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Mitteldeutschland Zuschläge bei Beiträgen: Ältere Fahrer fühlen sich abgezockt
Region Mitteldeutschland Zuschläge bei Beiträgen: Ältere Fahrer fühlen sich abgezockt
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22:05 19.11.2018
Schon älter – aber noch gut in Form: Das gilt für gepflegte Oldtimer ebenso wie für ältere Autofahrer. Quelle: Archiv/Anke Herold
Leipzig

Mit dem Ende dieses Monats rückt auch der Stichtag zum Wechsel in eine günstigere KFZ-Versicherung näher. Günstig fährt dabei, wer lange keinen Schaden angerichtet hat. Eine einfache Regel, von der ältere Autofahrer wenig haben.

„In meinem Alter, über 70 Jahre, erhöht sich die Versicherung jedes Jahr, obwohl meine schadensfreien Jahre ansteigen", beschwert sich LVZ-Leser Roland Graupner aus Leipzig: „Wie grotesk, Rente ab 67 Jahre, am liebsten mit 70 Jahren – aber mit 65 oder noch eher wird man als Risiko auf der Straße eingestuft."

Mit dieser Kritik steht der sächsische Rentner nicht allein. Das von Hanne Schweitzer geleitete Büro gegen Alters­diskriminierung in Köln hat unzählige Beschwerden wütender Autofahrer gesammelt. Die zumeist noch vitalen Senioren sind sauer über den pauschalen Alterszuschlag in der KFZ-Versicherung.

„Rechtlich gilt der Zuschlag aber als legitim", so Schweitzer. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz dürfe aus sachlichen Gründen differenziert werden, bestätigt auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Erhebliche Zweifel an der Sachlichkeit dieser Argumentation hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso). „Das kalendarische Lebensalter ist generell kein geeignetes Abgrenzungskriterium", betont Verbandssprecherin Barbara Stupp.

Forschungen zeigten, dass „das Alter allein keine Vorhersage über das Unfallrisiko erlaubt", so die Sprecherin. Zudem verfüge das Versicherungssystem mit den Schadensfreiheitsrabatten bereits über ein Belohnungs- und Bestrafungssystem. „Dieses funktioniert altersunabhängig – und das ist auch richtig so", konstatiert die Seniorenvertretung.

Angesichts erheblicher Unterschiede bei den Altersaufschlägen der KFZ-Versicherer bezweifelt die Bagso, dass sie auf einer soliden statistischen Grundlage beruhen und dass sie damit einen sachlichen Grund im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes darstellen.

Eine „Finanztip“-Studie ergab, dass schon 65-Jährige im Schnitt elf Prozent mehr bezahlen als 55-jährige Fahrer.

Weitere zehn Lebensjahre verursachen einen noch höheren Aufschlag: Einen 75-Jährigen kostet seine KFZ-Versicherung im Schnitt 57 Prozent mehr als einen Mittfünfziger. Da gehe es oft um mehrere Hundert Euro pro Jahr. „Die Versicherer sind am Zuge", sagt Stupp, „sie müssen ihre Berechnungsgrundlagen offenlegen."

Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) verweist darauf, dass ältere Fahrer im Schnitt mehr Schäden verursachen als Fahrer mittleren Alters. Damit handle es sich um ein Merkmal, das den Versicherungsbeitrag für ältere Fahrer anhebt, erklärt Verbandssprecher Christian Ponzel. Die Bekanntgabe der GDV-Berechnung sei aber unverbindlich, der Beitrag Sache der Versicherungsunternehmen. 

Die ADAC-Autoversicherung folgt diesen Empfehlungen und berücksichtigt die jeweiligen Altersklassen bei der Prämienkalkulation. Sprecher Christian Buric begründet die Zuschläge damit, „dass jüngere und ältere Fahrzeugnutzer tatsächlich häufiger Verkehrsunfälle verursachen“.

Von Winfried Mahr

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