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Advent in den Höfen: Quedlinburg öffnet zur Adventszeit die gute Stube der Stadt

Advent in den Höfen: Quedlinburg öffnet zur Adventszeit die gute Stube der Stadt

Advent in den Höfen ist nicht nur der bekannteste und beliebteste Weihnachtsmarkt im Harz, sondern der wohl ungewöhnlichste in Deutschland. Die Besucher erwartet an drei Wochenenden ein Blick hinter die Mauern jahrhundertealter Fachwerkbauten in sonst meist nicht zugängliche Innenhöfe.

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Advent in den Höfen - Deutschlands wohl ungewöhnlichster Weihnachtsmarkt.

Quelle: dpa

Quedlinburg. Die verwandeln sich auf ganz eigene Weise in kleine weihnachtliche Märkte, jeder für sich ein Unikat.

Als Steffen Schade vor fünf Jahren anfing, den Lokschuppen in Quedlinburg zu entrümpeln, kam ihm nicht im Entferntesten der Gedanke, einmal eine der Attraktionen von Advent in den Höfen zu sein. Am ersten Adventswochenende wird es in dem festlich geschmückten Ziegelsteinbau nach Glühwein und Lebkuchen duften, gibt es Harzer Bergmannskruste, Töpferwaren und Hochprozentiges aus der Quedlinburger Destille.

Handbetriebene Lok-Drehscheibe

Nicht nur Eisenbahnfans dürften ihre Freude haben, wenn Schade und seine fünf Mitstreiter abwechselnd kräftig an der Kurbel drehen. Der Schuppen in der Frachtstraße verfügt über eine handbetriebene Lok-Drehscheibe. „Ich denke, sie ist die älteste ihrer Art in Deutschland, auf jedenfalls sehenswert", sagt Steffen Schade, der sie unter einem Berg Erde und Geröll ausgegraben und wieder funktionstüchtig gemacht hat.

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Quedlinburg. Advent in den Höfen ist nicht nur der bekannteste und beliebteste Weihnachtsmarkt im Harz, sondern der wohl ungewöhnlichste in Deutschland. Die Besucher erwartet an drei Wochenenden ein Blick hinter die Mauern jahrhundertealter Fachwerkbauten in sonst meist nicht zugängliche Innenhöfe. Die verwandeln sich auf ganz eigene Weise in kleine weihnachtliche Märkte, jeder für sich ein Unikat.

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Der Lokschuppen ist einer von 24 Höfen, die an den ersten drei Adventswochenenden geöffnet haben. Dass er etwas außerhalb der Altstadt liegt, ist den Veranstaltern mehr als recht. „Wir wollen, dass sich die Besucher nicht nur in den Höfen rund um den Markt drängen", sagt Advent-Initiatorin Gabriele Vester. Dennoch ist sie in Sorge, dass es wieder eng werden wird in der tausendjährigen Kaiserstadt, „sehr eng".

Verständliche Sorgen, strömten doch im vergangenen Jahr an zwei Adventswochenenden rund 130.000 Besucher in die schmalen Straßen und verwinkelten Gassen der Harzstadt, die selbst nur 28.000 Einwohner zählt. Um Gedränge zu vermeiden haben die Höfe in diesem Jahr deshalb erstmals an drei, statt bislang nur an zwei Wochenenden geöffnet.

„Geboren ist das alles eher aus Verzweiflung", sagt Gabriele Vester. Nach der Wende hat die Rheinländerin ein altes Gildehaus in Quedlinburg zum Hotel Theophano ausgebaut und sich gefragt, wie es Quedlinburg gelingen kann, auch im grauen, tristen Dezember Touristen anzulocken. Der damalige Weihnachtsmarkt mit „Fressbuden und grausigen Verkaufsständen" schreckte eher ab. Deshalb zauberte sie 1996 erstmals in ihren eigenen Hof am Hotel weihnachtliches Flair, lud befreundete Künstler ein, bot neben selbst zubereitetem Glühwein und Harzer Spezialitäten auch Exotisches wie Austern an.

24 weihnachtliche Höfe

Das machte Lust auf mehr. Auch bei den Quedlinburgern selbst. Im Jahr darauf luden drei Höfe ein, im folgenden acht, dann elf. Inzwischen sind es 24, so viele wie der Weihnachtskalender Türchen hat.

Jedes Jahr kommen zwei bis drei neue hinzu, während andere pausieren - zumeist nach einem freundlichen Hinweis von Frau Advent und dem Weihnachtsengel. Als solche verkleiden sich Gabriele Vester und ihre Freundin, die Quedlinburger Tourismusmanagerin Dagmar Hoppe. Sie verlangen nicht nur ein „schlüssiges Konzept" für jeden Hof, sie ziehen an den Adventswochenenden auch prüfend durch die Stadt. „Bratwurst anzubieten allein reicht nicht", sagt Frau Advent, die in Rock und enger Jacke aus rotem Samt – die Hände in einen dicken schwarzen Muff vergraben - schon ein wenig Strenge ausstrahlt.

Neu in diesem Jahr ist der „Himmlische Hof", der einmal zum Kloster gehört hat. Ganz im Zeichen Skandinaviens steht der Hof Finkenherd, der in der Obhut von Architektin Andrea Weyhe ist. An dem Ort, an dem die Künstler und Händler aus Dänemark, Schweden und Finnland ihre Wollsachen, Felle und Süßigkeiten feilbieten, hat sich der Sage nach Sachsenherzog Heinrich im Jahr 919 beim Vogelfang vergnügt, als ihm die Abgesandten der Fürsten die Königskrone antrugen. Heinrich machte die Stadt später zu seiner Lieblingspfalz.

Besuch bei der Schokoladenkönigin

Quedlinburg ist geschichtsträchtig, wohin man schaut. Über den roten Dächern der rund 1200 Fachwerkhäuser thront die Stiftskirche mit dem einzigartigen Domschatz, eine kostbare Reliquiensammlung, Geschenke des ottonischen Herrscherhauses an das Damenstift. Kann sein, dass man sich schon beim Aufstieg zum Schatz verliert, etwa im Stollenhof, wo es neben Harzer und sächsischem Backwerk auch Heil- und Gewürzpflanzen heimischen Anbaus geben wird. „Und nicht zu vergessen das Café Vincent", sagt Frau Advent, „weithin bekannt als Käsekuchenbäckerei."

Gabriele Vester bringt sich in diesem Jahr mit einem Hof in der Hohen Straße ein. Die Weihnachts-Deko im angrenzenden Fachwerkbau ist komplett in Silber und Weiß gehalten. Unter Eulen, Sternen, herzförmigen Schatullen und Vogelkäfigen gibt Tochter Luise ihr süßes Debüt als Schokoladenkönigin. Die 26-Jährige hat in Avignon das Handwerk des Chocolatiers gelernt und kredenzt jetzt feine Gaumenfreuden aus Schokolade und Nougat. Auf den Tisch kommen auch Ricciarelli - italienische Mandelkekse. Gut möglich, dass Frau Advent damit zahlreiche Besucher anlockt. Aber die Konkurrenz in Quedlinburg ist groß.

Andreas Dunte

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