Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland ADAC fordert neue LKW-Überholverbote
Region Mitteldeutschland ADAC fordert neue LKW-Überholverbote
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:05 14.06.2018
Überholverbote für LKW Quelle: Patrick Moye
Leipzig

Erst Ende Mai hat der Freistaat Sachsen die Überholverbote für LKW auf den drei Autobahnen 4, 14 und 72 ausgedehnt. Nun stellt sich heraus: Entlastet hat das die Verkehrswege bisher kaum, die Elefantenrennen finden weiterhin statt und gefährden oft den nachfolgenden Verkehr. Womöglich auch, weil viele der Überholverbote zeitlich eng befristet sind und ihre Einhaltung kaum kontrolliert wird. Der ADAC Sachsen legt deshalb rund zwei Wochen vor den Schulferien nach und fordert weitere Maßnahmen. Vorstand Helmut Büschke kritisiert: „Die ausgesprochenen Überholverbote sind nicht ausreichend.“

Besonders im Visier steht dabei die Autobahn 14. Dort will der Automobilclub werktags zwischen 6 und 19 Uhr ein Überholverbot für LKW vom Dreieck Parthen- aue bis zur Muldebrücke bei Grimma – und zwar in beiden Richtungen. Das bisher bestehende einseitige zwischen Leipzig-Ost und Mutzschen ist derzeit nämlich nur werktags zwischen 15 und 19 Uhr in Kraft. Außerdem soll auf dem Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Döbeln-Ost und dem Autobahndreieck Nossen in beiden Richtungen kein Überholen durch LKW mehr möglich sein.

„In anderen Bundesländern geht man mit Einschränkungen für LKW viel großzügiger um, mitunter gibt es dort sogar 24-Stunden-Überholverbote.“ Dabei ist sich Büschke im Klaren, dass nach jedem LKW-Überholverbotsabschnitt auch wieder eine bestimmte Autobahnstrecke zum Überholen freigegeben werden muss. Dies könne im Fall der Autobahn 14 beispielsweise nach der Muldenbrücke bis Döbeln-Nord geschehen, schlägt er vor. „Dennoch sind wir grundsätzlich dafür, größere Strecken mit einem LKW-Verbot zu belegen, um den Verkehrsfluss insgesamt zu beruhigen.“ Und um die Umwelt zu entlasten, die durch LKW-Fahrer, die das Letzte aus ihren Fahrzeugen herausholen, in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Logistiker DHL beispielsweise sei in dieser Frage positiver Vorreiter, weil die Höchstgeschwindigkeit der gesamten Fahrzeugflotte auf 85 Kilometer pro Stunde abgeregelt wurde.

Kritik vom ADAC gibt es auch am Verkehrsservice. Die drei Dauerbaustellen auf A 4 und A 72 würden dort zwar aufgenommen, beispielsweise auch in die Navigationsgeräte. Die rund 30 Tagesbaustellen spielten jedoch keine Rolle. „Dort staut sich aber der Verkehr im Nu auf mehrere Kilometer, weil in der Regel eine Fahrspur gesperrt wird“, moniert der Club. Büschke schlägt darüber hinaus vor, die Länge von Baustellen drastisch zu kürzen. Mitunter seien die Abschnitte jetzt acht bis zehn Kilometer lang, während die Anschlussstellen meist in Abständen um fünf Kilometer lägen. „Kann man das überhaupt bewirtschaften?“, fragt der ADAC-Vorstand. Das langsame Fahren in engen Spuren ermüde dann und führe zu Unfällen, die den Stau dann weiter verstärkten.

Insgesamt gebe es zu viele Verkehrseinschränkungen, deren Grund für die Autofahrer nicht einsichtig sei. Als Beispiel nennt Büschke den Abschnitt vor dem Autobahnkreuz Parthenaue, auf dem plötzlich Tempo 80 gilt und den dreispurigen A 4-Abschnitt bei Wilsdruff, auf dem nur 120 gefahren werden darf. In Bezug auf fehlende LKW-Parkplätze auf Autobahnen will der Automobilclub eine Telematik-Anzeige, die Brummifahrer beispielsweise am „Dresdner Tor“ auf der A 4 frühzeitig informiert, dass der vorhandene Platz besetzt ist und nach einer Alternative – zum Beispiel auf dem Parkplatz „Am Nöthnitzgrund“ auf der A 17 – gesucht werden muss.

Aus dem Dresdner Verkehrsministerium hieß es gestern, weitere LKW-Überholverbote seien derzeit nicht geplant. Man werde das Verkehrsgeschehen jedoch intensiv überwachen. Gleichzeitig lehnte das Haus von Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) „durchgängige Überholverbote über weite Streckenabschnitte“ für LKW ab. „Es würden lange Pulks entstehen, die nach der Aufhebung des Überholverbotes viel Zeit zum Auflösen benötigen. Damit verlagert sich das Problem nur“, warnte das Ministerium. Schwer beladene LKW, die relativ langsam fahren und dann nicht überholt werden könnten, kämen hinzu.

Auch eine Aufnahme der Tagesbaustellen in das TMC-System (Traffic Message Channel) hält man in Dresden nicht für sinnvoll. Dort werden Verkehrsbeeinträchtigungen in digitaler Form gesendet. „Bei den meisten Arbeiten handelt es sich nicht um ,stehende’ Tagesbaustellen, sondern wandernde. Ihre Meldung über das TMC-System wäre schlichtweg immer unaktuell.“ Echtzeit-Verkehrsstärken, wie sie von Systemen von Google oder TomTom gemeldet werden, seien wahrscheinlich der sinnvollere Weg.

Von Roland Herold

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wird die Dornier 328 bald in Leipzig gebaut? Darauf deutet einiges hin. Offenbar soll die Entscheidung noch in diesem Jahr fallen – zwischen der Hansestadt Bremen und der Messestadt.

13.06.2018

Der Vorrat an Blutkonserven wird knapp. Grund dafür ist der Sommer:Der Kreislauf schwächelt und Termine fallen aus. Das Problem wird dabei immer größer, weil die Zahl der Spender immer kleiner wird. Der morgige Weltblutspendertag soll dafür sensibilisieren.

13.06.2018

Von überrascht bis entsetzt – das LVZ-Interview mit dem ehemaligen sächsischen Kultusminister Frank Haubitz sorgt für Wirbel. Unterdessen demonstrierten in Dresden Lehrer für bessere Arbeitsbedingungen.

12.06.2018