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Asylbewerber: Schneeberg wehrt sich gegen braunen Protest

Asylbewerber: Schneeberg wehrt sich gegen braunen Protest

In mehreren Orten Sachsens gehen Bürger wegen Asylbewerberheimen auf die Straße. Aber nicht, um gegen Flüchtlinge zu protestieren, wie die NPD versucht anzustacheln, sondern um Ausländerfreundlichkeit zu zeigen und der NPD nicht die Marktplätze zu überlassen - am Freitag in in Schneeberg.

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Düstere Szenerie im Zentrum auf dem Schneeberger Markt.

Quelle: dpa

Leipzig. Am Freitag so gegen sechs Uhr abends wird die Spannung in Schneeberg (Erzgebirgskreis) zum Greifen sein. Von zwei Seiten ziehen Demonstrationszüge gen Markt. Dort wettern, angestachelt von der NPD, Menschen gegen die Unterbringung von rund 250 Asylbewerbern in der ehemaligen Bundeswehrkaserne drei Kilometer außerhalb der Stadt. Gegen diese Stimmungsmache wehrt sich das Bündnis "Schneeberg für Menschlichkeit". Es will zeigen, dass Schneeberg nicht fremdenfeindlich ist. Diesem Demonstrationszug werden sich nicht nur Bürger, Abgeordnete von drei Stadtratsfraktionen, etliche Parlamentarier aus Bundestag- und Landtag, sondern auch Innenminister Markus Ulbig (CDU) anschließen. "Die Schneeberger wollen ein deutliches Signal senden und ich unterstütze das", begründete er gestern. Zeitgleich unterwegs sind linke und antifaschistische Demonstranten, die gegen die Ausländerfeindlichkeit protestieren wollen. Die drei Demos werden sich in der Innenstadt bis auf Hörweite annähern. Ein Polizeiaufgebot will sichern, dass sie sich nicht noch näher kommen.

Die Asylbewerber aus der Erstaufnahmeeinrichtung selbst werden sich nicht beteiligen. Viele von ihnen waren in den jüngsten Wochen in der Stadt. 80 Kinder nahmen mit Eltern am Martinstag am Laternenumzug teil. Dabei wurden keine Anfeindungen bekannt. Im Gegenteil. Es gibt viel Unterstützung und auch Spenden aus der Schneeberger Bevölkerung für die aus ihren Heimatländern Geflüchteten.

In Schneeberg werde geklaut, die Kriminalitätsrate steige, man müsse Angst um seine Kinder haben, heißt es bei einigen, die vor zwei Wochen im Fackelzug der NPD mitgingen. Beobachter stellten in diesem Block eine aggressive Stimmung fest.

"Die Kriminalistätsrate ist nicht gestiegen. Auch der Ausländeranteil an den Straftaten nicht. Er liegt aktuell bei etwa drei Prozent", sagt Uwe Markert, Hauptamtsleiter Schneebergs, und verweist auf die Grenznähe der Stadt zu Tschechien. Er wundert sich noch immer über den plötzlichen Aufruhr in der Stadt. In Schneeberg habe es von Mitte der neunziger Jahre bis 2012 eine reguläre Asylbewerberunterkunft gegeben. "Damals gingen deren Kinder hier zur Schule, waren integriert und es gab keine schlechten Erfahrungen", so Markert. Auch als Schneeberg vor einigen Jahren kurzzeitig Außenstelle der Chemnitzer Erstaufnahmeeinrichtung wurde, gab es keinen Ärger. "Jetzt mobilisiert die NPD wie an vielen anderen Orten auch in Schneeberg", sagt Matthias Preiß, der die Bürgerinitiative gründete. Er will morgen sehen: "Sind die Proteste gegen die Asylbewerber Ergebnis der Stimmungsmache oder Bürgermeinung."

In Schneeberg hatten Asylbewerber aufgenommen werden müssen, weil die Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz überfüllt und es zu Gewalt zwischen Bewohnern gekommen war. Die Schneeberger bemängeln die schlechte Vorbereitung der Verlegung. "Im Verfassungsschutzbericht steht: Wo Asylbewerber untergebracht werden, da mobilisiert die NPD den Protest. Aber uns informiert man kaum darüber", beklagt Preiß. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gestand inzwischen ein, die Kommunikation der Behörden mit den Schneebergern hätte verbessert werden können. Für morgen hoffen alle auf einen friedlichen Verlauf der Demos. Der Weihnachtsmarkt ist bereits zur Hälfte aufgebaut. Ausschreitungen kurz vor der Adventszeit wären das Letzte, was Schneeberg jetzt braucht. Viele fürchten, dass die Touristen dem berühmten Lichtelfest am zweiten Adventswochenende fernbleiben könnten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2013
Andreas Friedrich

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