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Mitteldeutschland Abgelehnt aufgrund der Herkunft: Diskriminierung auf dem sächsischen Wohnungsmarkt
Region Mitteldeutschland Abgelehnt aufgrund der Herkunft: Diskriminierung auf dem sächsischen Wohnungsmarkt
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16:55 20.10.2017
In Sachsen werden Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig bei der Bewerbung um eine Wohnung abgelehnt. (Symbolbild) Quelle: Simon Ribnitzky/ dpa
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Leipzig

Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund werden bei der Wohnungssuche in Sachsen rassistisch diskriminiert. Das ist das Ergebnis eines Tests des Antidiskriminierungsbüros Sachsen.  Nein, repräsentativ könne die Untersuchung nicht sein, sagte die Geschäftsführerin des Büros Sotiria Midelia bei der Vorstellung des Abschlussberichts. „Aber aussagekräftig schon. Uns ist es wichtig, dieses Problem sichtbar zu machen und in die Öffentlichkeit zu tragen.“

Mitarbeiter der Organisation haben im November vergangenen Jahres in 50 Fällen Vermieter freier Wohnungen kontaktiert und das jeweils durch drei Personen: durch einen Geflüchteten, einen Flüchtlingsberater, der für einen Syrer Wohnraum suchte, und durch einen deutschen Staatsbürger ohne erkennbaren Migrationshintergrund, wie Projektmitarbeiter Steven Hummel berichtete. In 24 von 40 auswertbaren Fällen (zehn Wohnungen waren bereits vom Markt) sei Diskriminierung festgestellt worden, so Hummel. Neun Fälle konnte man nicht eindeutig zuordnen und in sieben Fällen habe es keine Diskriminierung gegeben. Dabei traten Ansprechpartner offen rassistisch auf („Der Eigentümer möchte keine Ausländer“). In anderen Fällen gab es Alibi-Aussagen wie: „Die Wohnung ist schon vergeben.“ Fragte jedoch die deutsche Testperson kurz darauf nach derselben Wohnung, sei diese noch zu haben gewesen, berichtete Hummel. In anderen Fällen seien den Geflüchteten zusätzliche Hürden auferlegt worden, so sollte er etwa den Nachweis einer dreijährigen Aufenthaltsgenehmigung erbringen. „Das ist diskriminierend“, sagte Sotiria Midelia. Kein Vermieter verlange von einem Deutschen eine Mindestwohndauer. Geflüchtete würden für ihre Situation bestraft.

Durchgeführt habe man die Tests sowohl bei kommunalen als auch privaten Vermietern, im ländlichen Bereich wie in Großstädten.

Mark Gärtner vom sächsischen Flüchtlingsrat schilderte die Lage von Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften „ohne Privatsphäre und wenig Möglichkeiten, mit Deutschen in Kontakt zu treten“.  Integration könne so nicht gelingen, sagte er. Gerade auf dem Land gebe es genug Wohnraum auch für Asylbewerber. Statt in einer Gemeinschaftsunterkunft könnte dort „eigentlich jeder in einer eigenen Wohnung wohnen“, fügte er hinzu. In Sachsen bewege sich die Zahl der dezentral untergebrachten Asylsuchenden weiter auf niedrigem Niveau.

Midelia vom Antidiskriminierungsbüro forderte die Landeregierung auf, die Problematik ernst zu nehmen. Es brauche „ein klares Signal, dass wir in Sachsen keine rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt dulden“.

Diskriminierungen bei der Wohnungssuche gehöre zur Alltagserfahrung von Migranten, sagte Petra Zais, migrationspolitische Sprecherin der sächsischen Grünen-Fraktion im Landtag. Davon würden ihr Geflüchtete und ehrenamtlich Tätige, die sich für geflüchtete Menschen engagieren, berichten. „Der Aufsichtsrat und der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau haben sogar offiziell beschlossen, keine Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten“, sagte Zais. Innenminister Markus Ulbig (CDU) dürfe „derart rassistisches Agieren“ nicht länger dulden.  „Der Innenminister darf nicht länger ignorieren, dass anerkannte Asylsuchende in kommunalen Gemeinschaftsunterkünften verharren, obwohl sie dazu rechtlich gar nicht mehr verpflichtet sind, nur weil es ihnen nicht gelingt, auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung zu mieten. So wird Integration verhindert."

Das es ganz anders geht, schilderte Rainer Seifert, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (vdw). Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes würden Geflüchteten in Sachsen ein „menschliches und dezentrales neues Zuhause gegeben“, sagte er. Darüber hinaus sei der vdw Sachsen   Initiator des Netzwerkes „Ankunft – Zukunft“. Seit fast zwei Jahren bemühe man sich, Zugewanderten eine Beschäftigung zu ermöglichen, „damit eine echte Integration stattfindet – im Quartier und am Arbeitsmarkt“. Man unterstütze Geflüchtete durch persönliche Beratung, direkten Verweis an Ansprechpartner vor Ort sowie Vermittlung von passgenauen Schulungsangeboten – „selbstverständlich kostenfrei“.

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