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Mitteldeutschland Altenpflege in Sachsen: Nur ein Bewerber pro vier freie Stellen
Region Mitteldeutschland Altenpflege in Sachsen: Nur ein Bewerber pro vier freie Stellen
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13:15 12.03.2018
(Symbolfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

In der Altenpflege zeichnet sich ein deutlicher Engpass bei Pflegekräften ab. Die Zahl der freien Stellen ist in den letzten Jahren rasant gestiegen und kann kaum besetzt werden. Auf vier freie Stellen kommt in den mitteldeutschen Ländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt eine arbeitslose Fachkraft, heißt es bei der sächsischen Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur. „Nur durch hohe Arbeitsintensität und Überstunden halten die vorhandenen Pflegekräfte die Versorgung aufrecht“, meint Matthias Faensen vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Noch gebe es keinen Pflegenotstand, so der sächsische Landesvorsitzende, aber auf den steuere man zu, wenn sich nicht bald etwas ändere.

„Aktuell gibt es in Sachsen 707 gemeldete freie Stellen für Altenpflegefachkräfte, über 70 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Dem stehen aber nur 172 arbeitslose Fachkräfte aus dem Bereich gegenüber“, sagt Frank Vollgold, Sprecher der Landesarbeitsagentur. In Thüringen kommen auf 348 Stellen 76 Bewerber.

Mit der Alterung der Bevölkerung werde der Bedarf an Altenpflegefachkräften weiter steigen. Allein zwischen 2009 bis 2013 ist die Zahl der Pflegebedürftigen von 131.700 auf 149.500 gestiegen. Das Statistische Landesamt geht für 2030 von 192.000 Bedürftigen aus. Das sind rund 40.000 Sachsen mehr, die auf ambulante Hilfe oder die Unterbringung in stationären Pflegeeinrichtungen angewiesen sind. Die Statistiker haben zugleich einen Bedarf von rund 22000 zusätzlichen Fachkräften in der Altenpflege bis 2030 errechnet. Aktuell sind es in Sachsen 32.883.

Laut dem Sozialministerium in Dresden gibt es keinen Pflegenotstand. Auch nicht in absehbarer Zeit, teilt eine Sprecherin mit. Befanden sich im vergangenen Jahr 1451 Personen in einer Ausbildung oder Umschulung zum Altenpfleger, sind es in diesem Schuljahr 1618. Damit werde der Bedarf gedeckt. Sachsen sei das Bundesland, das – bezogen auf die Einwohnerzahl – die meisten Altenpfleger ausbildet. Grund dafür sei auch der vom Land gezahlte Ausbildungszuschuss.

Dass die Zahl der Auszubildenden wächst, spreche für die Beliebtheit des Berufs, sagt Faensen, der zugleich Geschäftsführer der Pflegeeinrichtung Advita für Berlin, Sachsen und Thüringen ist. Fakt sei aber, dass künftig mehr Ältere aus dem Beruf aussteigen, als Neue nachrücken. 14,5 Prozent aller Beschäftigten in der Altenpflege seien älter als 55 Jahre, bestätigt die Arbeitsagentur. Negativ wirke sich vor allem die niedrige Entlohnung aus. Fachkräfte in den ostdeutschen Bundesländern bekommen im Schnitt 30 Prozent weniger Lohn als ihre westdeutschen Kollegen, sagt Faensen. Am geringsten verdienen laut Arbeitsagentur mit 1803 und 1856 Euro die Beschäftigten in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Am besten verdienen Altenpfleger in Baden-Württemberg (2799 Euro). Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass viele nach Abschluss ihrer Lehre in ein anderes Bundesland gingen. Die Folge seien Mehrarbeit in den hiesigen Einrichtungen, was zu hohem Krankenstand und weiterer Fluktuation von Mitarbeitern führe, so Faensen. Auch die Gewerkschaft Verdi schlägt Alarm. In den drei mitteldeutschen Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten sich bei den Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen über 3,9 Millionen Überstunden angehäuft. Pro Mitarbeiter seien das 32,5 Überstunden. „Ohne das zusätzliche Engagement des Personals würde das ganze System nicht mehr funktionieren“, sagt Verdi-Fachbereichsleiter Bernd Becker.

Die Arbeitsagentur würde bei der Umschulung zum Altenpfleger helfen. Allein in den vergangenen fünf Jahren konnten wir über 2500 Menschen mit einer Umschulung zum Altenpfleger fördern, sagt Sprecher Vollgold. Außerdem könnten Arbeitgeber bei ihnen beschäftigte Helfer zur Fachkraft qualifizieren und dabei mit finanzieller Unterstützung rechnen. Für dieses Jahr stünde eine Fördersumme in Höhe von 13 Millionen Euro bereit. Das sei der richtige Weg, so Faensen. Zugleich fordert er eine deutliche Verbesserung der Vergütung der Pflegeleistungen. Das sei Voraussetzung für eine schnelle Lohnangleichung, ohne die der Notstand in der Pflege nicht aufzuhalten sei.

Auf unserem LVZ-Stellenportal finden Sie viele Stellenangebote für Altenpfleger: www.lvz-job.de/altenpfleger-leipzig

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