-Richtlinien für die Brücke über den Zedtlitzer Grund nach einem Entwurf von Friedrich Ernst von Garnier - Experte für Farbe in der Architektur - um. Das 315 Meter lange Bauwerk erstrahlt in Grün. "Es guckt sich weg", wie Fachleute sagen. Maßgeblicher für Röpcke: die Funktionalität. "Vier Meter hohe Fledermausschutzzäune wurden gebaut. Zudem sind auf den knapp sechs Kilometern zwischen Frohburg und Borna zehn Kleintierdurchlässe errichtet worden - eckige Betonröhren, durch die Hasen und Füchse, zur Not auch Wildschweine, ihren Weg finden sollen. Größere Tiere können die Autobahn auf sogenannten Grünbrücken überqueren."

Für den letzten Abschnitt von Rötha bis zur A 38 erwartet Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) noch in diesem Jahr Baurecht und die anschließende Aufnahme in den Straßenbauplan des Bundes. Eine schnelle Finanzierung durch den Bund vorausgesetzt, könnte mit dem Bau 2014 begonnen werden.

Wenn nicht der Umweltbund Ökolöwe Leipzig dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung macht. "Eine Autobahn erachten wir in diesem Bereich als schlicht unnötig, da die Bundesstraße bereits vierstreifig ausgebaut ist", sagte Matthias Uhlig vom Umweltbund. "Dieses Vorhaben kostet Millionen und bringt keine Entlastung für die umliegenden Ortschaften", so der verkehrspolitische Sprecher des Umweltbundes, Tino Supplies. Man behalte sich vor, gegen den Planfeststellungsbeschluss zu klagen. Die Erfolgsaussichten, so Uhlig, seien aber gering, da der Freistaat das Projekt mit Priorität vorantreibt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.08.2013

Simone Liss, Patricia Liebling

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