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News Armbrustschütze von Kitzscher muss sieben Jahre in Haft

Armbrustschütze von Kitzscher muss sieben Jahre in Haft

Der Armbrust-Schütze von Kitzscher muss wegen versuchten Mordes für sieben Jahre ins Gefängnis. Zu dieser Strafe verurteilte ihn am Dienstag das Landgericht in Leipzig.

Leipzig/Kitzscher. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Hilmar W. im September mit einer Armbrust auf seine Frau gezielt hat. Die Geschosse verletzten die 53-Jährige am Schlüsselbein.

„So was passiert doch eigentlich nur im Fernsehen und nicht bei uns in Kitzscher!“, sagte eine Zeugin fassungslos bei der Verhandlung. Es sei eine ganz normale Familie gewesen, die 1997 in den Kitzscheraner Ortsteil Braußwig zog. Er arbeitete als Ingenieur, seine Frau – als Buchhalterin gleich nach der Wende arbeitslos geworden – hatte sich auch wieder um Beschäftigung bemüht. Eine Liebesheirat, zwei Kinder. Doch diese Familie hatte Probleme, schon lange bevor sie von Leipzig aufs Land zog.

1987 hatte sich die erkrankte Mutter von Hilmar W. das Leben genommen, was den Sohn aus dem Gleis warf. Er glaubte, auch bald krank zu werden, sagte häufig, dass das Leben keinen Sinn habe, dass er sich umbringen wolle, berichtete seine Frau vor Gericht. Sie, die sich als positiver Mensch einschätzt, habe stets versucht, ihn wieder aufzubauen.

Doch das Paar stritt sich, stets ging es um Geld. Es gab einen Schuldenberg. „Im Laufe der Jahre hat sich das hochgeschaukelt. Doch wir haben immer wieder versucht, normal zu leben“, sagte die Ehefrau. Mitte dieses Jahres verschärfte sich die Situation, als Hilmar W. im August arbeitslos wurde. Zudem hatte die Familie ihre Raten für das Haus bei der Bank nicht gezahlt – Zwangsversteigerung. Die Auseinandersetzungen nahmen kein Ende, wurden heftiger. „Irgendwann konnte ich nicht mehr“, so die Frau.

Sie wolle sich nun endgültig trennen, verkündete sie ihrem Mann. Für Hilmar W. brach eine Welt zusammen. Das Haus weg, der Job weg, ein Schuldenberg, und nun wollte auch noch die Frau gehen.

Am 29. September stand er nach eigenen Angaben spät auf, holte aus dem ehemaligen Kuhstall seine Armbrust, setzte sich ins ungeheizte Wohnzimmer und brütete darüber nach, wie er sich selbst umbringen könnte. Als seine Frau von der Frühschicht nach Hause kam, gab er ihr das auch zu verstehen. Doch sie habe wie immer reagiert: Er solle sich zusammenreißen und nicht solchen Mist erzählen.

Es gibt zwei Versionen darüber, was gegen 18 Uhr an diesem Tag passierte. Die Frau von Hilmar W. berichtete, dass sie aus dem Bad kam, und da stand ihr Mann im Türrahmen des Wohnzimmers und zielte mit der Armbrust, in der ein 43 Zentimeter langer Metallpfeil steckte, auf sie. „Du hast mich falsch verstanden. Ich will nicht mich umbringen, sondern dich“, habe er gesagt.

Der Pfeil schoss auf sie zu, traf sie oberhalb der Brust, prallte am Schlüsselbein-Gelenk ab und fiel zu Boden. Mediziner gaben vor Gericht an, dass der Schuss einen Zentimeter daneben lebensgefährlich gewesen wäre. Danach sei ihr Mann auf sie zugestürzt und habe versucht, sie mit dem Pfeil in die Brust zu stechen. Sie habe mit ihm gerungen. Plötzlich sei er mit einem Weinkrampf zusammengebrochen. Sie flüchtete aus dem Haus und rief bei der Nachbarin die Polizei.

Hilmar W. beharrte darauf, mit der Armbrust nicht auf sie gezielt zu haben. Er wollte mit der Waffe nur seine Suizidabsichten deutlich machen und sie davon abhalten, sich von ihm zu trennen, erklärte er vor Gericht. Der Schuss habe sich aus Versehen gelöst.

Der Staatsanwalt schenkte dieser Version keinen Glauben. Er plädierte auf versuchten Mord und forderte sieben Jahre Haft für den 51-Jährigen. Das Gericht schloss sich nun diesem Antrag an.

Claudia Carell-Domröse/Matthias Roth

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