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Mitteldeutschland AfD-Politiker Jens Maier aus Kino in Dresden geworfen
Region Mitteldeutschland AfD-Politiker Jens Maier aus Kino in Dresden geworfen
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10:33 26.12.2018
AfD-Politiker Jens Maier wollte sich in einem Dresdner Kino „Das Leben des Brian“ ansehen, musste jedoch den Saal verlassen. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Dresden

Traditionell wird der Heiligabend in der Dresdner Schauburg schon am Morgen mit der Filmvorführung „Das Leben des Brian“ begonnen. Diese Veranstaltung organisiert der Jugendverein Roter Baum bereits seit vielen Jahren und mietet sich dafür in die Schauburg ein.

In diesem Jahr gab es jedoch unerwünschten Besuch: Wie zunächst die Sächsische Zeitung berichtete, kam auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier mit seiner Partnerin am Montagmorgen in die Schauburg, um sich den Film anzusehen. Doch so weit kam es nicht. Nach Beschwerden anderer Gäste soll der Veranstalter den Politiker des Saales verwiesen haben.

Weitere Provokationen sollten verhindert werden

Der Jugendverein Roter Baum e.V., der sich unter anderem im Bereich politischen Bildung enagiert, bestätigt den Vorfall und sieht darin eine gezielte Provokation Meiers. „Den Filmmorgen mit 'Das Leben des Brian' veranstalten wir seit vielen Jahren. Es ist keine öffentliche politische Diskussionsveranstaltung, vielmehr ein weihnachtliches Familientreffen“, sagt Organisator Alexander Bernstein, Mitarbeiter vom Roten Baum e.V. auf Nachfrage der Dresdner Neuesten Nachrichten.

Da sich der Rote Baum e.V. mit Freunden, Mitgliedern und anderen Menschen, die die Ansichten des Vereins teilen, seit vielen Jahren zum gemeinsamen Filmgucken in der Schauburg treffen, habe man sich schließlich auch für den Rauswurf entschieden. „Es ist offensichtlich, dass Jens Maier und wir völlig unterschiedliche Einstellungen haben. Um weitere Provokationen zu verhindern, haben wir schließlich von unserem Hausrecht Gebrauch gemacht“, sagt Bernstein. Hätte man Meier nicht rausgeworfen, hätte er einen anderen Anlass gefunden, Stimmung gegen den Verein zu machen, ist sich Bernstein sicher.

Veranstalter vermuten Wahlkampfstrategie

Er vermutet dahinter eine Strategie, die für mehr Stimmen zur Landtagswahl 2019 sorgen soll. Ähnliche gezielte Provokationen der AfD gegen Vereine, die sich gegen Rechts engagieren, seien in weiteren Teilen Deutschlands schon länger zu beobachten.

Am Nachmittag des 24. Dezember veröffentlichte Jens Maier ein Statement zu dem Vorfall auf seinem Facebook-Profil. Darin schrieb der 56-Jährige, er sei "des Saales verwiesen worden, weil einige #Linksextremisten sich beim Veranstalter darüber beschwert hatten, dass ich als #AfD-Bundestagsabgeordneter mit im Kinosaal war". Dafür fehle ihm jedes Verständnis. "Hier zeigte sich in aller Deutlichkeit, wie 'tolerant' die angeblich Toleranten sind, die sich ihrer Behauptung nach für eine weltoffene Gesellschaft ohne Ausgrenzung einsetzen."

Maier hatte Anfang 2018 mit einem rassistischen Posting auf seinem Twitter-Profil bundesweit für Aufsehen gesorgt. Noah Becker, der Sohn von Boris Becker, wurde darin als "kleiner Halbneger" bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft Dresden stellte ihr Verfahren gegen den sächsischen Bundestagsabgeordneten im September ein. Ein 24-jähriger Mitarbeiter Maiers, der für die Betreuung des Twitter-Accounts zuständig war, räumte ein für das Posting verantwortlich gewesen zu sein.

Von lml/nöß

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