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Mitteldeutschland ADAC will Elefantenrennen stoppen
Region Mitteldeutschland ADAC will Elefantenrennen stoppen
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11:09 12.03.2018
Polizei und Rettungskräfte bei einem Verkehrsunfall mit mehreren Lastkraftwagen auf der Autobahn 4 nahe dem Dreieck Dresden-West. Quelle: dpa
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Leipzig

Vor dem Hintergrund des zunehmenden LKW-Verkehrs auf sächsischen Autobahnen, fordert der ADAC Sachsen Konsequenzen. „Diese Elefantenrennen, die vor allem die Verkehrssicherheit gefährden, müssen endlich ein Ende haben“, sagt Helmut Büschke, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik. Als Beispiel nennt er die A 14 zwischen Leipzig und Dresden. „Zwischen dem Autobahndreieck A 38 und Grimma, aber auch zwischen Döbeln-Ost und Nossen müssen endlich LKW-Überholverbote her.“ Dadurch könnten viele der zahlreichen schweren Unfälle auf der Strecke vermieden werden.

Bisher gibt es solche Verbote nur auf kurzen Streckenabschnitten wie der Brücke über die Mulde und in Höhe Döbeln-Nord. Vor allem an Stauenden komme es deshalb immer wieder zu Unfällen. „Weil die LKW in aller Regel dicht auffahren, bevor sie ausscheren und überholen“, so Büschke. Überdies werde durch das Bemühen, das Letzte aus dem Fahrzeug herauszuholen, unnötig Kraftstoff verbraucht und die Umwelt zusätzlich belastet.

Der ADAC schlägt deshalb vor, kurzfristig Verkehrsschilder für ein Überholverbot aufzustellen, dass dann zwischen 6 und 19 Uhr gelten und den Berufsverkehr deutlich entlasten soll. Noch effektiver, aber kurzfristig nicht nutzbar und teuer seien Verkehrsleitsysteme. Auf jeden Fall müsse die Einhaltung der Maßnahmen überwacht werden, mahnt der Automobilclub.

Tatsächlich suchen sächsische Verkehrsexperten derzeit fieberhaft nach Lösungen, um das strapazierte Autobahnnetz im Freistaat zu entlasten. Während nämlich bundesweit der LKW-Anteil auf Autobahnen bei knapp 15 Prozent liegt, erreicht er laut Sächsischem Verkehrsministerium auf der A 4 zwischen Nossen und Wilsdruff 20 Prozent, auf der A 14 zwischen Klinga und Grimma 20,5 Prozent und auf der A 4 zwischen Ottendorf-Okrilla und Ohorn sogar 20,9 Prozent. Erst in der vergangenen Woche hatte das Verkehrsministerium beschlossen, dass auf der A 4 zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und -West (über 100 000 Fahrzeuge durchschnittlich pro Tag), ab März versuchsweise Tempo 100 gelten soll.

Staatssekretär Stefan Brangs sagt, die A 4 sei ein besonderes Nadelöhr, was nicht zuletzt an der Topographie liege. Man registriere eine extreme Zunahme des Schwerlastverkehrs. „Allerdings hat der Freistaat nur begrenzte Einflussmöglichkeiten und ist an den Bundesverkehrswegeplan gebunden“, so Brangs.

Zu den Planspielen im sächsischen Verkehrsministerium gehöre deshalb, den achtspurigen Ausbau der Autobahn zwischen Dreieck Nossen und Dresden-Nord nachträglich in den Bundesverkehrswegeplan aufnehmen zu lassen. Die entsprechende Datengrundlage soll bis Mitte des Jahres vorliegen. Darüber hinaus soll die A 4 zwischen Dresden-Nord bis Pulsnitz sechsstreifig ausgebaut werden und das dort bisher geltende Überholverbot für LKW bis nach Ohorn ausgedehnt werden.

Die Grünen halten von achtspurigen Autobahnen wenig. Der Dresdner Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn sagt: „Unabhängig, ob man die Strecke in den Bundesverkehrswegeplan nachgemeldet bekommt, muss man sich im Klaren sein, dass man eine solche Lösung nicht kurzfristig realisiert bekommt. Das wäre nicht vor 2030.“ Dazu seien Konflikte programmiert, weil die Wohnbebauung an einigen Stellen zu nah sei oder landwirtschaftliche Nutzflächen existierten.

Prognosen rechnen mit einer Zunahme des LKW-Verkehrs bis 2030 um ein Drittel. „Da bekommen wir noch ein richtiges Problem“, sagt Büschke. Paradoxerweise hat nicht einmal der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung etwas gegen begrenzte LKW-Überholverbote. Sprecher Martin Bulheller sagt: „Wenn es aus Gründen des Verkehrsflusses oder der Verkehrssicherheit notwendig ist, dann ist dagegen nichts zu sagen.“

Von Roland Herold

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