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Mitteldeutschland Proteste gegen AfD in Riesa: Mehr als tausend Teilnehmer demonstrieren
Region Mitteldeutschland Proteste gegen AfD in Riesa: Mehr als tausend Teilnehmer demonstrieren
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11:27 13.01.2019
Quelle: Nicole Grziwa
Riesa/Leipzig

Mehr als 300 Demonstranten aus Leipzig haben sich am Sonnabendmittag zu Protesten nach Riesa aufgemacht. In der sächsischen Elbestadt tagte seit Freitag die AfD bei ihrem Bundesparteitag. Aufgerufen sich zu beteiligen hatte das Bündnis „Leipzig nimmt Platz“.

An Gleis 21 am Leipziger Hauptbahnhof versammelten sich am Vormittag Demonstranten mit dem Ziel Riesa. Empfangen wurden sie von der Polizei, die zahlreich und im Spalier am Anfang des Gleises standen. Bevor die Demonstranten rund um die Initiative „Leipzig nimmt Platz“ in den Zug steigen konnten, forderten die Polizisten sie stichprobenartig auf, die Taschen zu öffnen. „Ihr fallt in alte Gewohnheiten zurück“, hieß es daraufhin bei Twitter an die Adresse der Beamten. „Wir wollten damit sicherstellen, dass niemand gefährliche Gegenstände mit sich führt“, erklärte der Pressesprecher der Bundespolizei Dresden, Holger Uhlitzsch. Es sei allerdings nichts gefunden worden.

Lieber Liebe statt Hass

Nach der 45-minütigen Fahrt strömten zahlreiche Demonstranten auf den Parkplatz des Bahnhofs in Riesa, bis es mehr als 1000 Teilnehmer sind. „Rassismus ist keine Alternative“ stand auf kleinen Plakaten mit regenbogenfarbenen Hintergrund, die dort ausgeteilt wurden. Andere hatten ihre eigenen dabei: „Lieber Liebe statt Hass“ lautete die Schrift auf einem goldfarbenen Transparent.

„Es sind nicht die Geflüchteten oder Muslime, die ein Problem darstellen, sondern die AfD“, sagte Christine Buchholz bei einer Kundgebung, bevor die Demonstration begann. „Seit es die AfD gibt, ist es auf einmal wieder okay Dinge zu sagen, die man vorher nicht gesagt hat, wie der Islam gehöre nicht zu Deutschland.“, erklärte der Teilnehmer Nico Max Lindenberg, „Sobald sich die Menschen an solche Sätze gewöhnt haben, könnte eine schlimme Zeit beginnen“.

Motivierende Musik und Sprechgesänge

Ein langer Zug aus zwei „Lautis“ – kleine Lastwägen mit Lautsprechern – und Menschen mit ihren Plakaten und großen Bannern setzte sich um 13.30 Uhr in Bewegung. Angeführt von der Polizei und gefolgt von einer Kapelle, die orientalisch angehauchte Musik spielte, liefen die Demonstranten in Richtung Sachsen-Arena, wo die AfD seit Freitag tagte. „Die Musik ist motivierend, ich bin richtig gut gelaunt“, sagte ein Mädchen, als die Kapelle zu spielen begann.

Sprechgesänge, wie „Ob Ost, ob West, nieder mit der Nazipest“, „Say it loud, say it here, refugees are welcome here“, die mit Pfeifen unterstützt wurden, riefen die Demonstrierenden. Schaulustige sahen aus ihren Wohnungen und filmten dabei immer wieder mit ihren Smartphones oder blieben am Straßenrand stehen, woraufhin sie von den Demonstranten ermuntert wurden mitzulaufen.

Trotz kleinem Zwischenfall bleibt es ruhig

Auf der Hälfte der Strecke wurde der Zug von einigen Männern und Frauen am Straßenrand angefeindet, indem sie den Mittelfinger zeigten oder das eben getrunkene Bier vor sich auf die Straße spuckten.

Aus einer Kundgebung vor dem Parteitagsgebäude zeigte der Polizei zufolge ein 29-jähriger Mann den Hitlergruß. Daraufhin wurde er von einem Unbekannten durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt. Die Polizei ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie wegen Körperverletzung. Auch einzelne Würfe von Flaschen und Bechern in Richtung der Polizeibeamten seien registriert worden.

„Wir müssen unsere Stimme erheben, aber ordentlich bleiben“, sagte Heiko Isopp, der im Zug der Demonstranten mitlief. Von den 50 Ordnern wurden Menschen immer wieder aufgefordert, mittig auf der Straße zusammen zu bleiben. Auch mehrere Polizisten der insgesamt 700 Einsatzbeamten vor Ort begleiteten den Zug und warteten an den Straßenecken.

Schon als die Demo angekündigt wurde, ging die Polizei davon aus, dass es ruhig bleibe. Dennoch gab es ein großes Aufgebot von Beamten aus Dresden, die für den Notfall auch Wasserwerfer dabei haben. An der Sachsen-Arena war schon weit von dem Eingang entfernt eine Absperrung aufgestellt. Dahinter saßenn rund zehn Polizisten auf Pferden.

Ermittlungsverfahren wegen Fake-Bildzeitung

Ein weiteres Ermittlungsverfahren wurde dennoch eröffnet. Drei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 26 und 30 Jahren müssen sich wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Kunsturheberrechtsgesetz verantworten. Sie hatten mehrere hundert Exemplare einer Fake-Ausgabe der Bild-Zeitung verteilt. Themen der Titelseite: die EU-feindliche Politik der AfD und ein Spendenaufruf für Seenotretter.

Der Europaparteitag der AfD in Riesa geht noch bis Montag.

Nicole Grziwa

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